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Trotz Pflanzendrink-Boom: Hafer bleibt auf deutschen Äckern ein Nischenprodukt – auch in NRW

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Haferflocken
Gerade in Großstädten werden Produkte aus Hafer immer beliebter. (Symboldbild) © Eva Gruendemann/IMAGO

Hafer gehört nicht zu den Favoriten von deutschen Landwirten. Trotz eines Zuwachs, dürften die Anbauflächen in Zukunft wieder zurückgehen.

Bonn – Hafer bleibt in der deutschen Landwirtschaft trotz der gestiegenen Nachfrage nach Hafererzeugnissen wie Haferdrink ein Nischenprodukt. Nach Einschätzung der Agrarmarkt-Informationsgesellschaft (AMI) zeigt die gestiegene Verbrauchernachfrage bisher keine Preiswirkung für die einheimischen Landwirte. Zudem spiele die Klimaveränderung eine Rolle. Mit der Trockenheit sei das Risiko von Ernteausfällen bei dem relativ sensiblen Hafer gewachsen. In NRW waren 2020 vor allem in Städten wie Düsseldorf und Münster Produkte aus Hafer sehr beliebt.

Trotz Anstieg im Jahr 2020: Rückgang bei Hafer-Anbauflächen erwartet – Erlöse zu niedrig

Die Anbaufläche sei in Deutschland 2020 zwar auf 155.800 Hektar beziehungsweise 1,33 Prozent der gesamten Ackerfläche gestiegen, berichtet das AMI mit Verweis auf das Statistische Bundesamt. 2019 waren es noch 126.300 Hektar und ein 1,08 Prozent der Fläche. In diesem Jahr sei aber eine um etwa 7 Prozent kleinere Erntefläche zu erwarten, heißt es mit Verweis auf den Deutschen Raiffeisenverband.

„Hafer wird zurückgehen, weil sich das für den Landwirt nicht rechnet“, sagte Wienke von Schenck, AMI-Marktanalystin Pflanzenbau, der Deutschen Presse-Agentur. Die Erlöse seien 2020 für eine dauerhafte Ausweitung des Anbaus zu gering gewesen. Außerdem hätten einige Landwirte nur deshalb Hafer angebaut, weil ein Teil der Felder im Herbst zuvor nicht mit Wintergetreide bestellt werden konnte.

Hafer-Anbau spielt in NRW nur geringe Rolle – klimatische Bedingungen sind Schuld

In Nordrhein-Westfalen sank der Ertrag pro Hektar Anbaufläche in den vergangenen Jahren deutlich auf geschätzt 4,4 Tonnen im Jahr 2020, wie die Landwirtschaftskammer NRW anhand von Daten des Statistischen Landesamtes berichtet. 2019 waren es 4,9 Tonnen und 2018 noch 5,4 Tonnen je Hektar. Die Anbaufläche in NRW war – ähnlich wie bundesweit – 2020 mit 7000 Hektar etwas höher als 2019 mit 6700 Hektar. Auch Köln ist der Haferanbau nicht von Bedeutung, in der Domstadt baut man dagegen eine Ackerfläche zu einem neuen Stadtviertel um.

„Hafer ist sehr empfindlich. Er braucht eine kühlen Frühling“, sagt Lea-Kathrin Piepel, Pressereferentin Landwirtschaftskammer NRW. Deshalb sei der Anbauschwerpunkt in Deutschland der Norden. Für das laufende Jahr geht die Kammer ebenfalls von einer geringen Erntefläche in Nordrhein-Westfalen aus. Der Schwerpunkt im bevölkerungsreichsten Bundesland sei die Region Westfalen-Lippe.

Der in Deutschland geerntete Hafer wurde laut AMI in den vergangenen Jahre zu mehr als die Hälfte als Futtermittel genutzt. Das waren im Durchschnitt demnach etwa 400.000 Tonnen pro Jahr. Dem stehen 370.000 Tonnen pro Jahr gegenüber, die in den Nahrungsmittelbereich flossen. Die Haferimporte stiegen 2019/20 auf rund 544.000 Tonnen nach 503.000 Tonnen 2018/19. Nordeuropa ist ein wichtiges Anbaugebiet. Zuletzt kamen allein 228.000 Tonnen aus Finnland und 92.000 aus Schweden. (dpa)

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