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Mayonnaise könnte knapp werden – schuld ist auch der Papiermangel

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Von: Max Müller

Die Ukraine liefert eigentlich Sonnenblumenöl, das als Basis für Mayonnaise verwendet wird. Das ist nun knapp – und ausweichen auf Rapsöl ist nicht ganz einfach.

Köln – Täglich gibt es neue Meldungen über Produkte, die wegen des Krieges in der Ukraine knapp werden. Den Anfang machten die Hamsterkäufe von Lebensmitteln wie Sonnenblumenöl, weiter ging es mit Berichten über knappes oder zumindest teureres Fleisch, Milchprodukte und Mehl. Nun schlägt der Lebensmittelverband Kulinaria Alarm: Mayonnaise und Senf könnten bald in den Regalen deutscher Supermärkte fehlen.

Supermarkt und Ukraine-Krieg: Sonnenblumenöl-Mangel hat Folgen für Mayonnaise

Die Ukraine ist der wichtigste Lieferant für Sonnenblumenöl. Das ist ohnehin schon knapp im direkten Verkauf. Aber es wird auch gebraucht, um Mayonnaise herzustellen. Die Hersteller könne zwar auf Rapsöl umsteigen, doch dahinter steckt ein weiteres Problem.

„Auf den für Monate vorgedruckten Etiketten der Hersteller steht auf der Zutatenliste Sonnenblumenöl“, erklärt Yasmin Soldierer, Sprecherin von Kulinaria auf Anfrage von 24RHEIN. „Eine neue Etikettierung ist allein schon aufgrund des weltweiten Papiermangels kaum möglich.“ Der Verband versucht nun gemeinsam mit dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft „eine etwas flexiblere Handhabung zur Kennzeichnung auf den Produkten“ zu erreichen. Sprich: Es wird Mayonnaise verkauft, die laut Etikett aus Sonnenblumenöl hergestellt wurde, aber de facto auf Rapsöl basiert.

Supermarkt und Ukraine-Krieg: Engpass bei Senf droht

Daneben droht ein weiterer Engpass bei Senf. „Aktuell gibt es noch ausreichend Senfsaat – es gibt keine Veranlassung, sich in besonderem Maße zu bevorraten oder gar zu hamstern“, sagt Soldierer. Viele Unternehmen hätten zudem einiges an Senfsaat in ihren Silobeständen, die zunächst die Senfproduktion sichern. Aber: „Wie lange diese Vorräte halten, können wir nicht genau sagen.“

Die Ukraine ist für Deutschland einer der wichtigsten Lieferanten für Senfsaat. Mit Russland zusammengerechnet kommen 80 Prozent der nach Deutschland importierten Senfsaaten aus diesen Ländern. Entfallen die Rohstofflieferungen aus der Ukraine im Verlauf des Jahres, können in deutschen Supermärkten in der zweiten Jahreshälfte und 2023 Produktionsengpässe für Senf, Mayonnaise und andere emulgierte Soßen entstehen. „Denn eigentlich müssten in den nächsten beiden Wochen die Saat für die Ernte im August erfolgen“, sagt Soldierer.

Wie beliebt ist Senf in Deutschland?

Der Senfverbrauch geht hierzulande schon seit Jahren zurück. Laut Kulinaria lag der Pro-Kopf-Konsum in Deutschland 2010 noch bei rund 1,18 Kilogramm. 2020 waren es nur noch 805 Gramm Senf. Etwa 20 Betriebe mit 20 und mehr Beschäftigten produzieren in Deutschland den Angaben zufolge Senf – 2020 rund 80.769 Tonnen, fast 9 Prozent weniger als im Jahr davor. Am Gesamtmarkt „Feinkostensoßen“ machte Senf fast 11 Prozent aus, je mehr als 30 Prozent der Produktionsmenge entfielen auf Tomatenketchup und Tomatensoßen sowie auf Mayonnaise.

Knapper Senf: Wie kann der Engpass aufgefangen werden?

Nach aktuellem Stand gibt es eigentlich nur zwei Möglichkeiten, wie die ausfallenden Ernten ersetzt werden können:

  1. Neben der Ukraine gibt es noch weitere Länder, die Senfsaat anbauen, zum Beispiel Kanada. „Kanada allein wird aber nicht die ausgefallene Menge an Senfsaat auffangen können“, sagt Soldierer. „Insbesondere da es hier im vergangenen Jahr eine Dürre gab, sodass nur 50 % der regulären Ernte eingefahren werden konnte.“
  2. Eine weitere Möglichkeit: Andere Länder im Osten der EU, die bisher gar keinen oder nur geringe Mengen Senf angebaut haben, springen ein. Wie gut und wie schnell das allerdings möglich ist, kann aktuell niemand seriös prognostizieren. „Der Weltmarkt muss sich nun erst einmal neu sortieren; die internationalen Warenströme werden sich erst langfristig auf die neue Situation auf dem Rohwarenmarkt einstellen“, sagt Soldierer. 

Auf Senf verzichten müssen Fans künftig nicht, aber wohl mehr dafür bezahlen. „Der Senf wird uns nicht ausgehen“, sagt Kulinaria-Verbandsmanager Markus Weck. Wegen der Saat-Knappheit seien die Preise deutlich gestiegen, hieß es von Senfhersteller Develey. „Mit der zu erwartenden deutlich geringeren Ernte im zweiten Halbjahr ist davon auszugehen, dass sich die Lage nochmals deutlich verschärft“, heißt es. (mm mit dpa) Mehr News auf der 24RHEIN-Homepage. Tipp: Täglich informiert, was in Köln und NRW passiert – einfach unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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