1. 24RHEIN
  2. Leben im Westen
  3. Shopping

Energiekrise: Leere Supermarkt-Regale drohen – „tausende Betriebe“ könnten schließen

Erstellt:

Von: Oliver Schmitz

Steigende Strom- und Gaspreise könnten teils drastische Folgen für kleinere Lebensmittel-Hersteller haben – mit Auswirkungen auf Supermarkt-Regale.

Köln – Im Zuge der Energiekrise werden Lebensmittel in Deutschland nicht nur immer teurer, sondern könnten bald auch noch knapp werden. Zumindest das Angebot in den Supermärkten und Discountern. Denn rund 30 Prozent der deutschen Lebensmittel-Hersteller sind laut einer Umfrage des Verbands der Ernährungswirtschaft (VdEW) „konkret von der Insolvenz bedroht“. Käme es zu dieser Pleitewelle, würden viele Supermarkt-Regale leer bleiben, warnt der Verband.

Energiekrise: Drohen Schließungen wegen steigender Kosten?

Ein leeres Regal im Supermarkt.
Zu viele Insolvenz-Fälle in der Lebensmittel-Branche könnten zu leeren Supermarkt-Regalen führen. (Symbolbild) © DIEGO FEDELE/Imago

Die steigenden Strom- und Gaspreise treffen auch die deutsche Wirtschaft immer härter. „Die Unternehmen müssen im Vergleich zum Vorjahr teilweise mehr als das Fünfzehnfache an Energiekosten zahlen. Das sind teilweise Millionenbeträge“, sagt Vehid Alemić, Hauptgeschäftsführer des Branchenverband VdEW, in einer Mitteilung. Gerade kleinere und mittlere Lebensmittel-Hersteller könnten solche Beträge nicht stemmen. Deshalb warnt Alemić: Bei bleibenden Preisen bedeute das „für tausende Betriebe in Deutschland das Aus.“

Energiekrise: Welche Folgende steigende Kosten haben könnten

Die Folgen dieser Pleitewelle wären immens. „Viele der Betriebe stellen Vorprodukte für andere Lebensmittel her. Fallen diese weg, betrifft das eine Vielzahl weiterer Hersteller. Die Folgen für alle Verbraucher sind unkalkulierbar“, erklärt Alemić. Die betroffenen Unternehmen stellen häufig Lebensmittel-Bestandteile wie Zucker, Gelatine oder Fleisch her, welche sie dann zur Weiterverarbeitung an Hersteller von Endprodukten liefern. Bereits im Sommer hatte der Lebensmittel-Dachverband vor der „größten Krise seit 70 Jahren“ und damit einhergehende Lebensmittel-Knappheit gewarnt.

Laut dem VdEW könnte durch die Insolvenz vieler seiner Mitglieder sogar die „Versorgungskette eines Großteils der in Deutschland hergestellten Lebensmittel zusammenbrechen“. Zudem würden in diesem Falle alle übrigen Produkte noch deutlich teurer werden als bisher schon. Die Aussagen Branchenverbands beruhen auf einer Umfrage unter seinen Mitgliedern. Hochgerechnet auf die ganze Branche könnten durch die steigenden Energiepreise etwa 2000 Lebensmittel-Unternehmen und somit über 200.000 Arbeitsplätze bedroht sein.

Wer ist der VdEW?

Der Verband der Ernährungswirtschaft (VdEW) ist ein Arbeitgeberverband in der Ernährungs-Branche für Niedersachsen, Bremen und Sachsen-Anhalt. Er vertritt vor allem Hersteller von Lebensmittel. Mit 300 Mitgliedern ist er einer der größten Branchenverbände. Insgesamt gibt es in Deutschland rund 6000 Betriebe im Ernährungs-Sektor.

Lebensmittel-Branche und Energiekrise: Verband fordert Preisdeckel für Gas und Strom

Um die Insolvenz vieler Lebensmittel-Unternehmen und somit auch Folgen für Supermarkt-Kunden zu vermeiden, fordert derVdEW einen Preisdeckel für Strom und Gas. „Das ist der beste Weg, um die Kostenexplosion in den Griff zu bekommen und die Liquidität der Betriebe längerfristig zu sichern“, sagt Hauptgeschäftsführer Vehid Alemić. Der Verband sieht jetzt die Bundesregierung in der Pflicht, die Lebensmittel-Hersteller ausreichend finanziell zu unterstützen.

Steigende Lebensmittel-Preise: Erste Betriebe pleite – Rewe warnt vor Kosten-Explosion

Bereits jetzt wurden viele kleinere Lebensmittel-Betriebe von den steigenden Energiepreisen in den Ruin getrieben. So hat unter anderem in Köln eine Traditionsbäckerei nach 90 Jahren schließen müssen. Auch Branchenriesen wie Rewe warnen jetzt vor einer regelrechten Preis-Explosion bei Lebensmitteln. (os) Tipp: Fair und verlässlich informiert, was in NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

Auch interessant