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Supermärkte und Discounter führen Lebensmittel-Ampel für Eigenmarken ein – und was sie bringt

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Von: Jana Wehmann

Das Logo vom Nutri-Score, einer Nährwertkennzeichnung.
Viele Supermärkte führen den Nutri-Score für Produkte ein. © Patrick Pleul/dpa

Immer mehr Supermärkte führen den Nutri-Score auf ihren Eigenmarken-Produkten ein, um Verbraucher über die Nährwerte aufzuklären. Diese Supermärkte setzen auf die Kennzeichnung

Köln – Tiefkühlpizza, Joghurt oder auch Müsli landen oft auf dem Teller. Es geht schnell und macht erstmal satt – aber wie gesund oder ungesund die verarbeiteten Produkte überhaupt sind, ist vielen nicht bewusst. Fast jeder zweite Deutsche ist übergewichtig. Gründe dafür gibt es viele. Kalorienreiche und einseitige Ernährung können einen Einfluss haben.

Dennoch kann es schwer sein, schon beim Einkaufen den Überblick über die Nährwerte von Lebensmitteln zu behalten. Die Produktvielfalt ist groß, die verschiedenen Inhaltsstoffen sind nicht immer leicht verständlich. Um nun Verbraucher über Lebensmittel deren Inhaltsstoffe aufzuklären, setzten immer mehr Supermärkte auf den Nutri-Score.

Nutri-Score – was ist das?

Der Nutri-Score ist eine Nährwertkennzeichnung, die auf der Vorderseite von Lebensmittelverpackungen zu finden ist. Die Kennzeichnung soll schon beim Einkaufen eine schnelle Orientierung geben, welche Produkte eher zu einer ausgewogenen Ernährung beitragen. Mittels einer fünfstufigen Farbskala gibt der Nutri-Score Auskunft über die Nährwertqualität eines verarbeiteten Produktes. Bewertet werden dabei Inhaltsstoffe, Kalorien, Eiweißgehalt, Fett, Ballaststoffe und Gemüse- sowie Obstanteil. Seit dem 6. November 2020 können Unternehmen den Nutri-Score rechtssicher verwenden, verpflichtend ist die Kennzeichnung jedoch nicht. (Quelle: Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft)

Nährwertangaben: Nutri-Score dient zur Orientierung

Die Vorteile des Nutri-Scores liegen auf der Hand, denn die Kennzeichnung ist leicht und eindeutig verständlich. Die fünfstufige Farb- und Buchstabenskala ermöglicht es, Produkte innerhalb einer Gruppe zu vergleichen. Während das dunkelgrüne A (links) für eine bessere Nährstoffzusammensetzung steht, können Verbraucher vom dunkelroten E (rechts) ableiten, dass die Zusammensetzung weniger gut ist.

Die Skala verläuft folgend: dunkelgrünes A (am besten), hellgrünes B, gelbes C, orangenes D und dunkelrotes E (am schlechtesten). Während Produkte im grünen Bereich bessere Werte bei den Ballaststoffen, Proteinen und im Obst- sowie Gemüseanteil haben, weisen Lebensmittel aus dem roten Bereich einen eher schlechten Zucker-, Energie-, Salz- und gesättigten Fettsäuren-Anteil auf.

Wenn also ein Verbraucher eine Pizza essen möchte und die Wahl zwischen einem Produkt mit gelben C oder mit einem orangenen D hat, ist die Pizza mit dem gelben C aus ernährungsphysiologischer Sicht die bessere Wahl. Der Nutri-Score gibt Verbrauchern daher eine schnelle Orientierung, welches Produkt die bessere Wahl ist. Durch die Angaben müssen Verbraucher nicht auf ein bestimmtes Produkt verzichten, sondern können die Produkte vergleichen und sich für die Alternative mit einer besseren Nährstoffzusammensetzung entscheiden.

Das heißt jedoch nicht, dass sich ein Verbraucher ausgewogen ernährt, wenn er ausschließlich Lebensmittel aus der Kategorie A isst. Zu einer ausgewogenen Ernährung gehören abwechslungsreiche und vielfältige Lebensmittel.

Nutri-Score im Supermarkt: Rewe führt die Kennzeichnung ein, Penny und Kaufland stellen laufend um

Obwohl die Verwendung des Nutri-Scores freiwillig ist, setzen immer mehr Supermärkte auf die Kennzeichnung. Erst kürzlich hat Lebensmittelriese Rewe den Nutri-Score bei verarbeiteten Lebensmitteln auf seinen Eigenmarken „ja!“ und „Rewe Bio“ eingeführt. „Für unsere Kunden kann diese erweiterte Nährwertkennzeichnung aber nur dann einen wirklichen Mehrwert bieten, wenn alle Produkte im Sortiment mit dem Nutri-Score gekennzeichnet sind. Insofern muss sich die gesamte Branche – Händler wie Lebensmittelindustrie – gleichermaßen engagieren“, sagt Hans-Jürgen Moog von der Rewe Group.

Umso besser, dass immer mehr Lebensmitteleinzelhändler auf den Nutri-Score setzen. Bereits im Sommer 2020 führte der Rewe-Discounter Penny die Kennzeichnung auf seiner Eigenmarke „Naturgut“ ein. Zwar erfolgte die Nährwertkennzeichnung an den Produkten aufgrund einer Verpackungsumstellung nur schrittweise, jedoch führte Penny alternativ entsprechende Kennzeichnungen an den Regalen an.

Die sukzessive Umstellung hat auch Kaufland im vergangenen Jahr in Angriff genommen. „Im ersten Quartal 2020 haben wir begonnen, den Nutri-Score auf den Produktverpackungen unserer Eigenmarken ‚K-Bio‘ und ‚K-take it veggie‘ einzuführen“, sagt Alisa Götzinger auf 24RHEIN-Anfrage. Zuletzt stellte das Unternehmen die Kennzeichnung auch auf den Eigenmarken „K-to-go“ und „K-free“ um.

Discounter setzen auf den Nutri-Score: Aldi und Lidl ziehen mit

Neben Penny führen auch andere Discounter die Nährwertkennzeichnung ein. Auf 24RHEIN-Anfrage äußert sich Lidl: „Nachdem die rechtlichen Grundlagen für die Einführung des Nutri-Scores geschaffen wurden, beginnen wir sukzessive damit, unser Eigenmarkensortiment zu kennzeichnen. Sobald die derzeitigen Verpackungsbestände aufgebraucht sind, werden die ersten Produkte mit dem Nutri-Score im Laufe des Jahres in unseren Filialen zu finden sein“, sagt Melanie Pöter von Lidl.

Die Discounter Aldi Nord und Aldi Süd ziehen nun nach und führen ab Mitte März den Nutri-Score auf den Eigenprodukten ein. Nach und nach wird die Kennzeichnung auf der Vorderseite der Produkte von den Marken Sweet Valley, Kings Crown, Pizz‘ah und All Seasons zu finden sein.

„Bei der Auswahl der Eigenmarken, die wir zuerst kennzeichnen, haben wir uns dafür entschieden, mit Produkten zu beginnen, die einen hohen Verarbeitungsgrad beziehungsweise einen erhöhten Zucker-, Salz- oder Fettgehalt aufweisen, der von vielen Verbrauchern nicht direkt vermutet wird“, sagt Berit Kunze-Hullmann von Aldi auf 24RHEIN-Anfrage. „Auch die Vergleichbarkeit innerhalb einer Produktkategorie ist ein Mehrwert des Nutri-Scores, weshalb wir uns bei der Auswahl auch an bereits gekennzeichneten Wettbewerbsprodukten orientieren“, erklärt Kunze-Hullmann weiter.

Lediglich Edeka und Netto halten sich zurück. Beide Supermärkte, die zur Edeka-Gruppe gehören, könnten aus Wettbewerbsgründen aktuell noch keine nähere Auskunft zu seinen Planungen für die Eigenprodukte geben. (jaw)

Dieser Artikel wurde zuletzt am 11. März inhaltlich ergänzt und aktualisiert:

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