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Globus übernimmt Real-Filialen: „Mit unserer Eigenproduktion grenzen wir uns ab“

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Von: Jana Wehmann

Jochen Baab, Sprecher der Globus-Geschäftsführung, vor einer Filiale. Im Hintergrund ist das Globus-Logo erkennbar.
Jochen Baab, Sprecher der Globus-Geschäftsführung, über die Real-Übernahme und die Zukunft des Supermarktes. © Globus SB-Warenhaus

Globus kann bis zu 24 Real-Filialen übernehmen und spricht im Interview über die Real-Zerschlagung. Welche Pläne der Supermarkt für die Standorte hat.

Köln/St. Wendel – Der Supermarkt Globus befindet sich mitten in einer Veränderung. Zum einen hat der Lebensmittelhändler aus dem Saarland, die Zusage für bis zu 24 Ex-Real-Filialen erhalten und mit der Filial-Eröffnung in Essen einen „Meilenstein“ erreicht. Zum anderen führt Globus weitere Neuansiedlungen durch und investiert unter anderem in Eschborn in ein Millionen-Projekt. Damit müssen sich nicht nur die Kunden vor Ort auf Veränderungen einstellen, auch bedeutet die Wachstumsstrategie eine ganze Bandbreite an Maßnahmen sowie Herausforderungen für den Supermarkt. Die Besonderheit: Hinter Globus steckt ein Familienunternehmen.

Da der Supermarkt durch die Real-Zerschlagung unter anderem in neue Gebiete vordringt, haben wir mit dem Familienunternehmen über die Übernahme gesprochen. Im Interview erzählt Jochen Baab, Sprecher der Geschäftsführung, wie sich Globus von den großen Supermarktketten unterscheidet und worauf das Familienunternehmen Wert legt. Außerdem gibt Jochen Baab Einblicke in die Zukunftspläne von Globus.

Globus übernimmt Real: „Ein Globus kommt nicht vom Fließband“

Jochen Baab ist seit April 2020 Teil der Geschäftsführung

Jochen Baab verantwortet neben der Aufgabe des Sprechers der Geschäftsführung die Ressorts Vertrieb national, Bauwesen/technischer Einkauf, Integration/Expansion, Unternehmensentwicklung, IT Deutschland und Multichannel. Vor dem Einstieg in die Globus-Geschäftsführung war Baab in verschiedenen Geschäftsführungspositionen für die Rewe-Group in Köln sowie als Vizepräsident der internationalen Einkaufsgesellschaft Eurelec tätig. Schon von 1990 bis 2011 war der gebürtige St. Wendeler bereits bei Globus unter anderem als Koordinationsleiter Food sowie Leiter Sortimentsmanagement aktiv.

Herr Baab, wie sahen Ihre Expansionspläne vor der Real-Zerschlagung aus?

Wir möchten expandieren und sind immer auf der Suche nach passenden Standorten und Immobilien, welche wir zukunftsfähig, werteschaffend und wertesteigernd fortentwickeln können. Unseren Gewinn im Unternehmen sehen wir als Saatgut für die Zukunft an: Er bleibt im Unternehmen und dient als Grundlage für Investitionen, die es uns ermöglichen, auf der Höhe der Zeit zu bleiben. Neben der Integration der Real-Märkte liegt unser Fokus derzeit auf unseren neuen SB-Warenhäusern in Eschborn und Neunkirchen.

Welche Bedeutung hat die Real-Übernahme für Sie als Familienunternehmen? Was unterscheidet Sie bei der Übernahme von anderen Lebensmittelhändlern?

Die Übernahme der Real-Märkte ist für uns eine Jahrhundertchance. Die Gelegenheit hat sich angeboten und wir haben die Chance ergriffen. Wir haben bereits Erfahrung mit der Integration von anderen Real-Märkten, der Kipp-Standorte im Rhein-Main-Gebiet, gemacht. Auch werden wir die Synergien aus mehreren Standorten nutzen. Wir sind davon überzeugt, mit unserem einzigartigen Konzept die Regionen um unsere neuen Standorte herum zu bereichern. Insbesondere mit unserer Eigenproduktion grenzen wir uns von unseren Wettbewerbern ab und bieten unseren Kunden ultrafrische Produkte, die vor Ort in unseren Betrieben in Metzgerei, Bäckerei und Gastronomie zu einem fairen Preis-Leistungs-Verhältnis hergestellt werden. Als produzierender Händler ist das unser Alleinstellungsmerkmal, das kann kaum ein anderer leisten. Auch spielt Regionalität für uns eine enorme Rolle, wir arbeiten schon seit jeher mit regionalen und lokalen Lieferanten an den einzelnen Standorten zusammen. Wir sind attraktiv für Produzenten vor Ort. Solche Kooperationen werden ein wesentliches Zukunftsfeld sein. Als familiengeführtes Unternehmen sind wir zudem in der Organisation sehr flexibel, das macht es leichter, schneller auf Trends zu reagieren und diese umzusetzen.

Die Real-Märkte haben über einen großen Non-Food-Bereich, also eine Abteilung, in der es auch Produkte abseits von Lebensmitteln wie Elektro-Artikel gab, verfügt. Wie nutzen Sie die gesamte Real-Fläche aus? Welche großen Änderungen nehmen Sie vor? 

Wir versuchen an einigen Standorten möglichst viele Inhalte von Real zu übernehmen und optimieren diese Globus-spezifisch. An manchen Standorten, wie beispielsweise in Castrop-Rauxel sind umfangreiche Sanierungs- und Umbaumaßnahmen nötig, weshalb wir den Markt nicht innerhalb von zwei Wochen umflaggen und wieder eröffnen können. Neu hinzu kommt in manchen Märkten eine Vollproduktion mit unseren Produktionsbereichen aus Meisterbäckerei, Fachmetzgerei und Gastronomie. Auch werden Anpassungen wie unter anderem in den IT-Infrastrukturen, bei den CI-Maßnahmen sowie der Warenanbindung notwendig sein. In den Sortimenten wird es zu einer Neuaufteilung in den Flächen kommen. In unseren bereits umgeflaggten Märkten in Krefeld und Braunschweig wurde der Nonfood-Bereich, darunter Fahrrad und Medien, zugunsten eines vergrößerten Food- und Frische-Bereichs verkleinert.

Zusätzlich zur Real-Übernahme führen Sie aktuell weitere große Neuansiedlungsprojekte in Eschborn, Dresden, Neunkirchen und Trier durch. Welche besonderen Neuheiten warten dort auf die Kunden?

Ein Globus kommt nicht vom Fließband. Jeder unserer Märkte ist ein Unikat, angepasst auf die Wünsche und Bedürfnisse der Menschen in der Region. Mittelpunkt unserer SB-Warenhäuser bilden jedoch die Themen Frische und Eigenproduktion. Auch werden wir, wo immer möglich, an den jeweiligen Standorten mit lokalen und regionalen Herstellern, Produzenten und Lieferanten zusammenarbeiten, um unseren Kunden frischeste Produkte durch kurze Lieferwege zu garantieren sowie die Region zu stärken.

Wie sehen Ihre Wachstumspläne für die kommenden Jahre aus? Welche Regionen sind für Sie für weitere Expansionen interessant?

Wir möchten das SB-Warenhaus zukunftsfähig gestalten. Ziel ist, das gesamte Unternehmen in eine neue Dimension zu führen, die Übernahme der Real-Standorte sowie die Erschließung neuer Standorte ist ein Teil dieses Ziels. Es geht auch darum, die Kundenleistung im bestehenden Betrieb deutlich zu verbessern, die Produktivität zu erhöhen, das Thema Digitalisierung weiterzutreiben und Wachstumsperspektiven für die Großfläche zu entwickeln. Wir verfolgen derzeit viele Konzepte mit großem Interesse und prüfen welche Möglichkeiten im Sinne des Unternehmens und unserer Kunden umsetzbar sind.

Die Geschichte von Globus im Überblick

Das Unternehmen Globus SB-Warenhaus geht auf das Jahr 1828 zurück: Franz Bruch gründet in St. Wendel (Saarland) ein erstes Handelshaus. 37 Jahre später ist aus dem Handelshaus ein Kolonialwarenladen geworden und Joseph Adam Bruch übernimmt die Leitung. Sein Nachfolger wird im Jahr 1905 Joseph Karl Bruch, der die Firma zur Großhandlung ausbaut.

Mit Dr. Walter Bruch und Franz Josef Bruch kommt die vierte Generation 1949 in die Geschäftsführung. Sie gestalten Globus vom Großhändler zum Verbrauchermarkt mit Selbstbedienung um. 16 Jahre später lassen sie die Idee eines großflächigen Verbrauchermarktes ins Handelsregister eintragen.

Thomas Bruch, der Ururenkel des Firmengründers, setzt die Tradition fort und steigt 1980 in die Geschäftsführung ein. In dieser Zeit stoßt Globus in zusätzliche Geschäftsfelder vor und expandiert in Europa und Russland. 2020 übergab Thomas Bruch die Geschäftsführung der Globus Holding an seinen Sohn Matthias Bruch. Neben Bruch sind auch Jochen Baab und Uwe Wamser in der Geschäftsführung von Globus SB-Warenhaus tätig.

(jaw) Mehr News auf der 24RHEIN-Homepage.

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