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Lebensmittel: Mindesthaltbarkeitsdatum könnte verschwinden

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Von: Benjamin Stroka

Eine Mitarbeiterin füllt ein Regal mit Nudeln auf.
Nudeln könnten bald kein Mindesthaltbarkeitsdatum mehr haben (Symbolbild). © Patrick Seeger/dpa

In Supermärkten könnte das Mindesthaltbarkeitsdatum bei Produkten wegfallen. Die EU-Kommission diskutiert Vorschläge, um die Verschwendung von Lebensmitteln zu reduzieren.

Brüssel/Düsseldorf – „Mindestens haltbar bis“ – so gut wie jeder wird diesen kurzen Satz schon einmal auf einer Lebensmittelverpackung gesehen haben. Doch bald könnte damit Schluss sein. Denn die EU-Kommission diskutiert Pläne, die Kennzeichnungspflicht von Lebensmitteln zu ändern. Das könnte auch das Ende für das Mindesthaltbarkeitsdatum sein.

Mindesthaltbarkeitsdatum: Tonnenweise Lebensmittel landen im Müll

Hintergrund ist, dass in der EU jährlich rund 88 Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen werden. Rund zehn Prozent davon, also etwa 8,8 Millionen Tonnen, fallen laut EU-Kommission der Kennzeichnungspflicht, in erster Linie dem Mindesthaltbarkeitsdatum, zum Opfer. Eine neue Reform soll nun dagegen steuern. Die Idee gehört zur „Farm to Fork Strategie“ (auf Deutsch etwa: vom Hof auf den Tisch) der EU-Kommission.

Mindesthaltbarkeitsdatum und Verbrauchsdatum – was sind die Unterschiede?

„Gegen Lebensmittelverluste und -verschwendung vorzugehen, ist ein Kernelement auf dem Weg zur Nachhaltigkeit“, heißt es in einer Mitteilung der EU-Kommission zur „Farm to Fork Strategie“ aus dem Mai 2020. Wichtig in diesem Zusammenhang sei „das falsche Verständnis“ der Datumsangaben. So würden viele Lebensmittel weggeschmissen, die eigentlich noch gut sind.

Grundsätzlich wird in den europäischen Supermärkten bei Lebensmitteln zwischen Mindesthaltbarkeitsdatum, Verbrauchsdatum und Lebensmitteln ganz ohne Datum unterschieden.

Fällt das Mindesthaltbarkeitsdatum weg? Die Vorschläge der EU-Kommission

Die EU-Kommission möchte die Lebensmittelabfälle bis 2030 pro Kopf halbieren. Im vierten Quartal 2022 steht die Überarbeitung der EU-Vorschriften zur Datumsangabe, und damit zum Mindesthaltbarkeitsdatum sowie Verbrauchsdatum, zur Debatte. Es gibt drei konkrete Vorschläge in der EU-Kommission:

Mindesthaltbarkeitsdatum: Vorschlag von Wissenschaftlern aus Freiburg

Das Centrum für Europäische Politik in Freiburg hat sich kürzlich mit einer Studie zu diesem Thema auseinandergesetzt. Die Wissenschaftler halten nach aktuellem Stand den dritten Vorschlag für den sinnvollsten. Sie machen aber auch einen eigenen: So sollten die Produkte nach ihrer Ansicht mit beiden Daten ausgezeichnet sein, also sowohl mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum als auch mit dem Verbrauchsdatum. „Das würde die Kunden bezüglich beider Aspekte, Lebensmittelqualität und Lebensmittelsicherheit, informieren“, heißt es in der Studie. Gleichzeitig würde es der Verwirrung um MHD und Verbrauchsdatum entgegenwirken.

Vorschlag 1 halten die Freiburger Wissenschaftler für wenig sinnvoll, weil es nur einen relativ kleinen Einfluss auf die Reduktion von Lebensmittelverschwendung hätte. Vorschlag 2, also das MHD komplett abzuschaffen, würde aus ihrer Sicht zwar dazu führen, dass deutlich weniger Lebensmittel weggeschmissen werden, aber Kunden würden dann auch nicht mehr über den Zeitraum der optimalen Qualität eines Produktes informiert werden.

In rund einem Jahr dürfte es innerhalb der EU-Kommission konkret werden. Dann könnte beim Mindesthaltbarkeitsdatum eine echte Supermarkt-Revolution bevorstehen.

„Farm to Fork Strategie“

Die „Farm to Fork Strategie“ soll die europäische Landwirtschaft nachhaltiger gestalten und dazu beitragen, dass Europa klimaneutral wird. Bis 2030 sollen unter anderem nur noch die Hälfte an Pestiziden und 20 Prozent weniger Dünger verwendet werden. Außerdem sieht die Strategie vor, dass bis dahin ein Viertel der landwirtschaftlichen Fläche nach Bio-Kriterien bewirtschaftet werden soll. Auch in der Lebensmittelverarbeitung soll nachhaltiger gewirtschaftet werden. „Die Strategie ‚Vom Hof auf den Tisch‘ ist ein neuer umfassender Ansatz dafür, wie Europäerinnen und Europäer die Nachhaltigkeit von Lebensmitteln wertschätzen“, so die EU-Kommission.

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