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Coating hält Obst länger frisch – doch was verbirgt sich hinter dem Verfahren?

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Von: Jana Wehmann, Lydia Mayer

Ein Hinweisschild in einem Penny-Markt informiert Kunden zu Avocados mit Coating
Ein Hinweisschild in einem Penny-Markt informiert Kunden darüber, dass die Avocados durch Coating haltbarer sind. © Rewe Group

Edeka und Rewe setzen zunehmend auf Coating. Die „zweite Haut“ aus pflanzlichen Fetten und Ölen oder auf Basis von Zucker soll Obst länger haltbar machen. Doch noch ist Coating für viele Kunden vor allem ein Fremdwort.

Update vom 26. Februar, 16 Uhr: Obwohl die Edeka-Gruppe schon länger Coating-Produkte im Sortiment führt, wirbt der Supermarkt seit kurzem gezielt für sein Apeel-Verfahren. Dabei handelt es sich um eine pflanzliche Schutzhülle, die Obst und Gemüse doppelt so lange haltbar macht.

Die Nachfrage nach Apeel-Produkten sei bei Edeka kontinuierlich gestiegen. „Durch die neue Apeel-Kampagne ‚Länger genießen, weniger wegwerfen‘ hat diese Entwicklung noch einmal einen deutlichen Schub erhalten“, betont Edeka auf 24RHEIN-Anfrage.

Unter einem Facebook-Foto zur Apeel-Kampagne zeichnet sich bisher ein gemischtes Bild ab. „Wozu? Ein normaler Mensch kauft, was er in absehbarer Zeit essen kann. Ich will das nicht. Ich hoffe, die Produkte sind gekennzeichnet“, schreibt ein Facebook-Nutzer.

Andere User hingegen sagen „Muss man mal probieren“ und zeigen sich interessiert und fragen bei Edeka weiter nach, ob sich die Schalen auch zum Backen eignen. Dass die Apeel-Schutzschicht mitgegessen werden kann, kommt ebenso gut an: „Also im Grunde Verzehrbare Glyceride? Finde ich gut, besser als die Sachen, die nicht zum Verzehr geeignet sind“, heißt es in einem Kommentar. Da Coating-Verfahren noch nicht weit verbreitet sind, bleibt es spannend, ob weitere Supermärkte in Deutschland die Schutzschicht einführen werden. (jaw)

Coating hält Obst länger frisch – doch was verbirgt sich hinter dem Verfahren?

Erstmeldung vom 25. Februar

Köln – Es ist eine Alternative zur umweltbelastenden Plastikhülle: Coating. Mit dem unsichtbaren Überzug auf Basis von Fruchtzucker oder von pflanzlichen Fetten oder Ölen soll Obst und Gemüse trotzdem länger haltbar sein. Aktuell wird das Verfahren in Europa aber nur für Früchte angewendet. Auch Rewe und Edeka setzen mit ihren jeweiligen Discountern Penny und Netto zunehmend auf das Verfahren.

Damit soll auch vermieden werden, dass Lebensmittel zu schnell im Müll landen, weil sie nicht mehr gut sind. Indem der Überzug die Zellatmung von Obst reduziert, wird die Reifung der Früchte verlangsamt. Das Obst wird dafür entweder besprüht oder eingetaucht.

Coating für die meisten Kunden unbekannt

Noch ist das Coating-Verfahren vielen Verbrauchern ziemlich unbekannt. Daran scheinen auch die Hinweisschilder in den Märkten nicht viel zu ändern. Laut Rewe-Pressesprecher Thomas Bonrath ist das Coating für Rewe-Kunden nicht ausschlaggebend für den Kauf eines Produkts. In den Rewe- und Penny-Märkten werden bisher nur Avocados mit Coating angeboten. Dabei setzt Rewe auf eine „zweite Haut“ aus pflanzlichen Zuckern und Ölen.

Die Edeka-Gruppe, die gerade ein vollautomatisierte Mini-Filiale am Bahnhof Renningen eröffnet hat, hingegen schätzt die Resonanz der Verbraucher auf die Coating-Produkte positiv ein und verzeichnet seit der deutschlandweiten Einführung Mitte 2020 eine steigende Nachfrage. Mit der großangelegten Werbekampagne „Länger genießen, weniger wegwerfen“ samt TV-Spot, Aktivitäten auf Social-Media-Kanälen, Handzetteln und Plakaten in den Supermärkten hat Edeka versucht, den Kunden das Thema näher zu bringen. Zudem sind alle Coating-Produkte bei Edeka und Netto mit Aufklebern gekennzeichnet.

Und Edeka hat verglichen mit Rewe auch schon wesentlich mehr Produkte im Sortiment, die mit Coating haltbarer gemacht werden. Neben Avocados, Orangen, Mandarinen und Clementinen sind seit Anfang Februar in den Edeka- und Netto-Märkten auch Zitronen und Grapefruits mit dem unsichtbaren Frischeüberzug erhältlich.

Coating: Edeka will Apeel-Sortiment ausbauen

Dass die Produkte mit Coating Lebensmittelverschwendung – Coating verdoppelt die Haltbarkeit, es werden weniger Lebensmittel weggeschmissen – reduzieren und dadurch weniger Plastikmüll entsteht, würde von den Kunden positiv bewertet. „Aufgrund dieser positiven Kundenreaktionen werden wir unser Apeel-Sortiment dieses Jahr weiter ausbauen. Mit dem Apeel-Frischeschutz setzen wir uns aktiv gegen Lebensmittelverschwendung ein“, heißt es dazu von der Pressestelle von Edeka auf 24RHEIN-Nachfrage weiter.

Benannt ist das Edeka- und Netto-Sortiment mit Coating nach der Firma Apeel Sciences, die die Schutzschicht für das Obst entwickelt hat. Verwendet werden dafür pflanzliche Fette (Lipide), die aus pflanzlichem gentechnikfreiem Material wie Fruchtfleisch, Schalen und Samen gewonnen werden. Laut Verbraucherzentrale NRW werden dafür aktuell Abfälle aus der Lebensmittelproduktion genutzt, wie zum Beispiel Trester aus der Weinherstellung. 

Obst mit Coating laut Behörde unbedenklich

Die Früchte mit dem Überzug gelten laut Verbraucherzentrale NRW als nicht gesundheitsgefährdend. Rein chemisch handele es sich bei Coating um Mono- und Diglyceride wie bei dem als Lebensmittelzusatzstoff zugelassenen Emulgator E 471. Dieser gilt als unbedenklich, da er in den Fettstoffwechsel geht.

Aber: Teilweise besteht der Überzug auch aus gesättigten Fettsäuren. Diese werden laut Verbraucherzentrale mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten in Verbindung gebracht. Wissenschaftliche Belege dafür, dass dies auch für die geringen Mengen Mono- und Diglyceride von Speisefettsäuren gilt, gebe es aber nicht. Auch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) stuft die „zweite Haut“ als gesundheitlich unbedenklich ein.

Coating bei Bio-Früchten verboten

Coating darf dennoch nicht bei Bio-Früchten verwendet werden. Das Überziehen von frischen Früchten mit einem zugelassenen Zusatzstoff ist bei Bio-Produkten grundsätzlich nicht erlaubt. Unabhängig davon lässt das Coating auch generell keine Aussage darüber zu, wie die Früchte gezüchtet wurden. Laut Verbraucherzentrale NRW können Früchte mit Coating mit Konservierungsstoffen oder Pflanzenschutzmitteln behandelt worden sein.

Kritisiert wird aktuell, dass Früchte, die durch das Coating-Verfahren länger haltbar gemacht werden, nicht gekennzeichnet werden müssen. Eine Ausnahme bilden Zitrusfrüchte. Hier gibt es eine entsprechende EU-Norm, die das erforderlich macht. Eine allgemein verpflichtende und deutliche Kennzeichnung an Produkten mit Coating ist aus Sicht der Verbraucherzentrale NRW jedoch wichtig, gerade im Hinblick auf Allergiker.

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