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Wenn‘s den Kühen besser gehen soll, kostet die Milch etwa 20 Cent mehr – doch das wollen die wenigsten bezahlen

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Von: Jana Wehmann

Eine Milchkuh wartet auf ihr Futter.
Experten fordern ein einheitliches Tierschutz-Label, damit höhere Tierschutzstandards und Preise akzeptiert werden. (Symbolbild). © Axel Heimken/dpa

Bei höheren Tierwohlstandards könnte die Milch für Verbraucher etwa 20 Cent pro Liter teurer werden. Den Preisanstieg wollen jedoch die meisten nicht bezahlen.

Köln – Viele Verbraucher kaufen ihre Milch im Supermarkt, das geht einfach und schnell. Dort sind zwar die Preise pro Liter Milch am günstigsten, oft leidet jedoch das Tier während der Herstellung.

Wenn höhere Tierwohlstandards umgesetzt werden, könnte die Milch für Verbraucher bis zu 20 Cent pro Liter teurer werden – bezahlen wollen das jedoch nur die wenigsten. Das ergab eine Untersuchung des Instituts für Ernährungswirtschaft (ife) Kiel und der Fachhochschule Kiel, für die 235 Milchbetriebe in acht Bundesländern befragt wurden.

Referenz sei das Tierwohllabel „Für mehr Tierschutz“ des Deutschen Tierschutzbundes, teilte die Fachhochschule mit.

Mehrkosten in der Milchherstellung: Tierwohl könnte verbessert werden

Um das Tierwohl zu verbessern, müssten die Betriebe Geld in die Hand nehmen. In der Einstiegsstufe des Labels müssten sie mit durchschnittlichen Mehrkosten für Investitionen von etwa 2,28 Cent je Liter Milch rechnen. Jede Kuh müsste in dieser Kategorie über einen komfortablen Fress- und Liegeplatz verfügen.

Die Premiumstufe würde durchschnittliche Mehrkosten von rund 2,64 Cent je Liter Milch bedeuten. Hier müsste den Tieren ganzjährig ein Auslaufhof zur Verfügung stehen. Während der Vegetationsperiode, in der die Pflanzen besonders wachsen, bekommen die Kühe Weidegang.

Tierwohl in der Milchindustrie: Verbraucher wollen Preisanstieg nicht zahlen

Die Mehrkosten in den Molkereien bezifferte Holger Thiele von der FH Kiel mit etwa 5,7 bis fast 19 Cent je Liter Milch. Diese entstünden zum Beispiel durch höhere Logistikkosten beim Einsammeln der Milch von zunächst nur wenigen Höfen und deren getrennte Verarbeitung. Auch beim Vertrieb entstehen höhere Kosten durch weitere Wege.

„Das wollen aber die wenigsten zahlen, obwohl sie sich höhere Tierwohlstandards wünschen“, sagte Thiele. Einen Grund sehen die Forscher in der geringen Bekanntheit der einzelnen Tierwohllabels.

Die Arbeit des Deutschen Tierschutzbunds

Der Deutsche Tierschutzbund steht dafür, jedes einzelne Tier zu schützen und hat sich in den vergangenen Jahrzehnten dafür eingesetzt, dass die Rahmenbedingen für alle Tiere in der deutschen Landwirtschaft verbessert werden. Mit dem Tierschutzlabel „Für Mehr Tierschutz“ werden Produkte tierischen Ursprungs gekennzeichnet, wo die Standards einen echten Mehrwert an Tierschutz gewährleisten. Die Standards sind darauf ausgerichtet, den Tieren in der Landwirtschaft zu ermöglichen, ihren Bedürfnissen und Ansprüchen an ihre Haltungsumgebung nachzukommen. Dies ist durch die gesetzlichen Vorgaben bislang nicht gewährleistet.

Der Mehrwert durch die Einhaltung von Tierwohlstandards müsste klar nachvollziehbar und vertrauenswürdig dargestellt werden, schlugen sie vor. Ein leicht verständliches staatliches Label und eine gesetzlich vorgeschriebene Kennzeichnung könnten helfen, so die Experten.

Denn einheitliche Labels würden Verbrauchern direkt im Supermarkt bei Rewe, Edeka, Aldi, Lidl & Co. eine Auskunft über die Herstellung und die eingehaltenen Standards ermöglichen. Dadurch könnten die Preise transparenter und verständlicher werden. (jaw/dpa)

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