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Rettung von 47 Galeria-Filialen gescheitert – was das für „Schön hier“ bedeutet

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Von: Oliver Schmitz

Buero.de hat die Übernahme von Galeria Karstadt Kaufhof-Filialen platzen lassen. Grund: Angst vor noch mehr Schließungen. Aber eigene Warenhäuser sind geplant.

Köln – Kehrtwende beim Insolvenzverfahren von Galeria Karstadt Kaufhof: Der große Übernahmedeal zwischen der Warenhauskette und Buero.de ist noch vor konkreten Verhandlungen gescheitert. „Buero.de nimmt von der Absicht Abstand, 47 Filialen der insolventen Galeria Karstadt Kaufhof GmbH zu übernehmen“, teilte das Unternehmen am Donnerstag (22. Dezember) mit. Das hätten die Gremien nach mehrstündigen Sitzungen entschieden. Was mit den 47 Standorten von Galeria Karstadt Kaufhof, die Buero.de übernehmen wollte, nun passieren wird, ist aktuell noch unklar.

Buero.de fürchtet wegen Galeria-Schließungen Personalflucht – Betriebsrat „frustriert“

Links ein Schaufenster einer Galeria-Filiale und rechts ein Transparent mit Schließungshinweis eine Galeria Kaufhof-Filiale. (IDZRW-Montage)
Bereits Ende 2022 wird die Galeria Kaufhof-Filiale in Halle schließen. (IDZRW-Montage) © Bernd Wüstneck/dpa & Heiko Rebsch/dpa

Woher kommt der plötzliche Sinneswandel von Buero.de? Offenbar von der Nachricht, dass bis zu 90 Galeria Karstadt Kaufhof-Filialen schließen könnten. „Die Gerüchte über viel weitergehende Schließungen und die in diesem Zusammenhang in den letzten Tagen für uns deutlich gewordene Konfliktlage führen zu veränderten Rahmenbedingungen, die für uns nicht akzeptabel sind“, sagte Vorstandsvorsitzender Markus Schön in einer Mitteilung.

Konkret befürchtet Buero.de durch die neueste Galeria-Schließungsmeldung eine regelrechte Personalflucht. Nach der Einschätzung des Unternehmens drohen „Verluste an qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern“. „Wir haben immer gesagt, die Beschäftigten sind für uns der größte Schatz des Unternehmens. Ohne diese qualifizierten Kräfte sind wir nicht mehr von den Erfolgschancen einer Übernahme überzeugt“, erläutert der Buero.de-Chef Schön..

Der Übernahme-Rückzug sorgt derweil für Enttäuschung beim Betriebsrat von Galeria Karstadt Kaufhof. „Es wäre eine Chance gewesen“, sagte der Galeria-Gesamtbetriebsratsvorsitzende Jürgen Ettl der Deutschen Presse-Agentur am 23. Dezember. „Es ist ein bisschen frustrierend, dass so schnell das Handtuch geschmissen wurde.“ Die ersten Gespräche seien konstruktiv gewesen.

Konkurrenz für Galeria Karstadt Kaufhof: „Schön hier“-Standorte weiter geplant

Trotz der geplatzten Übernahme von Galeria Karstadt Kaufhof-Standorten will Buero.de seine Expansionpläne nicht aufgeben. „Die Expansion wird mit dem Aufbau eigener Schön-hier-Standorte aus eigener Kraft erfolgen“, sagt das Unternehmen. „Wir sind uns sicher, dass unser Konzept eine Lösung für die Kunden, die Innenstädte und vor allem die Beschäftigten darstellen wird. Daher setzen wir das Konzept nun zügig ohne eine Übernahme um“, ergänzt Markus Schön. Der bisherige Galeria Karstadt Kaufhof in Halle (Saale) könnte dabei als „mögliches Modellprojekt“ dienen. Ein Teil des Warenhauses soll ab 2023 neu vermietet werden und Buero.de ist bereits im Kontakt mit dem Vermieter.

Das Logo für die geplanten „Schön hier“-Filialen.
Das Logo für die geplanten „Schön hier“-Filialen. © addways/buero.de

Anlässlich der eigentlich geplanten Übernahme von Galeria-Standorten hatte Buero.de seine Pläne für die neue Warenhauskette „Schön hier“ bereits ausführlich vorgestellt. Bei diesen solle das digitale Angebot eine größere Rolle spielen. Laut Markus Schön würde nicht jede Größe vorrätig sein, könne bei Bedarf am nächsten Tag dem Kunden nach Hause geliefert werden. Um ein „Gefühl der Heimat und des Zuhauses vermitteln“, würden zudem auch regionale Produkte angeboten werden. Auch das potenzielle Logo der neuen „Schön hier“-Geschäfte wurde bereits präsentiert. Entsprechende Markenrechte und Internet-Domains für die neue Warenhauskette wurden bereits gesichtert.

Schließungen bei Galeria Karstadt Kaufhof: Anderes Übernahme-Angebot eingegangen

Für die nicht mehr lukrativen Standorte von Galeria Karstadt Kaufhof ist aber noch nicht jegliche Hoffnung verloren. Denn die Warenhauskette hat bereits ein weiteres Übernahmeangebot für eine Reihe von Filialen erhalten, wie ein Unternehmens-Sprecher der dpa mitteilte. Noch vor Weihnachten erwarte das Unternehmen weitere Angebote von mehreren anderen Interessenten. Um wen es sich dabei handelt, wollte der Sprecher aus Vertraulichkeitsgründen nicht sagen.

Aktuell befindet sich Galeria Karstadt Kaufhof in Gesprächen mit den Vermietern vieler Standorte. Dabei gehe es neben der Miete selbst auch um weitere Fragen wie zum Beispiel eine mögliche Verkleinerung der Mietfläche, energetische Sanierungen oder Modernisierungs- und Baumaßnahmen. Ob ein Standort erhalten bleiben könne, werde auch stark von diesen Gesprächen abhängig sein. „Wir gehen davon aus, dass es im Laufe des Januars des kommenden Jahres Klarheit darüber geben wird“, sagte der Sprecher. (os mit dpa) Fair und unabhängig informiert, was in NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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