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Käufer abgesprungen: Mister Minit schließt alle Filialen in Deutschland – „ein bitterer Moment“

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Filiale Mister Minit in der modernisierten Einkaufspassage am Stachus in München
Mister Minit muss alle Filialen in Deutschland schließen. Der Käufer, der das insolvente Unternehmen übernehmen wollte, ist abgesprungen. (Symbolbild) © Ralph Peters/Imago Images

Weil der Käufer unerwartet abgesprungen ist, steht Mister Minit in Deutschland vor dem Aus. Alle Filialen sollen geschlossen werden. In NRW betrifft das 18 Läden.

Düsseldorf – Der Schuhreparatur- und Service-Dienstleister Mister Minit mit deutschem Sitz in Düsseldorf stellt seinen Geschäftsbetrieb in Deutschland ein. Der Käufer des im Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung neu aufgestellten Betriebs sei überraschend vom Kaufvertrag zurückgetreten, teilte der für die Eigenverwaltung in das Unternehmen berufene Sanierungsexperte Christoph Enkler von der Kanzlei Brinkmann & Partner aus Düsseldorf am Freitag mit.

Aus für Mister Minit in Deutschland: 250 Mitarbeiter von Schließung betroffen

Der Kaufvertrag vom 4. November 2020 habe die Übernahme des restrukturierten Geschäfts der Minit Service GmbH mit 116 Shops und rund 250 Mitarbeitern in Deutschland spätestens zum 1. März 2021 vorgesehen.

Dafür sei laut einer Mitteilung der zuständigen Kanzlei mit dem Käufer ein umfassendes Sanierungskonzept entwickelt und auch umgesetzt werden. Dies umfasste die Schließung unprofitabler Shops, ein neues Personalkonzept und die Neuverhandlung von Mietkonditionen.

Eigenverwaltung und Sachwalter prüften jetzt rechtliche Schritte gegen den der Minit-Gruppe angehörenden Käufer, heißt es in der Mitteilung weiter. „Mit dem Restrukturierungsplan waren wir auf einem sehr guten Weg“, sagte Geschäftsführer Michael Heina. Leider zwinge die wirtschaftliche Lage dazu, den Betrieb einzustellen.

Insolvenz im April 2020: Coronakrise und weniger Kunden werden Mister Minit zum Verhängnis

Der anhaltende Lockdown schlage auf die wirtschaftliche Lage der Minit Service GmbH mit täglich hohen Verlusten voll durch und auch das Interesse alternativer Investoren sei Null. Deshalb sehe sich die Eigenverwaltung gezwungen, den Geschäftsbetrieb unmittelbar einzustellen, hieß es auch aus der Kanzlei. Eine Überbrückung des Lockdowns mit staatlichen Hilfsgeldern sei der Minit Service GmbH als Gesellschaft in Insolvenz verwehrt.

Mister Minit ist nicht das erste Unternehmen, dass auch wegen der Coronakrise die Segel streichen muss. So hat die britische Modekette Topshop Verluste gemacht, wurde von Online-Händler Asos übernommen. Asos plant nach der Topshop-Übernahme Filialen zu schließen, was in Nordrhein-Westfalen Standorte in Köln, Düsseldorf, Bonn und Oberhausen beträfe.

Auch die Parfümerie Douglas schließt Läden in NRW. My Muesli macht infolge der Coronakrise ebenfalls Verluste. Deshalb werden mehrere My-Muesli-Läden in Nordrhein-Westfalen zumachen.

Mister Minit macht in Deutschland zu: 18 Filialen in NRW betroffen

„Dies ist ein bitterer Moment für die Belegschaft, die Gläubiger und alle Beteiligten, die sich mit aller Kraft für den Erhalt von Mister Minit eingesetzt haben. Die durch den überraschenden Rückzug des Investors geschaffene Faktenlage ist nicht umkehrbar. Es wird jetzt darum gehen, alle rechtlich verfügbaren Optionen zu prüfen und mit voller Konsequenz zu nutzen“, so der Sachwalter Dr. Gregor Bräuer.

In Nordrhein-Westfalen sind 18 Filialen von der Schließung betroffen. Diese befinden sich unter anderem in Köln, Düsseldorf, Siegen, Duisburg, Remscheid und Wuppertal.

Mister Minit schließt deutsche Filialen: Betrieb lief auch vor Coronakrise nicht gut

Die Minit Service GmbH hatte Ende April 2020 beim Amtsgericht Düsseldorf einen Insolvenzantrag gestellt. Das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung wurde am 1. August eröffnet. Mister Minit litt nicht nur unter der Corona-Krise.

Auch schon vor der Pandemie hatte sich der Markt für Schuh-Reparaturen schlecht entwickelt. Zuletzt hatte das Unternehmen in Deutschland noch rund 150 Shops mit 345 Mitarbeitern. (dpa/lys)

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