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Erste Stadt will Werbung für Fleisch verbieten – doch es gibt Gegner

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Von: Mick Oberbusch

Werbetafel mit Burger, durchgestrichen
Werbung für Fleischprodukte auf öffentlichen Plätzen wird im niederländischen Haarlem ab 2024 verboten (Symbolbild, IDZRW-Montage) © Daniel Reinhardt/dpa & Imaginechina-Tuchong/Imago

Die Stadt Haarlem in den Niederlanden wird als erste weltweit Werbung für Fleisch verbieten. Damit sind jedoch längst nicht alle einverstanden.

Haarlem – Dass Fleischkonsum nicht gerade gut für die Umwelt ist, sollte sich inzwischen herumgesprochen haben. Die Tierwirtschaft erzeugt extrem große Mengen an Treibhausgasen wie Kohlenstoffdioxid (CO₂) oder Methan, was schädlich für den Planeten ist. In den Niederlanden hat deshalb die Politikerin Ziggy Klazes von der „GroenLinks“-Partei einen Antrag gestellt, der die Werbung für das umweltschädliche Fleisch in der Großstadt Haarlem verbietet.

„GroenLinks“ stellt im Rat von Haarlem mit sechs Sitzen die zweitstärkste Fraktion, aber um den Antrag umzusetzen, ist die Partei auf weitere Unterstützer in der Vertretung angewiesen. Der Plan: Ab 2024 soll die Werbung für Fleischprodukte somit von öffentlichen Plätzen in Haarlem verbannt werden. Dazu gehören beispielsweise Bushaltestellen, Litfaßsäulen mit Plakaten sowie Anzeigetafeln. Werbung für andere CO2-„Klimasünder“, wie beispielsweise Flugreisen, ist bereits seit Längerem verboten.

Haarlem (NL)
LandNiederlande
ProvinzNoord-Holland
Einwohner162.889

Keine Werbung mehr für Fleisch – „müssen alles tun, um der Klimakrise entgegenzutreten“

Nach den Meldungen über einen möglichen Bahnstreik in der Niederlande nun also die nächste, auch in Deutschland beachtenswerte Nachricht aus dem Nachbarland. „Auf der einen Seite sprechen wir von der Klimakrise und davon, dass wir alles tun müssen, ihr entgegenzutreten – dann können wir Menschen nicht ermutigen, Produkte zu kaufen, die Teil der Ursache des Problems sind“, begründet die Politikerin ihren Antrag in einem Interview mit dem Radiosender Haarlem105.

Den Fleischkonsum verbieten wolle man jedoch mit dem Antrag nicht. „Uns geht es nicht darum, was die Leute in ihrer eigenen Küche braten, wenn sie weiterhin Fleisch essen wollen, ist das in Ordnung“, so Klazes – einzig beworben werden müssten die tierischen Produkte nicht mehr zwingend.

Fleisch-Werbeverbot in Haarlem: Vorbild Tabak- und Alkoholreklame

Klazes verweist zudem auf andere Verbote, die in der Vergangenheit bereits einen gewünschten Effekt erzielt hätten. „Denken Sie zum Beispiel an die Tabak- und Alkoholwerbung, die seit Jahren verboten ist, es ist also möglich“, sagt sie gegenüber Haarlem105 und hofft, dass andere Gemeinden in den Niederlanden dem Haarlem-Beispiel folgen könnten. „Es ist ein Signal, und wenn es (das Werbeverbot für Fleisch, d. Red.) landesweit aufgegriffen wird, dann wäre das großartig. Es gibt viele linksgrüne Parteien, die das für eine gute Idee halten und es auch ausprobieren wollen“, erklärt sie.

Verbot für Fleisch-Werbung: Gegner starten „Proud of Meat“-Aktion

Mit ihrem Antrag macht sich Klazes allerdings nicht ausschließlich Freunde. Sander van den Raadt von der Partei „Haarlem Proud“ hält das Werbeverbot für Fleisch für keine gute Idee. Er lehnt den Vorschlag sogar so weit ab, dass er mit der Aktion „Proud of Meat“ eine Gegenbewegung startete, die Bürgerinnen und Bürger ermutigt, eigene Werbeplakate für Fleischprodukte anzufertigen – für das schönste erhält die Künstlerin oder der Künstler von ihm einen nigelnagelneuen Grill als ersten Preis.

„Gibt viele Leute, die die Entscheidung skandalös finden“

„Dieses Werbeverbot für Fleisch bedeutet, dass alle Fleischprodukte in einen Topf geworfen werden. Auch das Recht auf freie Meinungsäußerung wird zunehmend eingeschränkt“, sagt van den Raadt – seine „Gegenspielerin“ Klazes wird sich von ihrem Antrag durch diese Argumentation jedoch sicher nicht abbringen lassen. „Es gibt natürlich viele Leute, die die Entscheidung skandalös und herablassend finden, aber es gibt auch viele Leute, die sie gut finden“, sagt sie.

Ob die Aktion in Deutschland oder sogar NRW Nachahmer finden könnte, ist derzeit noch nicht bekannt. Fest steht bislang lediglich, dass Discounter wie Aldi und Supermärkte wie Penny und Rewe bis 2030 auf Billigfleisch verzichten wollen. Und auch im fleisch-lastigen Fast-Food-Segment gibt es bereits Innovationen: So bietet Burger King etwa sämtliche Burger auch mit veganen Patties an, auch McDonald‘s hat Veggie-Burger im Sortiment. (mo) Fair und unabhängig informiert, was in Deutschland und NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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