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Ikea, XXXLutz & Co.: Preise für Möbel steigen – Experte erklärt, warum

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Von: Max Müller

Logos von Möbelhäusern, im Hintergrund ein 100 euro Schein und ein Pfleil nach oben
Möbel werden teurer © IlluPics / Imago, IDZRW

Die Preise für Möbel steigen, nicht nur bei Ikea. Eigentlich galt Corona immer als Hauptbelastung für die Möbelindustrie. Nun wird wegen des Ukraine-Krieges auch noch das Holz knapp.

Köln – Erst gibt es in den Supermärkten kein Sonnenblumenöl mehr, jetzt könnten Möbel knapp werden – und in der Folge die Preise steigen. Bereits 2021 hat Ikea verkündet, dass Kunden für Möbel künftig mehr bezahlen müssen. Der Preis für Holz, der wichtigste Rohstoff der Möbelindustrie, ist laut Zahlen des Statistischen Bundesamtes im vergangenen Jahr um mehr als 60 Prozent gestiegen. Wohlgemerkt, bevor Russland die Ukraine angegriffen hat. Jetzt wird klar: Das Ende der Preissteigerungen ist noch nicht erreicht.

Ukraine-Krieg: Preise für Möbel steigen – warum?

Die Konsequenzen sind für die deutsche Möbelindustrie und damit auch für alle Verbraucher mannigfaltig. Das liegt daran, dass die Ukraine, Russland und Belarus wichtige Rohstoffe liefern, die für viele Möbel unbedingt gebraucht werden. Während in der Ukraine der Krieg alles überschattet, hat die EU einen Importstopp für Russland und Belarus verhängt.

Zwar liefern die drei Länder nicht besonders viele Rohstoffe (zwischen 3 und 5 Prozent), aber die, die sie exportieren, sind umso wichtiger – und nicht leicht zu ersetzen. „Belarus versorgt die EU zum Beispiel mit Federholzleisten, die in Lattenrosten verbaut sind“, sagt Jan Kurth, Geschäftsführer der Verbände der deutschen Möbelindustrie, im Gespräch mit IPPEN.MEDIA. Auch das Unterholz und sogenannte Schichtstoffe für viele Polstermöbel können von dort nicht mehr eingekauft werden.

Knappe Rohstoffe: Diese Möbel werden teurer

Es gilt als sehr wahrscheinlich, dass somit insbesondere jene Möbel teuer werden, die aus diesen Rohstoffen hergestellt werden. Dazu zählen:

Der Ukraine-Krieg hat die gesamte Wirtschaft beeinflusst. Ganz grundsätzlich lassen sich die Auswirkungen für die Möbelbranche auf drei wesentliche Faktoren runterbrechen.

  1. Importe: Die Ukraine, Belarus und Russland liefern ihr Holz bzw. ihre Vorprodukte nicht mehr. „Aus der Ukraine werden zum Beispiel Spanplatten nach Polen geliefert, wo sie weiterverarbeitet werden, bevor sie als Möbel in deutsche Möbelhäuser kommen. Diese Lieferkette ist zusammengebrochen“, sagt Kurth. In der Folge stockt die Produktion neuer Möbel.
  2. Energiekosten: Die Verbraucher merken es an den gestiegenen Preisen für Sprit und Benzin an den Tankstellen, für die Möbelbauer wird es ebenfalls teurer: Für die Verarbeitung von vielen Rohstoffen – zum Beispiel Glas, Schaumstoff oder Holz – wird viel Energie benötigt und die ist aktuell sehr teuer. Auch die Transportkosten steigen.
  3. Exporte: Durch den von der EU durchgesetzten Exportstopp dürfen keine Möbel mehr nach Russland geliefert werden. Ein paar Restaufträge werden noch abgearbeitet, praktisch seien die Ausfuhren aber zum Erliegen gekommen, sagt Kurth. Viele Hersteller trifft das hart, da sie das Russland-Geschäft über Jahre aufgebaut haben.

Lieferzeiten und Preise steigen: Auch bei Ikea?

Diese Belastungen werden Verbraucher bezahlen müssen. „Die höheren Material- und Energiepreise müssen an den Möbelhandel weitergegeben werden, anders geht es gar nicht“, erklärt Kurth. Wie hoch der Preisanstieg ausfällt – das liege in der Hand des Handels.

Ikea gibt dazu auf Anfrage von IPPEN.MEDIA keine konkrete Antwort. Man müsse auf steigende Kosten durch Energie, Transport und die generelle Inflation reagieren, indem die Verkaufspreise angepasst werden. Bereits Anfang März kündigte das Unternehmen an, jegliche Geschäfte in Russland einzustellen. Davon ist auch die Produktion in Russland betroffen.

XXXLutz und Poco: Wie reagieren andere Möbelhäuser auf den Ukraine-Krieg?

IPPEN.MEDIA hat weitere Möbelhäuser gefragt, wie der Krieg in der Ukraine den Möbelpreis beeinflusst. XXXLutz gibt an, dass man sämtliche Lieferanten aus Russland und Belarus bereits ausgelistet habe. Aus der Ukraine werde hingegen weiterhin geliefert. „Wir merken aktuell vereinzelt Lieferengpässe, allerdings kennen wir dies aus Zeiten der Pandemie und haben entsprechend vorausschauend gehandelt“, schreibt ein Sprecher. „Wir haben beispielsweise die Bevorratung aufgestockt und zudem frühzeitig auch Alternativ-Modelle geordert.“

Poco antwortet, dass einige Importeure ihre Ware in der Ukraine, Russland oder Belarus fertigen lassen. „Sofern die Importeure auch in Polen Fabriken beschäftigen, wird die Produktion nun dorthin verlagert“, heißt es. In Polen würden allerdings 1 Million Menschen aus der Ukraine arbeiten, die aktuell zurückgereist sind, um ihr Land zu verteidigen. Außerdem sind viele Ukrainer als LKW-Fahrer tätig und fallen ebenfalls aus. Das „sorgt auch dafür, dass die Ware teurer wird.“

Geliefert aus dem Ausland: Wo werden deutsche Möbel produziert?

Deutschland bezieht den Großteil seiner verkauften Möbel aus dem Ausland. 53 % aller Stühle, Tische und Schränke werden nicht hier produziert, 47 % stellen deutsche Möbelbauer selbst her, sagt VDM-Chef Kurth. Von den Importen macht Osteuropa den größten Anteil aus: 60 bis 65 % stammen aus Polen (dem Hauptlieferanten), Tschechien, Ungarn, den baltischen Staaten und der Slowakei. In Asien werden 20 bis 25 Prozent der deutschen Möbel produziert.

Unabhängig von der Frage, wie teuer Möbel in Zukunft werden, ist schon jetzt klar, dass die Lieferzeiten ebenfalls steigen. Und das, obwohl sie im letzten Jahr bereits um zwei Wochen über dem regulären Niveau lagen, wie Kurth erklärt. Besonders betroffen seien individuell konfigurierbare Möbel, die nicht von der Stange produziert werden.

Reaktion auf Ukraine-Krieg: Möbel-Hersteller wollen wieder mehr in Deutschland produzieren

Die Hersteller selbst haben erste Konsequenzen gezogen, sagt Kurth. „Viele möchten mehr in Deutschland einkaufen, um einfach unabhängiger zu sein.“ Dass damit automatisch auch die Preise steigen, bestreitet der Experte. Denn: Durch die hohen Transportkosten sei es fraglich, ob die in China günstig hergestellten Vorprodukte immer noch so preiswert sind, wenn sie erst für viel Geld nach Deutschland geschifft werden. Klar ist: Egal ob in China oder in Deutschland hergestellt – die Preise für Möbel werden steigen. (mm) Mehr News auf der 24RHEIN-Homepage, einem Angebot von IPPEN.MEDIA. Tipp: Täglich informiert, was in Köln und NRW passiert – einfach unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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