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Elektro-Händler gibt in Deutschland auf – bekannt für Waschmaschinen und Kühlschränke

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Von: Benjamin Stroka

Die Lieferfahrzeuge von AO.
Die Lieferfahrzeuge von AO dürften bald aus Deutschland verschwinden. © AO Deutschland

Der auf Haushaltsgeräte spezialisierte Online-Händler AO zieht sich aus Deutschland zurück. Das trifft vor allem den Firmensitz in Bergheim bei Köln schwer.

Bergheim – Rückschlag für den Elektronik-Handel in NRW. Der britische Online-Händler „AO“ macht sein Deutschland-Geschäft komplett dicht. Davon ist auch die Zentrale in Bergheim im Rhein-Erft-Kreis betroffen. Bergheims Bürgermeister Volker Mießeler nennt die geplante Schließung „eine absolute Hiobsbotschaft“.

AO schließt Geschäft in Deutschland – schlechte Gewinnprognose

Viele Bestellungen und steigende Absätze – der auf Haushaltsgeräte spezialisierte Online-Händler AO und seine deutsche Tochterfirma „AO Deutschland Limited“ haben in den vergangenen Jahren geboomt. Seit 2014 ist AO auf dem deutschen Markt tätig, hat seine Zentrale in Bergheim bei Köln. Erst im November 2020 hatte AO in Deutschland das zweimillionste Gerät verkauft und ausgeliefert. Doch jetzt ist überraschend Schluss. AO hat angekündigt, sein Deutschlandgeschäft zu beenden.

Das Unternehmen aus dem englischen Bolton teilte mit, dass es nach einer „Bewertung mehrerer strategischer Optionen“ zu dem Entschluss gekommen sei, das Geschäft in Deutschland komplett einzustellen. Man sehe hier eine dauerhaft schlechte Gewinnprognose. Als Grund nannte AO, dass die Kunden in Deutschland im letzten Jahr wieder verstärkt zu ihren Shopping-Gewohnheiten vor der Corona-Pandemie zurückgekehrt seien. Das heißt: Es hätte weniger Online-Bestellungen gegeben, als beispielsweise 2020. Zudem begründet AO den Rückzug auch mit Lieferproblemen und gestiegenen Kosten für das digitale Marketing. AO Deutschland hatte zuletzt rund 10 Prozent des Gesamtumsatzes des Elektro-Händlers ausgemacht.

AO Deutschland macht dicht – aber noch nicht sofort

AO will sein Geschäft in Deutschland vorerst noch „für kurze Zeit“ fortsetzen. Wie lange genau, teilte das Unternehmen nicht mit. Damit soll aber eine „strukturierte und geordnete Schließung“ gewährleistet werden, sowohl für Kunden als auch Lieferanten und Angestellte.

AO: Elektro-Händler aus England

Das britische Unternehmen AO wurde 2001 in Bolton, England, gegründet. AO steht dabei als Kürzel für „Appliances Online“, übersetzt etwa „Haushaltsgeräte online“. Der Online-Händler ist also vor allem auf „weiße Ware“, zum Beispiel Waschmaschinen, Trockner, Kühlschränke oder Elektrokleingeräte spezialisiert. Seit 2009 liefert AO diese bestellten Produkte auch selbst aus. Seit 2014 ist AO auch auf dem deutschen Markt aktiv und hat seinen Firmensitz in Bergheim bei Köln.

AO-Rückzug trifft Bergheim: „Absolute Hiobsbotschaft“

Für Bergheim als Standort der deutschen AO-Zentrale ist der Rückzug ein schwerer Schlag. Mehr als 300 Mitarbeiter sind allein dort betroffen, wie Bergheims Bürgermeister Volker Mießeler mitteilte: „Für mich kommt diese Nachricht vollkommen überraschend.“ Er sei mit der AO-Geschäftsführung eigentlich in regelmäßigem Austausch gewesen und das Unternehmen habe sich auch in der Stadt engagiert. Umso schockierter reagiert der Bürgermeister über den geplanten Rückzug von AO aus Deutschland und somit auch aus Bergheim.

„Diese nunmehr sehr unerfreuliche Entwicklung – vor allem für die mehr als 300 Mitarbeiter an unserem Standort hier in Bergheim – ist gerade in Zeiten des Strukturwandels – einhergehend mit der Notwendigkeit der Schaffung zahlreicher Arbeitsplätze – eine absolute Hiobsbotschaft, da dadurch zunächst eine weitere große Zahl an Menschen ihren Arbeitsplatz verliert“, teilte Mießeler mit. Er will nun in Gesprächen mit der Geschäftsführung nach einer Lösung für die AO-Belegschaft suchen. Außerdem sollen auch Verhandlungen „zur schnellen Ansiedlung eines neuen Unternehmens“ so bald wie möglich beginnen.

Der Rückzug von AO ist nicht der erste Rückschlag für den Elektronik-Handel in Deutschland in den vergangenen Monaten. Auch Conrad Electronic hat erst vor wenigen Monaten bekannt gegeben, fast alle Filialen in Deutschland zu schließen. (bs) Fair und unabhängig informiert, was in Deutschland & NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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