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Muss ich im Lockdown Urlaub nehmen? Das müssen Arbeitnehmer wissen – Experte gibt Tipps

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Von: Jana Wehmann

An einem Strand in Frankfreich liegen Menschen auf Handtüchern, im Hintergrund ist das Meer zu sehen.
Sommer, Sonne, Strand und Urlaub – doch auf was müssen Arbeitnehmer beim Thema Resturlaub achten? © IMAGO / Andia

Nach dem Corona-Jahr 2020 haben viele Arbeitnehmer noch Resturlaub übrig. Gleichzeitig startet die Urlaubsplanung für das neue Jahr. Thomas Niklas, Fachanwalt für Arbeitsrecht, hat wichtige Tipps für Mitarbeiter und Unternehmen zum Thema Urlaubsanspruch in der Coronakrise.

Köln – Durch die Corona-Krise sah die Auftragslage in vielen Betrieben eher schmächtig aus. Arbeitnehmer hatten weniger zu tun und waren teilweise auch in Kurzarbeit. Nun ist das Corona-Jahr 2020 vorbei und viele Arbeitnehmer haben noch Resturlaub auf ihrem Mitarbeiterkonto. Und eines steht fest: Das Fernweh der Deutschen ist groß. Wie die Studie „Travel Trends 2021 ergab, möchte auch ein Großteil bald verreisen.

Während viele Mitarbeiter ihre verbleibenden Urlaubstage jetzt noch nicht nehmen wollen, befürchten einige Unternehmen jedoch, dass die Auftragslage nach dem Lockdown wieder steigt – und dann die Mitarbeiter im Urlaub sind. Was passiert nun mit dem Resturlaub aus dem Corona-Jahr 2020? Dürfen Mitarbeiter ihren Urlaub wie üblich in Anspruch nehmen? Und wie sieht es eigentlich mit der Urlaubsplanung 2021 aus, solange ein Ende der Reiseeinschränkungen noch nicht absehbar ist?

Thomas Niklas ist Fachanwalt für Arbeitsrecht in Köln und kennt sich mit diesen Problemstellungen aus. Die wichtigsten Fragen für Arbeitnehmer und Arbeitgeber klärt der Experte im Gespräch mit 24RHEIN.

Tipp 1: Trotz Corona-Krise dürfen Mitarbeiter Resturlaub in Anspruch nehmen

Arbeitnehmer, die vergangenes Jahr zu wenig Urlaub in Anspruch genommen haben, können aufatmen. Denn der Urlaub ist noch nicht verfallen. „Noch bis zum 31. März 2020 können die verbleibenden Tage genutzt werden“, sagt Thomas Niklas – und zwar im vollen Umfang. Selbst dann, wenn es nach Ende des Lockdowns wieder stressiger wird. Für den Arbeitnehmer ändert sich daher nichts am Urlaubsanspruch, dieser bleibt auch bei erhöhter Auftragslage bestehen.

Allerdings müssen für die Übertragung der Urlaubstage bestimmte Voraussetzungen gegeben sein, so der Experte. „Da das Urlaubsjahr am 31. Dezember endet, verfällt danach auch der Urlaubsanspruch. Eine Übertragung ins nächste Kalenderjahr ist nur dann möglich, wenn der Urlaub aus dringenden betrieblichen Gründen oder aus Gründen des Arbeitnehmers nicht genommen werden konnte“, erklärt Niklas im 24RHEIN-Gespräch. Das könne zum einen eine hohe Auslastung im Unternehmen sein, aber auch eine Erkrankung des Arbeitnehmers – sofern dieser nicht Langzeit erkrankt ist.

Tipp 2: Abbau Resturlaub auch erst nach Lockdown möglich

Gibt es keine weiteren Regelungen im Unternehmen, verfällt der Resturlaub nach dem 31. März. Ausnahmefälle gibt es aber trotzdem: „Liegt eine betriebliche Übung – also ein Anspruch aufgrund einer wiederholten tatsächlichen Handhabung im Unternehmen – vor, dass der Resturlaub auch nach dem 31. März noch genommen werden darf, dann gilt der Urlaubsanspruch auch länger. Dieser Fall muss nicht schriftlich festhalten werden, es reicht, wenn es im Unternehmen immer so gehandhabt wird“, erklärt der Experte für Arbeitsrecht Thomas Niklas.

In diesem Fall also grünes Licht für Arbeitnehmer, die sich aufgrund des Lockdowns ihren Resturlaub angespart haben. Sie können sogar noch im Sommer ihre restlichen Tage aus dem Corona-Jahr nehmen. Wie lange der Resturlaub genommen werden darf, hängt jedoch von der Handhabung im Unternehmen ab.

Tipp 3: Nur Sonderfall in der Kurzarbeit reduziert den Urlaubsanspruch

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie treffen viele Unternehmen, erst kürzlich hat MyMuesli seinen Rückzug aus dem Filialgeschäft angekündigt. Um Kosten zu sparen, wurden daher im vergangenen Jahr viele Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt. „Sofern nur die Stundenanzahl reduziert wurde, die Arbeitstage aber gleich geblieben sind, ändert das nichts an den Urlaubstagen. Der Mitarbeiter behält also seinen bisherigen Urlaubsanspruch“, sagt Niklas. Daher kann der Resturlaub auch nach Ende der Kurzarbeit und dem Lockdown genommen werden. Das gilt im Übrigen ebenso im Fall der Kurzarbeit Null, also wenn der Arbeitnehmer gar nicht mehr arbeiten war.

Sonderfälle gibt es dennoch: Hat ein Unternehmen aufgrund der Corona-Krise Ausfälle und reduziert die Stundenanzahl tageweise, dann werden die Urlaubstage entsprechend prozentual runtergerechnet. Diese bleiben auch nach der Corona-Krise weiterhin reduziert.

Experte für Arbeitsrecht

Thomas Niklas hat an der Universität Bonn Rechtswissenschaften studiert. Anschließend absolvierte er sein Referendariat mit Stationen unter anderem im Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit, einer international tätigen Großkanzlei in Köln sowie einer Wirtschaftskanzlei in Edinburgh. Im Jahr 2007 begann er im Arbeitsrechtsteam einer internationalen Wirtschaftskanzlei zu arbeiten. Seit 2012 ist er als Rechtsanwalt in Köln tätig.

Tipp 4: Urlaub im Lockdown nur unter Umständen erzwingbar – langfristige Urlaubsplanung kann helfen

Möchte ein Arbeitnehmer aufgrund des Lockdowns keinen Urlaub nehmen, kann der Arbeitgeber ihn nicht dazu zwingen. Ausnahme: Es liegen „dringende betriebliche Gründe“ vor. Etwa bei Betriebsferien oder wenn Urlaubstage genommen werden müssen, damit das Unternehmen die Möglichkeit hat, Kurzarbeit einführen zu können.

„Arbeitgeber sollten aber ihrer Pflicht nachgehen, die Mitarbeiter frühzeitig – am besten schon zu Beginn des Jahres – über ihren Urlaubsanspruch im Einzelnen zu informieren“, sagt Niklas. Damit Arbeitgeber gar nicht erst in die Bredouille kommen, sollten sie idealerweise zu Beginn des Jahres einen Urlaubsplan mit den Mitarbeitern erstellen. „Dabei wird dann der gesamte Jahresurlaub verplant, dann bleibt im Idealfall auch kein Urlaub übrig“, sagt Niklas. Was passiert, wenn ein Arbeitnehmer während des Urlaubs in Quaränte muss, berichtet merkur.de*.

Tipp 5: Verreisen während Corona-Krise – muss der Urlaubsort offen gelegt werden?

Arbeitnehmer, die nun trotz Corona-Krise verreisen möchten, können ihr Reiseziel jederzeit festlegen – auch ohne Absprache mit dem Chef. Da es sich hierbei um das Privatvergnügen des Mitarbeiters handelt, muss dieser seinen Urlaubsort dem Arbeitgeber nicht offenlegen.

Wichtig: Besteht jedoch die Gefahr, dass sich der Mitarbeiter im Urlaub mit dem Coronavirus infiziert hat oder sich im erhöhten Risikogebiet aufgehalten hat, muss der Arbeitnehmer seinen Arbeitgeber vor möglichen Schäden schützen und ihn darüber informieren. Hat sich der Mitarbeiter im Urlaub sogar mit dem Coronavirus angesteckt und muss sich in Quarantäne begeben, hat er in dieser Zeit keinen Anspruch auf seinen Lohn. Diese Situation ist nämlich selbst verschuldet. (jaw) *merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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