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Mere Discounter: Standorte, Sortiment, Preise des Russen-Aldi

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Blick in den vor kurzem eröffneten und nun vorübergehend geschlossenen Discounter „Mere“
Der russische Discounter Mere bietet haltbare Waren zu günstigen Preisen an © picture alliance/dpa | Jan Woitas

Der Discounter Mere hat seinen Ursprung in Russland und bietet mittlerweile auch in Deutschland und weiteren Ländern seine Waren zu geringen Preisen an.

Bei Mere handelt es sich um einen Discounter, der Teil der russischen Unternehmensgruppe Torgservis ist. Diese wurde in der sibirischen Stadt Krasnojarsk im Jahr 2009 gegründet. Knapp 800 Filialen hat sie bereits eröffnet, 600 davon befinden sich in Russland. Allesamt bringen einen Umsatz von rund 1,3 Milliarden Euro.

Mere Filialen sind in Russland, Kasachstan, China, Rumänien, Aserbaidschan, Weißrussland und Deutschland zu finden. Sie öffnen allerdings nicht nur unter dem Namen Mere deren Türen, sondern sind auch als Swetofor, auf Deutsch „Ampel“, und Majak, zu Deutsch „Leuchtturm“, vertreten.

Über die Aktienmehrheit der Unternehmensgruppe Torgservis verfügt die deutsch-russische Unternehmerfamilie Schneider. Die Familienmitglieder haben mit der Discounter-Kette in Deutschland vor allem Supermärkten wie Aldi oder Lidl den Kampf angesagt.

Mere wird in Deutschland aktiv und eröffnet die ersten Filialen

Der Weg von Mere in Deutschland beginnt im Oktober 2017. In Berlin-Marzahn kommt es zur Gründung der Ts-Markt GmbH. Als Geschäftsführer war anfänglich Andrej Ganus tätig, bis diesen im Juli 2019 Vladimir Buzulutskov ablöste.

Kurz zuvor, im Januar 2019, öffnete die erste deutsche Filiale des Discounters. Sie übernahm den ehemaligen Standort von Aldi Nord im Leipziger Stadtteil Portitz. Mere erhielt daher den Spitznamen „Russen-Aldi“. Bereits am Eröffnungstag war der Andrang so groß, dass sich die Schlangen an den Kassen durch den gesamten Supermarkt zogen und einige Waren schon nach kurzer Zeit ausverkauft waren. Es kam zu Lieferproblemen einzelner Produkte, weshalb der Discounter im Februar für ein paar Tage schließen musste. Mit der Wiedereröffnung am 6. Februar 2019 ging eine Erweiterung des Sortiments einher.

Bereits einen Monat später folgte die Eröffnung der zweiten Filiale in Zwickau. Angeblich war Chemnitz ursprünglich als dritter Standort im Gespräch, doch zu einem weiteren Markt kam es dort letztlich nicht.

Mere eröffnet weitere Filialen und bietet haltbare Produkte zu günstigen Preisen an

Der Startschuss für einen weiteren deutschen Mere Discounter erfolgte im November 2019 im Homburger Ortsteil Bruchhof. Die Eröffnung folgte Ende August 2020. Am 8. April 2020 öffnete die vierte deutsche Filiale in Halle-Neustadt im Südpark ihre Türen. Mere ist die größte Discounter-Kette in Russland. Dort setzt sie, genauso wie in den deutschen Filialen, auf haltbare Waren zum günstigen Preis. Die angebotenen Produkte stammen teilweise aus Restposten.

Das Sortiment beinhaltet ausschließlich Produkte aus dem Niedrigpreisbereich. Verderbliche Lebensmittel wie Obst, Gemüse, Molkereierzeugnisse, frische Backwaren und Fleisch sind in keinem der Discounter zu erwerben. Der Fokus liegt auf Konserven und Tiefkühlkost sowie Getränken und Drogeriewaren. Nachdem der Leipziger Discounter im Februar 2019 wiedereröffnete, fanden auch einige Milchprodukte Einzug in das Sortiment. Zwischenzeitlich standen zudem technische Geräte zum Kauf bereit, wie unter anderem:

Aufgrund ihrer geringen Stückzahl waren diese Produkte sehr schnell ausverkauft.

Mere Discounter: Das verfügbare Sortiment und dessen Präsentation

Das gesamte Sortiment ist von starken Schwankungen geprägt. So können auch Waren wie Zucker oder Nudeln von Zeit zu Zeit ausverkauft sein kann, was in bekannten deutschen Discountern nur im Ausnahmefall vorkommt. Obwohl die Vermutung nahe liegt, bietet Mere keine typisch russischen Produkte an. Dennoch stammen die Waren hauptsächlich aus osteuropäischen Ländern, die sich innerhalb der EU befinden. So vermeidet Mere, dass Zollgebühren für die Einfuhr der Artikel anfallen.

Die Waren liegen auf Holzpaletten oder in Kartons aus. Sie werden nicht ausgepackt, sondern sofort auf die Verkaufsfläche gestellt. Es gibt weder Regale noch Lagerräume. Das stellt eine enorme Kostenersparnis dar, auch bezüglich des Personals, das eingespart wird. Das Unternehmen setzt außerdem auf direkte und langfristige Zusammenarbeit mit Zulieferern und Produzenten. Die Ersparnis, die mit all dem einhergeht, gibt Mere in Teilen an die Kunden weiter.

Informationen über Preise, Zielgruppe und die Berichterstattung der Medien über Mere

Die Filialen verkaufen ihre Waren im Schnitt 20 Prozent günstiger im Vergleich zum eigentlichen Marktpreis. Das Unternehmen selbst gibt an, dass seine Kunden lediglich für das Produkt selbst und nicht für den Markennamen, der sich dahinter verbirgt, zahlen. Zu seinem Hauptkundenstamm zählt Mere Familien und Einzelpersonen aus mittleren und unteren Einkommensklassen, die ihre Einkäufe gut vorplanen, um sie möglichst günstig zu gestalten.

Als der erste deutsche Mere Discounter in Leipzig eröffnete, berichteten diverse TV-Sender darüber, so auch das MDR-Fernsehen. Im Rahmen der Sendereihe „Umschau“ produzierte der mitteldeutsche Rundfunk eine Dokumentation mit dem Namen „Angriff auf Aldi und Co.?“. Darin berichtete man über die Erfolgsaussichten des neuen Russen-Aldis. Aufgrund des vergleichsweise schmalen Sortiments und dem großen Erfolg von Aldi, Lidl und weiteren Discountern sehen Experten Mere nicht als ernsthafte Konkurrenz für diese Unternehmen. Innerhalb des deutschen Einzelhandels herrscht großer Druck, weshalb es Discounter mit geringer Filialanzahl schwer haben, sich durchzusetzen.

Mere konzentrierte sich auf den Osten Deutschlands und expandiert nun weiter

Mere ist hauptsächlich im Osten Deutschlands vertreten, was auch von den geringeren Mietpreisen abhängt. Im westlichen Teil der Bundesrepublik ist der durchschnittliche Mietpreis pro Quadratmeter für Discounter etwa 2,00 Euro höher. Der Deutsche Handelsverband äußerte Zweifel, ob Mere mit dortigen Standorten noch wirtschaftlich arbeiten kann und die Mehrkosten nicht auf die Kunden überträgt, die eigentlich aufgrund der günstigen Preise in den Discounter kommen.

Zum Marktstart suchte sich Mere tatsächlich gezielt Standorte mit günstigen Mieten und dennoch guter Lage aus. Innerhalb von drei Jahren sollten der Planung entsprechend 100 Filialen in Deutschland eröffnet worden sein. Nach knapp zwei vergangen Jahren wies das Unternehmen lediglich vier Standorte auf.

Für das Jahr 2021 soll eine Neueröffnung in Berlin geplant sein. Auch über einen Mere Discounter im Großraum Frankfurt wird spekuliert. Das Unternehmen sucht bereits nach Mitarbeitern, die sich auf die Suche nach geeigneten Räumlichkeiten zur Miete begeben und passende Verträge aushandeln.

Weitere geplante Filialen des Discounters und deren Öffnungszeiten

Ob bereits Flächen in Berlin und Frankfurt angemietet worden, ist nicht bekannt. Aus Unternehmerkreisen geht allerdings hervor, dass die Eröffnungen im zweiten Quartal des Jahres 2021 stattfinden sollen. Mere bestätigte das bisher nicht offiziell.

Bereits für den 1. Oktober 2020 war die Eröffnung einer Filiale in Wilhelmshaven geplant. Aufgrund der Corona-Pandemie kam es allerdings zu Verzögerungen, weshalb die Türen dieser Filiale sich nicht pünktlich öffneten. Außerdem hatte das Unternehmen vor, auch in den sächsischen Städten Dresden und Chemnitz ansässig zu werden. Doch auch dort sorgte die Pandemie dafür, dass man die Pläne erst einmal beiseiteschob. Die Chemnitzer Filiale soll nichtsdestotrotz folgen. Dresden ist nach wie vor gewünscht aber noch nicht bestätigt worden.

Die vier bisher geöffneten Discounter haben montags bis samstags geöffnet. Unter der Woche stehen die Türen zwischen 09:00 und 19:00 Uhr offen. Die Öffnungszeiten der Samstage sind standortabhängig. In Leipzig schließt Mere dann beispielsweise schon um 17:00 Uhr, in Zwickau um 18:00 Uhr. Die Hallenser Filiale öffnet auch samstags bis 19:00 Uhr.

Von Sophie Neumärker

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