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Kirmes absagen wegen Gas-Krise? Schausteller-Chef mit klarer Meinung – „abstrus“

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Von: Sofia Popovidi

Auf der Kirmes ist viel zu sehen: Fahrgeschäfte, Imbiss- und Schießbuden. Für Groß und Klein ist etwas dabei.
Kirmes in Zeiten von Gas-Krise. Muss hier auch gespart werden? (Symbolbild) © Rainer Droese/IMAGO

In vielen Städten in NRW findet im Sommer eine Kirmes statt. Ist das angesichts steigender Energiekosten und Gas-Krise überhaupt vertretbar?

Köln – Die Gas-Preise steigen rapide an. An den Kirmes-Veranstaltern und Schaustellern in NRW geht das Thema ebenfalls nicht spurlos vorbei. Vieles wird teurer und die Kosten steigen – auch für Schausteller und Kirmes-Besucher. Vielerorts wird Gas gespart: Freibäder drehen die Temperatur runter, Städte überlegen, wie sie Energie sparen können. Kirmes und Gas-Krise – passt das zusammen? Oder sollte auf Kirmes und Volksfest verzichtet werden, um Gas und Energie zu sparen?

Kirmes in Zeiten von Gas-Krise? Schausteller-Präsident mit klarer Meinung

Die Gas-Krise ist ein Thema, das auch den Schausteller-Präsidenten Albert Ritter beschäftigt. Ritter ist Vorsitzender des Deutschen Schausteller-Bundes (DSB). „Die ersten sagen ja schon wieder, man muss die Kirmes oder den Weihnachtsmarkt abschalten, wir haben ja nicht genug Gas“. Seine Meinung zu derartigen Überlegungen ist jedoch klar: „Vollkommen abstrus, weil auf der Kirmes wird kein Gas in der Form gebraucht, kein Erdgas und auch kein russisches Gas.“

Deutscher Schausteller Bund DSB

Gegründet wurde der DSB 1950 von zwölf Schaustellerverbänden – heute zählt der Verband über 4200 Vollmitgliedschaften aus 92 eigenständigen Schaustellervereinen. Sie sind verantwortlich für die Erhaltung und Förderung der traditionellen Jahrmärkte, Kirmessen, Volksfeste und Weihnachtsmärkte.

Gas- und Stromverbrauch auf Kirmes und Volksfesten

Albert Ritter macht deutlich, dass kein Gas aus Russland verwendet wird. Auf den Kirmes-Plätzen würden auch keine Erdgas-Leitungen gelegt, verwendet werde nur Propan. Es handle sich dabei um „Propangas in Flaschen, wie auf dem Campingplatz“. „Das ist ein Abfallprodukt der Benzin-Herstellung aus den deutschen Raffinerien“, erklärt Ritter. Es sei eine „irrsinnige“ Auffassung, Volksfeste schließen zu wollen, um Gas zu sparen.

Das Flüssiggas wird, anders als Erdgas, nicht aus Russland bezogen. Es stammt überwiegend aus Europa, entweder aus Bohrinseln oder Raffinerien, heißt es beim Flüssiggasversorger Progas. Doch auch die Preise für Propangas steigen um bis zu 30 Prozent an, teilt auch Ritter in einer Pressemitteilung mit.

Das Vergleichsportal „Energiemarie“ zeigt den deutlichen Anstieg des Preises:

Monat/JahrDurchschnitt bei einer Liefermenge von 5000 Litern
Dezember 202172,32 Cent pro Liter
März 202298,78 Cent pro Liter

Kirmes in NRW: Muss man jetzt Strom sparen?

Und wie sieht es beim Stromsparen aus? Auch dazu ist die Lage laut Ritter klar. Fast die Hälfte des Stroms, der auf einer Kirmes verbraucht wird, werde für die Schausteller genutzt. „40 Prozent des Stromes, der auf der Kirmes verbraucht wird, sind für Wohnwagen und mobile Sozialräume. Also wenn wir jetzt die Kirmes abschalten und die Schausteller zu Hause bleiben, gehen diese 40 Prozent ja nicht weg“, betont der DSB-Präsident. Die Schausteller würden diesen Strom dann nämlich einfach privat verbrauchen.

Der Stromverbrauch einer Kirmes hängt natürlich von der Anzahl der Besucher und der gefahrenen Runden auf den Fahrgeschäften ab. Durchschnittlich gilt laut den Stadtwerken Düsseldorf, dass bei einer zehntägigen Kirmes der Verbrauch bei etwa 800.000 Kilowattstunden liegt. Zum Vergleich: Das entspricht circa der Menge, die 250 Familien im Jahr an Strom brauchen.

Stromverbrauch auf Kirmes: Nicht entscheidend?

Pro Kirmes-Besucher werde eine halbe Kilowattstunde, also 500 Watt, verbraucht, sagt Ritter. „Jeder der zu Hause bleibt und sich eine Pizza in der Mikrowelle warm macht, verbraucht dann mehr, als wenn hier im Kollektiv eben 1000 Leute an einer Bude eine Pizza kaufen.“

Kirmes in NRW

24RHEIN zeigt die Kirmes-Termine für Nordrhein-Westfalen 2022 im Überblick.

Während auf der Annakirmes in Düren die Preise steigen, versucht die Cranger Kirmes 2022 in Herne dagegen zusteuern, indem sie auf „Mondpreise verzichtet“. (spo) Fair und unabhängig informiert, was in Köln und NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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