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Verbraucherzentrale bemängelt Preisauszeichnung – doch Aldi weist Vorwürfe zurück

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Von: Jana Wehmann

Eine Aldi Nord Filiale mit dem Loo von Außen.
Die Verbraucherzentrale Hamburg verklagt Aldi (Symbolbild). © van der Velden/IMAGO

Die Verbraucherzentrale Hamburg bemängelt die Preisauszeichnung einiger Produkte von Aldi Nord. Der Discounter weist die Vorwürfe zurück.

Köln/Hamburg – Wer im Supermarkt einkauft, greift meist nach dem Produkt mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis. Daher lohnt sich der Blick auf die Preis-Auszeichnung: Wie viel kostet das Produkt gerechnet auf 100 Gramm? Obwohl fast jedes Produkt über einen Grundpreis verfügen muss, soll der Discounter Aldi beim veganen Aufschnitt lediglich den Preis pro Packung ausgewiesen haben, so die Verbraucherzentrale Hamburg in einer Mitteilung.

Wegen der mangelhaften Kennzeichnung der Grundpreise hat die Verbraucherzentrale Hamburg nun Klage gegen die Regionalgesellschaft der Aldi GmbH & Co KG in Horst eingereicht.

Grundpreise für fast alle Lebensmittel

Laut Preisangabenverordnung müssen Händler neben dem Verkaufspreis für fast alle Lebensmittel sogenannte Grundpreise angeben. Nur bei wenigen Ausnahmen darf der Preis pro Kilogramm oder pro Liter am Regal fehlen.

Verbraucherzentrale Hamburg verklagt Aldi: mangelhafte Kennzeichnung der Grundpreise

Konkret geht es dabei um einen veganen Aufschnitt, der in einer 70-Gramm-Packung in mindestens zwei Hamburger Filialen des Discounters ohne Grundpreis verkauft worden sein soll. Darüber hinaus haben die Verbraucherschützer mehr als 100 Verstöße gegen die Preisgaben-Verordnung bei einem stichprobenartigen Test in fünf Hamburger Aldi Nord-Filialen festgestellt.

„Es gab fehlende Grundpreise, falsche Grundpreise, fehlende und falsche Preisschilder, auch vereinzelt irreführende Angaben zu Preissenkungen sowie verwirrende Angaben mit Beispielpreisen auf dem Preisschild“, sagt Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg.

Aldi Nord wird von Verbraucherzentrale angeklagt – das erste Gespräch

Die Vorwürfe der Verbraucherzentrale Hamburg sind Aldi Nord bekannt. „Hierzu gab es bereits im März schriftlichen Austausch zwischen der Verbraucherzentrale und uns. Unser Gesprächsangebot blieb allerdings unbeantwortet“, sagt Dr. Axel von Schemm von Aldi Nord auf 24RHEIN-Anfrage.

Der erste Kontakt sei laut Verbraucherzentrale am 10. März erfolgt. „Da ging es um eine Beschwerde eines Verbrauchers zu einer versteckten Preiserhöhung des besagten veganen Aufschnitts. Da ging es noch gar nicht um den Grundpreis“, erklärt Armin Valet im Gespräch mit 24RHEIN.

Anschließend habe die Zentrale weiter recherchiert und „etliche Ungereimtheiten bei den Preisschildern und beim Grundpreis festgestellt“, sagt Valet. Daraufhin habe die Verbraucherzentrale die Aldi Nord Regionalgesellschaft am 24. März abgemahnt, eine Antwort des Discounters sei am 9. April eingegangen. „Die Antwort des Anwalts war für uns inakzeptabel. Für uns war die Antwort kein Gesprächsangebot, sondern eine leere Floskel und kein ernsthaftes Angebot“, betont Valet auf 24RHEIN-Anfrage.

„Der Anwalt hat die Ansicht geäußert, dass Packungen nicht unter PAngVO [Preisangabenverordnung] fallen. Diese grundsätzliche Frage sollte dann doch gerichtlich entschieden werden. Da gab es ja keinen Gesprächsbedarf, wenn die Positionen so deutlich voneinander abweichen“, erklärt Valet im Gespräch. Da die Verbraucherzentrale zusätzlich fünf Filialen in Hamburg untersucht und weitere Verstöße festgestellt habe, „ziehen wir konsequenterweise vor Gericht, um das zu klären“, so Valet.

Verbraucherzentrale klagt Aldi Nord an: Discounter wirft die Vorwürfe zurück

Dass die Verbraucherzentrale jedoch Klage eingereicht hat, sei Aldi nur aus der Pressemitteilung bekannt. „Da uns die Klage allerdings bis heute nicht zugestellt worden ist, können wir inhaltlich dazu leider noch nicht Stellung nehmen“, erklärt von Schemm.

Dennoch weist Aldi Nord die Vorwürfe der Verbraucherzentrale Hamburg „in aller Deutlichkeit“ zurück: „Hier wird uns unverblümt vorsätzliche und systematische Täuschung unserer Kundinnen und Kunden bei den Preisauszeichnungen vorgeworfen“, sagt von Schemm auf 24RHEIN-Anfrage. Obwohl die Verbraucherzentrale von „vielen Verbraucherbeschwerden“ berichtet, sollen den Discounter im gesamten Aldi Nord Gebiet „keine Kundenbeschwerden“ zu den Grundpreisen erreicht haben.

Zudem seien Beschwerden zu Preisschildern, die die Verbraucherschützer erreichen, keine Seltenheit. „Wir vermuten, dass Verbraucher in solchen Angelegenheiten nicht den Unternehmen vertrauen, sondern eher Verbraucherzentralen und auch die Hoffnung hegen, dass die Verbraucherzentrale eher Verbesserungen erreichen kann“, erklärt Valet auf 24RHEIN-Anfrage.

Klage gegen Aldi: Verbraucherzentrale wirft fehlende Grundpreise vor

Trotz der Vorwürfe der Verbraucherzentrale Hamburg betont der Discounter, alle Vorgaben der Preisabgaben-Verordnung „selbstverständlich eingehalten“ zu haben. „Was es mit bei Aldi Nord angeblich ‚fehlenden Grundpreisen, falschen Grundpreisen, fehlenden und falschen Preisschildern und auch vereinzelt irreführenden Angaben zu Preissenkungen‘ auf sich haben soll, ist uns nicht klar“, sagt von Schemm. Daher sei der Discounter über die Pressemitteilung der Verbraucherzentrale erstaunt.

Darauf reagiert die Verbraucherzentrale Hamburg und sagt: „Die Aussage, dass Aldi alle Vorgaben der Preisangabenverordnung einhält, ist falsch und von uns mindestens 100fach widerlegt“, so Valet.

Laut der Verbraucherzentrale habe sich Aldi geweigert, eine Unterlassungserklärung zum veganen Aufschnitt zu unterzeichnen. Wie es weitergeht und ob es letztlich zu einer gerichtlichen Auseinandersetzung kommt, bleibt abzuwarten. In England testet Aldi derzeit eine Unverpackt-Station für lose Lebensmittel.(jaw)

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