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Trotz Corona: Rewe verzeichnet 2020 Umsatzrekord – doch eine Sparte trifft es hart

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Rewe Supermarkt
Ein Rewe Schriftzug hängt vor einem Supermarkt. © Oliver Berg

Trotz der Corona-Pandemie stehen bei Rewe alle Zeichen auf Wachstum. Schub gab es auch durch die Lekkerland-Übernahme. Doch es läuft nicht in allen Bereichen gut.

Köln – Gut gefüllte Einkaufswagen in den Supermärkten, gähnende Leere in den Reisebüros: Das Corona-Jahr 2020 hatte für den Handels- und Touristikkonzern Rewe zwei Gesichter. „Wir konnten unsere selbst gesteckten wirtschaftlichen Ziele letztlich erreichen, weil die positive Entwicklung in unserem Handelsgeschäft die schweren Belastungen unserer Touristik-Sparte ausgeglichen hat“, sagte Rewe-Chef Lionel Souque an Montag in Köln.

Rewe-Umsatzplus im Corona-Jahr 2020: Kunden wollen alles in einem Laden kaufen

Im Rewe-Kerngeschäft, dem Lebensmittelhandel, profitierte der Handelsriese davon, dass die Verbraucher in Deutschland angesichts geschlossener Restaurants und Kantinen und viel Homeoffice häufiger selber kochten und sich das auch etwas kosten ließen. Im Supermarktgeschäft in Deutschland stiegen die Rewe-Umsätze dadurch um mehr als 12 Prozent auf 26,5 Milliarden Euro. Besonders gut lief es für die selbstständigen Rewe-Kaufleute.

Dass die Rewe-Supermärkte sich auf dem Heimatmarkt besser schlugen als die konzerneigene Discount-Tochter Penny, entspricht laut einer Studie des Marktforschungsunternehmens GfK dem Branchentrend. Danach konnten die Supermärkte in der Pandemie den Discountern Marktanteile abnehmen. Die Begründung der Experten dafür: Verbraucher wollen in der Pandemie gern alles in einem Laden erledigen, bevorzugen deshalb die Supermärkte mit ihrem größeren Angebot.

Im Umgang mit der Corona-Pandemie zeigte sich Rewe auch durchaus kreativ. Um die Abstands- und Hygiene-Regeln einzuhalten, wurde in einigen Rewe-Märkten an der Wursttheke eine Warenrutsche installiert.

Online-Shops von Rewe profitieren ebenfalls im Corona-Jahr 2020: Konkurrenz durch Lieferdienste

Auch von dem Trend zum Onlinehandel profitierte die Rewe-Gruppe. Der Rewe-Online-Shop, Tierbedarfshändler Zooroyal und der Shop Weinfreunde.de setzten 2020 über eine halbe Milliarde Euro um – doppelt so viel wie im Vorjahr. Mit einem Anteil von zwei Prozent am Gesamtumsatz ist die Bedeutung der Online-Sparte aber weiter überschaubar. Das Online-Geschäft sei laut Rewe eine Investition in die Zukunft. Auch bei den Toom-Baumärkten profitierte Rewe 2020 von der Pandemie und steigerte die Umsätze um fast 20 Prozent auf 2,7 Milliarden Euro.

Die wachsende Konkurrenz im Online-Lebensmittelhandel, wo derzeit mit Anbietern wie Gorillas, Flink oder Knuspr zahlreiche neue Wettbewerber auf den Markt drängen, die mit Lieferungen noch am selben Tag oder sogar innerhalb von 15 Minuten punkten wollen, sieht Souque gelassen. „Wir nehmen das sportlich“, sagte er.

Lieferdienste haben aktuell einen Vorteil. Supermärkte passen in Regionen mit Ausgangssperre, etwa Köln, ihre Öffnungszeiten an und schließen um 21 Uhr. Bringdienste liefern aber auch nach 21 Uhr weiter, da es bisher keine explizite Vorschrift gibt, die das verbietet.

Die Übernahme des Großhändlers Lekkerland bescherte dem Handelsriesen im Pandemie-Jahr einen Wachstumsschub und einen Umsatzrekordwert von 75,3 Milliarden Euro (¨20,4 Prozent, wechselkursbereinigt).

Corona-Jahr 2020: Touristikgeschäft ist Sorgenkind für Rewe

Größtes Sorgenkind war in der Pandemie das Touristikgeschäft, wo Rewe mit Marken wie DER Touristik, ITS, Meiers Weltreisen und Kuoni unterwegs ist. Hier brachen die Umsätze pandemiebedingt um 73,9 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro ein. Trotz massiver Sparbemühungen musste die Sparte einen Verlust von rund 400 Millionen Euro ausweisen.

Doch der Konzern kann das aufgrund der Erfolge im Lebensmittelhandel aber verkraften.  Das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebita) stieg sogar um rund 34 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro. Das Konzernergebnis sank „nur“ um fast 20 Prozent auf 415 Millionen Euro, durch eine deutlich gestiegene Steuerlast und nicht verrechenbare Verluste der DER Touristik-Gruppe. Ende Februar wurde das Aus von 40 der 500 DER-Reisebüros bekannt gegeben. Ob auch die Filialen in Köln und Düsseldorf betroffen sein werden, blieb unklar.(dpa/lys)

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