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Lieferprobleme sind Folge von Corona – wann gibt es Besserung?

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Von: Mick Oberbusch

Hafenmitarbeiter lässt den Blick über einen Hafen in Essen schweifen, sieht viele Container
Weltweit stapeln sich an Häfen die Container, was zu Liefer-Problemen für Verbraucher und Unternehmen führt (Symbolbild). © Boris Roessler

Vor Monaten Ware bestellt und sie ist immer noch nicht da? So geht es aktuell vielen Menschen in Deutschland ‒ weil die Lieferketten weiterhin Probleme bereiten.

Köln ‒ Es waren Bilder, die man so schnell nicht vergisst: Als im März 2021 das riesige Containerschiff „Ever Given“ im Suezkanal feststeckte, war die mediale Beachtung groß. Auf den Sozialen Netzwerken machten sich User vor allem über den scheinbar ungeschickten Kapitän lustig, der sein Schiff ohne Hilfe nicht aus der misslichen Lage herausnavigieren konnte. Doch auch wenn der Frachter nach einigen Wochen wieder befreit war, sind die Folgen dieses Unglücks bei Verbrauchern auf der ganzen Welt und auch in Deutschland noch immer spürbar.

Lieferketten weltweit bereiten Probleme ‒ Besserung erst nach Ende der Corona-Pandemie in Sicht?

Da die Welt seit fast zwei Jahren zusätzlich zu dem Schiffsunglück bekanntlich auch unter einer globalen Pandemie leidet, ist bei den sonst so zuverlässig funktionierenden Lieferketten in den vergangenen Monaten das reinste Chaos ausgebrochen. Noch immer warten Menschen hierzulande auf bestellte Pakete, Supermärkte auf ihre Lieferungen ‒ und das nicht erst seit der kürzlich vergangenen Weihnachtstagen. Die Hoffnung, dass sich die Lage 2022 verbessern würde, war groß ‒ eine schnelle Umsetzung sollte allerdings leider nicht erwartet werden.

„Es ist leider offen, wann sich die Situation bei den Lieferketten nachhaltig verbessern wird. Ich bin aber sicher, dass wenn wir die Pandemie besiegt haben, wann immer das sein wird, dann wird das auch alles wieder besser fließen“, sagt die neue Präsidentin des Verbandes Deutscher Reeder, Gaby Bornheim, gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. „Die angespannten Lieferketten sind ganz klar Folge der Corona-Pandemie. Hier haben wir pandemiebedingt eine einmalige Situation, in der ganz viel zusammenkommt“, so Bornheim.

Probleme bei den Lieferketten: Häfen überlastet, Container fehlen, Mitarbeitende in Corona-Gefahr

Die Probleme sind vielseitig. Noch immer könne man die Seeleute nicht so einfach an Bord bringen oder von Bord holen, weil sich Restriktionen in den jeweiligen Häfen fast täglich verändern würden, erklärt Bornheim ‒ zudem habe es in der Vergangenheit bereits Probleme mit fehlenden Containern gegeben. Wo ein Frachter in der Vergangenheit beispielsweise 50 Tage unterwegs war, benötigt er nun mehr als 60, weil die Häfen vielerorts schlicht überlastet seien.

Das macht die Anlegestellen zu einem echten Nadelöhr, vor allem zwischen den Großhandelsmächten China und den USA. Von der Tatsache, dass Häfen immer wieder aufgrund von Corona-Ausbrüchen bei den Mitarbeitenden schließen müssten, mal ganz abgesehen.

Was ist eine Lieferkette?

Die Lieferkette (engl. Supply Chain) beschreibt den gesamten Prozess von der Bestellung des Kunden bis zur Lieferung und Bezahlung des Produkts oder der Dienstleistung. Die Definition der Lieferkette umfasst damit die Planung, Durchführung und Kontrolle aller Aktivitäten im Zusammenhang mit dem Material- und Informationsfluss vom Einkauf der Rohstoffe bis zur endgültigen Lieferung des Produkts an den Kunden.

Lieferketten-Engpässe: Fast jede zehnte Bestellung steckt auf einem parkenden Schiff fest.

Das ganze Ausmaß des Problems in Zahlen: Der Schiffsfahrt-Forscher Vincent Starner aus Kiel schätzt, dass derzeit mehr als elf Prozent der weltweit verschifften Güter auf unbewegten Schiffen parken. Das ist eine enorme Zahl, wenn man bedenkt, dass fast 90 Prozent der globalen Warenströme per Containerschiff transportiert werden. Hoffnung könnte geben, dass im Februar in China das Neujahrsfest gefeiert wird, traditionell der Höhepunkt des Konsums im bevölkerungsreichsten Landes der Welt. Danach könnte die Konsumnachfrage etwas abebben, was möglicherweise auch wieder zu einer befreiteren Schifffahrt führen könnte.

Bis das geschehen ist, dürfte aber sprichwörtlich noch eine Menge Wasser die Weltmeere hinunterfließen. Und in der Zwischenzeit hoffentlich kein Containerschiff mehr im Suezkanal stecken bleiben. (dpa/mo) Mehr News auf der 24RHEIN-Homepage. Tipp: Täglich informiert, was in NRW passiert – einfach unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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