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Aldi Süd: Aussagen zur Klimaneutralität irreführend? Wettbewerbszentrale reicht Klage ein

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Von: Jana Wehmann

Der Eingangsbereich einer Aldi Süd Filiale von Außen. An der Filiale hängt das Logo.
Die Wettbewerbszentrale reicht Klage gegen Aldi Süd ein (Symbolbild): © Wassilis Aswestopoulos/IMAGO

Die Wettbewerbszentrale hat in zwölf Fällen Aussagen zur Klimaneutralität abgemahnt. Nun reicht die Organisation eine Unterlassungsklage gegen Aldi Süd ein.

Köln/Mülheim an der Ruhr – Mit der Aussage „Erster klimaneutraler Lebensmitteleinzelhändler“ wirbt der Discounter Aldi Süd sowohl im aktuellen Protest als auch auf der Website. Diese Aussage sei laut der Wettbewerbszentrale irreführend und intransparent – weswegen die Wettbewerbshüter nun Klage gegen Aldi Süd eingereicht haben. Das bestätigt die Wettbewerbszentrale auf 24RHEIN-Anfrage.

Die Wettbewerbszentrale ist eine gemeinnützige Organisation

Die Wettbewerbszentrale ist die größte Selbstkontrollinstitution für fairen Wettbewerb. Getragen wird die gemeinnützige Organisation von mehr als 1.200 Unternehmen und über 800 Kammern und Verbänden der Wirtschaft.

Klage gegen Aldi Süd: Wettbewerbszentrale prüft mehrere Unternehmen

Nachdem die Wettbewerbszentrale Beschwerden zur Werbung mehrerer Unternehmen mit der Aussage „klimaneutral“ erhalten hat, wurden bereits zwölf Fälle als irreführend abgemahnt und die Einhaltung gesetzlicher Transparenzvorschriften verlangt. Während sich sechs Unternehmen dazu verpflichtet haben, die Werbeaussagen nicht zu wiederholen, hat die Zentrale in vier Fällen nun Unterlassungsklagen eingereicht – darunter auch Aldi Süd, wie Dr. Tudor Vlah von der Wettbewerbszentrale auf 24RHEIN-Anfrage bestätigt.

Konkret gehe es dabei um diese drei Aussagen: „wir handeln klimaneutral“, „erster klimaneutraler Lebensmitteleinzelhändler“ und „klimaneutral“, so Vlah. „Da dazu keine Erklärung folgt, sind die Werbeaussagen irreführend. Es ist nicht transparent genug, worauf sich Aldi Süd bezieht“, erklärt Vlah im Gespräch mit 24RHEIN.

Werbeaussagen „klimaneutral“: Unterlassungsklage gegen Aldi Süd

In der Werbung könnte der Begriff „klimaneutral“ zwei Bedeutungen haben. Einerseits dass die Treibhausgasemissionen – also der CO2-Fußabdruck – null entspreche, andererseits dass die Emissionen kompensiert wurden, so die Zentrale. „Es wird für den Kunden nicht aufgeklärt, worum es sich genau handelt“, sagt Vlah.

Durch die Aussagen werde nach Auffassung der Wettbewerbszentrale der Eindruck geweckt, dass die Klimaneutralität zu 100 Prozent aus Maßnahmen erreicht werde, die Aldi Süd selbst und seine Produkte betreffe. „Also dass alle Prozesse bei Aldi komplett klimaneutral seien. Dem ist aber nicht so“, ergänzt Vlah auf 24RHEIN-Anfrage. Denn die Klimaneutralität stelle lediglich ein rechnerisches Ergebnis, welches durch den Kauf von CO2-Zertifikaten erreicht werde, dar. „Zudem gibt es auch zahlreiche Ausgleichszertifikate für unter einem Euro“, so Vlah.

Beschwerde wegen irreführender Klimaneutralität: Aldi Süd betont Maßnahmen

Da es sich bei der Beschwerde um ein laufendes Verfahren handele, möchte Aldi Süd auf 24RHEIN-Anfrage keine weiteren Angaben tätigen. Dennoch weist der Discounter darauf hin, dass „sich der Begriff ‚klimaneutral‘ auf eine insgesamt ausgeglichene CO2-Bilanz bezieht und damit nicht gleichbedeutend mit dem Begriff ‚emissionsfrei‘ ist“, sagt Carolin Sunderhaus von Aldi Süd. Eine ausgeglichene CO2-Bilanz werde bei Aldi Süd erreicht, wenn nicht vermeidbare Emissionen durch zertifizierte Klimaschutzprojekte ausgeglichen werden.

Laut Aldi Süd sei dieses Konzept den Discounter-Kunden geläufig. Zudem verweist das Unternehmen auf das Aldi Süd-Nachhaltigkeitsportal, wo der Discounter transparent über seine Maßnahmen informiere. „Aktuell fördern wir im Rahmen unserer betrieblichen Klimaneutralität ausschließlich Klimaschutzprojekte, die mit dem sogenannten Gold Standard zertifiziert sind und gleichen somit sämtliche betriebliche Emissionen aus“, sagt Sunderhaus auf 24RHEIN-Anfrage.

Klage vor dem Landgericht Duisburg: Wettbewerbszentrale möchte klare Regeln schaffen

Da Aldi keine Unterlassungserklärung unterzeichnen wollte, habe die Wettbewerbszentrale die Klage am Landgericht Duisburg gegen den Discounter eingereicht. „Wir möchten nicht, dass andere Unternehmen, die klimaneutrale Maßnahmen umsetzen, in Zugzwang geraten. Deshalb haben wir nun Klage eingereicht, um für klare Regeln und Rechtssicherheit zu sorgen“, erklärt Vlah gegenüber 24RHEIN.

Gegen welche weiteren Unternehmen die Wettbewerbshüter Unterlassungsklagen eingereicht haben, wollte Vlah nicht sagen. Es handele sich dabei, um mittelständische Unternehmen. Erst kürzlich hat auch die Verbraucherzentrale Hamburg die Preisauszeichnung bei Aldi Nord bemängelt und Klage gegen eine Regionalgesellschaft eingereicht. Der Discounter weist die Vorwürfe allerdings zurück. (jaw)

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