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Fressnapf plant große Expansion: 400 neue Filialen geplant

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Ein Fressnapf-Markt von außen.
Fressnapf möchte in den nächsten Jahren hunderte neue Filialen eröffnen (Symbolbild). © Lobeca/Felix Schlikis/Imago

Fressnapf will in den nächsten Jahren 400 neue Märkte in Europa eröffnen. Dazu soll auch das Online-Geschäft angekurbelt werden. Doch die Konkurrenz ist stark.

Krefeld – Das Geschäft mit Haustieren brummt in Deutschland. Viele Menschen haben sich in der Pandemie Hunde oder Katzen zugelegt. Heimtierbedarfsketten wie Fressnapf, Zooplus und Futterhaus profitierten davon und glänzten 2021 mit zweistelligen Wachstumsraten. Dass mit Tierliebe so viel Geld zu verdienen ist, sorgt jetzt für Bewegung in der Branche. Finanzinvestoren kaufen sich mit Milliardenbeträgen ein. Und auch der Handelsriese Rewe hat möglicherweise noch etwas auf dem lukrativen Markt vor.

400 neue Filialen: Fressnapf will weiter expandieren

Wir wollen die Marktführerschaft nicht nur verteidigen, sondern auch ausbauen

Fressnapf-Firmengründer und -Eigentümer Torsten Toeller

Welche Wachstumsraten im Heimtiermarkt aktuell möglich sind, zeigt der in Krefeld ansässige Marktführer Fressnapf. Ihm gelang im zweiten Corona-Jahr das größte Umsatzwachstum der Firmengeschichte. Europaweit steigerte Fressnapf seinen Umsatz um 19,8 Prozent auf 3,17 Milliarden Euro. Das Online-Geschäft wuchs um mehr als 54 Prozent auf 245 Millionen Euro.

Auch für die Zukunft hat Firmengründer und -Eigentümer Torsten Toeller ehrgeizige Pläne. „Wir wollen die Marktführerschaft nicht nur verteidigen, sondern auch ausbauen“, sagte er am Mittwoch. In den nächsten drei Jahren sollen europaweit rund 400 neue Läden eröffnen. „Das Riesenwachstum der letzten zwei Jahre wird natürlich nicht so weitergehen. Die Kunden schaffen sich nicht jedes Jahr neue Tiere an“, betonte Toeller. Aber Fressnapf werde auf Wachstumskurs bleiben.

Haustierbedarf: Starke Konkurrenz für Fressnapf auf dem Online-Markt

Eine deutlich größere Rolle als bisher soll bei Fressnapf in Zukunft das Online-Geschäft spielen. Dort will Toeller weiter Gas geben: „Wir wollen weiter im E-Commerce beschleunigen“, kündigte er an. Chancen sieht Toeller für Fressnapf vor allem in der Verknüpfung von Online- und Offline-Angeboten und im Ausbau des Serviceangebots – etwa durch Video-Sprechstunden beim Online-Tierarzt Dr. Fressnapf.

Einfach wird ihm das die Konkurrenz aber nicht machen, das weiß Toeller. „Es sind neue Wettbewerber unterwegs, die tiefe Taschen haben. Sie wollen ein Stück vom Kuchen.“ Das Online-Geschäft gilt trotz Wachstums noch als Achilles-Ferse für Fressnapf. Denn hier sind andere deutlich stärker.

Der reine Online-Anbieter Zooplus prognostizierte zuletzt für 2021 einen Umsatz von über 2 Milliarden Euro – acht Mal so viel wie der E-Commerce-Umsatz von Fressnapf. Das macht Zooplus zum vielleicht gefährlichsten Herausforderer von Fressnapf, und diese Gefahr dürfte eher noch größer werden. Denn Zooplus hat neue finanzstarke Besitzer – den US-Finanzinvestor Hellman & Friedman und dessen schwedischen Partner EQT.

Neuer Fressnapf-Konkurrent? Rewe plant mit ZooRoyal eigenen Laden

Sie haben im Januar die milliardenschwere Übernahme von Zooplus abgeschlossen und das Unternehmen von der Börse genommen. Bei Zooplus soll nun noch einmal der Wachstumsturbo gezündet werden. Mit substanziellen Investitionen würden es die neuen Eigentümer dem Unternehmen ermöglichen, „die wachsende und sich schnell entwickelnde europäische Heimtierkategorie langfristig zu gewinnen“, beschrieb die Zooplus-Führung die Ziele der Investoren.

Doch nicht nur internationale Investoren haben angesichts der Wachstumsraten auf dem Heimtiermarkt Blut geleckt. Auch der deutsche Handelsriese Rewe spielt offenbar mit dem Gedanken, sich ein größeres Stück vom lukrativen Geschäft mit der Tierliebe abzuschneiden. Schon heute betreibt Rewe mit ZooRoyal einen der größten deutschen Online-Anbieter für Tierbedarf. Doch scheint es nur noch eine Frage der Zeit, bis Rewe unter der Marke ZooRoyal auch seinen ersten Laden eröffnet. Auf seiner Website sucht der Handelsriese jedenfalls derzeit schon nach Fachverkäufern für Zoobedarf für „den ersten stationären ZooRoyal Tierfachmarkt“ in Norderstedt bei Hamburg.

Und auch der Fressnapf-Rivale Futterhaus will Neues wagen. Bislang setzte Futterhaus ganz auf das stationäre Geschäft und war damit durchaus erfolgreich. Die Umsätze in den 406 Märkten der Kette in Deutschland und Österreich stiegen im vergangenen Jahr um 15,2 Prozent auf 521 Millionen Euro. Doch auch Futterhaus will künftig online mitspielen. „In den vergangenen Monaten haben wir einen Fahrplan ausgearbeitet, der unseren Weg ins digitale Geschäft vorsieht“, kündigte Geschäftsführer Kristof Eggerstedt kürzlich an.

Gute Zeiten für Fressnapf und Co.: Haustier-Boom in Deutschland

Der Kampf um den lukrativen Markt hat gerade erst begonnen. Es geht um ein Milliardengeschäft. Nach Angaben des Industrieverbandes Heimtierbedarf erhöhte sich die Zahl der Haustiere – Hunde, Katzen, Kleinsäuger und Ziervögel – im ersten Corona-Jahr 2020 um fast eine Million auf insgesamt 34,9 Millionen. Das beliebteste Haustier blieb mit 15,7 Millionen Exemplaren die Katze. Hinzu kamen 10,7 Millionen Hunde, 5 Millionen Kaninchen, Meerschweinchen, Hamster und Mäuse sowie 3,5 Millionen Ziervögel – außerdem ungezählte Tiere in Aquarien, Terrarien und Gartenteichen.

Fressnapf-Chef Toeller will im Kampf um die Gunst der Kunden vor allem mit der Verknüpfung von Online- und Offline-Angeboten und dem Ausbau des Serviceangebots – vom Tierarzt, über den Hundefriseur bis zum Tierhotel – punkten. Für ihn steht bereits fest: „Der Wettbewerb in der Branche wird leider nicht weniger – ganz im Gegenteil.“ (bs/dpa/Erich Reimann) Mehr News auf der 24RHEIN-Homepage. Tipp: Täglich informiert, was in NRW passiert – einfach unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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