1. 24RHEIN
  2. Leben im Westen
  3. Essen & Trinken

Imbisse müssen jetzt Mehrwegverpackungen anbieten – doch viele wissen davon noch nichts

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Jonah Reule

Mehrwegangebotspflicht? Was ist das? In NRW schauen Kunden oft in fragende Gesichter, wenn sie im Imbiss nach Mehrweggeschirr fragen. Beim Branchenverband Dehoga hat man dafür wenig Verständnis.

Köln – Seit dem 1. Januar müssen Gastronomen in Deutschland ihren Kunden Mehrwegverpackungen für Speisen und Getränke anbieten. Wer zum Beispiel am Flughafen noch schnell vor Abflug einen Kaffee trinken möchte, kann nun zwischen den bereits bekannten Einwegbechern oder wiederverwendbaren Bechern wählen. Grund ist ein neues Verpackungsgesetz, wonach Gastronomen ihre Kunden auf die Mehrwegvariante aufmerksam machen müssen.

Nur: Häufig passiert das noch nicht, zahlreiche Gastronomen in NRW wissen nicht einmal etwas von dem neuen Gesetz, wie eine Stichprobe unserer Redaktion ergeben hat: Fast 20 Betriebe hatten noch nie davon gehört und viele wollten über das Thema nur ungern reden.

Mehrwegangebotspflicht: Dehoga NRW sieht keine Nachteile für Gastrobetriebe

Dass viele Gastronomen die neue Mehrwegangebotspflicht nicht auf dem Schirm haben, kann Erten Tekce vom Hotel- und Gaststättenverband Dehoga nur bedingt verstehen. Denn das Thema sei in Nordrhein-Westfalen bereits seit Anfang 2022 präsent und frühzeitig über diverse Kanäle angesprochen worden, so Tekce im Gespräch mit 24RHEIN. Und auf Infoveranstaltungen habe es ein großes Interesse an Mehrweglösungen seitens der Gastronomen gegeben.

So funktioniert die Mehrwegangebotspflicht

► Ab dem 1. Januar 2023 sind Gastronomiebetriebe in Deutschland verpflichtet, ihren Kunden Mehrwegverpackungen für Spiesen und Getränke zum Mitnehemen anzubieten.

► In den Gastrobetrieben muss auf die Mehrwegvariante hingewiesen werden, Kunden können zwischen Einweg- und Mehrwegverpackungen wählen.

► Die Mehrwegverpackungen dürfen aber nicht teurer sein, als die Einwegvariante.

► Je nachdem, welchen Mehrweganbieter die Gastronomen nutzen, können Kunden die wiederverwertbaren Verpackungen auch bei anderen Gastrobetrieben in Deutschland abgeben.

► Gastronomen, die sich nicht an die Mehrwegangebotspflicht halten, riskieren ein Bußgeld von bis zu 10.000 Euro.

► Kleine Betriebe sind von der Regelung ausgenommen, sofern dort maximal fünf Angestellte arbeiten und die Verkaufsfläche unter 80 Quadratmetern liegt.

Womöglich liege die Zurückhaltung der Gastronomen beim Thema Mehrwegangebotspflicht darin begründet, dass viele sich in der letzten Zeit noch mit ganz anderen Themen auseinandersetzen mussten: Gerade im letzten Jahr hätten vor allem der Ukraine-Krieg, steigenden Energiekosten und der Personalmangel im Vordergrund gestanden.

Nachteile und höhere Kosten sieht er für die Gastrobetriebe nicht durch die neue Pflicht. „Die Kosten sind gar nicht um so vieles höher, als beim Einweggeschirr“, sagt Tekce. In der Regel sei Einweggeschirr in der Summe sogar teurer.

Mehrwegverpackungen können teils bundesweit zurückgegeben werden

Wie die Gastronomen die Mehrwegangebotspflicht in ihren Betrieben umsetzen, bleibe laut Tekce den Betrieben selbst überlassen. Es müsse nur ein Angebot an Mehrwegverpackungen geben, das dem Kunden auch kommuniziert werden müsse. „Am Ende entscheidet der Kunde, was er haben möchte“, erklärte Tekce gegenüber 24RHEIN. Wer Einwegverpackungen haben möchte, könne diese auch weiter bekommen. Wichtig sei jedoch, dass dem Kunden kein Mehraufwand entstehe.

Ein Mehrwegbecher der Firma Recup wird in einem Gastronomiebetrieb mit Milch gefüllt
Ab jetzt müssen viele Cafés beim Coffee to go auch Mehrwegbecher anbieten. © Mohssen Assanimoghaddam/dpa

Eine Pfandregelung für die Mehrwegverpackungen begrüßt Tekce. Bei lokalen Betrieben könne es Sinn machen, eigene Mehrwegverpackungen einzusetzen. Bei größeren Ketten, die beispielsweise an Flughäfen und Bahnhöfen vertreten sind, könne die Partnerschaft mit größeren Marken wie Recup und Vytal von Vorteil sein, so Tekce weiter. Beide Mehrweganbieter ermöglichen Kunden die Rückgabe der wiederverwendbaren Verpackungen bundesweit an allen Partnerstellen. So könne ein Kaffee am Köln Hauptbahnhof gekauft und der Kaffeebecher nach der Zugfahrt in Berlin wieder abgegeben werden.

Mehrwegangebotspflicht in NRW: Läden am Flughafen Düsseldorf nutzen Pfandsysteme

Schon flächendeckend angewandt wird die Pflicht am Flughafen Düsseldorf, wo es mit 32 Läden ein breites Angebot an Gastronomien gibt. Mithilfe von Mehrwegverpackungen möchte der Flughafen in diesem Jahr die Zahl der Einwegverpackungen aus Kunststoff um bis zu fünf Millionen Stück verringern. So sollen bis zu 80 Tonnen CO₂ eingespart werden, erklärt Ansgar Pieper vom Abfallmanagement des Flughafens.

So funktioniert das Pfandsystem am Düsseldorfer Flughafen

► In den Läden am Flughafen werden vor allem die Produkte der Mehrweganbieter Recup und Vytal genutzt. Beide bieten wiederverwendbare Becher und Schüsseln an.

► Bei Läden, die mit Recup arbeiten, fällt für die Mehrwegbehälter Pfand an. Die Behälter können an allen teilnehmenden Partnerbetrieben deutschlandweit zurückgegeben werden. Recup nutzen am Düsseldorfer Flughafen unter anderem die Läden Goodman & Filippo, Quicker‘s und Caffè Motta.

► Bei Vytal benötigen die Kunden die Vytal-App, um Behältnisse auszuleihen. Das ausgeliehene Geschirr wird mit einem QR-Code registriert. Die Rückgabe kann an allen Vytal-Standorten innerhalb von 14 Tagen nach dem Ausleihen erfolgen. Es muss kein Pfand gezahlt werden. Das Pfandystem von Vytal nutzen am Airport Betriebe wie L‘Osteria, Kamps und Hausmanns.

McDonalds bietet eigene Mehrwegverpackungen an – Burger King arbeitet mit Recup

Auch die großen Fastfoodketten McDonalds und Burger King haben längst ein Konzept für die Umsetzung der Mehrwegangebotspflicht. McDonalds nutzt sein eigenes Mehrwegsystem. Kunden können bereits bei der Bestellung auswählen, ob sie eine Einweg- oder Mehrwegverpackung haben möchten, so das Unternehmen. Wer sich für die Mehrwegvariante entscheidet, müsse zunächst einen Pfandbetrag von 2 Euro zahlen. Das Pfand werde erstattet, sobald man die Verpackungen wieder zurückbringe, so McDonalds weiter. Abgeben kann man die Mehrwegverpackungen an allen McDonalds-Standorten in Deutschland.

Konkurrent Burger King geht dagegen einen ähnlichen Weg, wie die Läden am Flughafen in Düsseldorf und setzt auf eine Partnerschaft mit Recup. Bei Bestellungen von Getränken, Milchshakes und Eis können Kunden auf Wunsch an allen 750 Restaurants in Deutschland einen Recup-Becher erhalten, so Burger King. Der Pfandbetrag liegt für Becher und Deckel jeweils bei einem Euro, sodass ein Getränk samt Deckel 2 Euro Pfand koste. „Die Rückgabe ist in jedem Burger King Restaurant sowie bei über 16.500 RECUP-Partnern deutschlandweit möglich“, erklärt Burger King weiter. (jr) Fair und unabhängig informiert, was in NRW und Köln passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

Auch interessant