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Handelsverband sieht Versorgung mit Obst und Gemüse gefährdet – aber Supermärkte geben Entwarnung

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Von: Jana Wehmann

Eine Frau steht in einer Gemüseabteilung eines Supermarktes.
Der Deutsche Fruchthandelsverband sieht die Versorgung mit Obst und Gemüse aus dem Ausland gefährdet. © Jan Woitas/dpa

Der Deutsche Fruchthandelsverband warnt aufgrund der Corona-Einreiseregeln vor einem Versorgungsengpass bei Obst und Gemüse. Die Supermärkte sprechen eine Entwarnung aus.

Köln – Tomaten, Äpfel und Gurken in deutschen Supermärkten stammen nicht immer auch aus Deutschland. Oft wird das Obst- und Gemüse aus Spanien, Italien oder auch Frankreich importiert. Durch die Corona-Krise und die nun verschärften Kontakt sowie Einreise-Regeln könnte es beim Obst- und Gemüse zu einem Versorgungsengpass kommen. Das befürchtet der Deutsche Fruchthandelsverband.

Nachdem die Bundesregierung die Corona-Einreiseverordnung angepasst hat, seien auch innerhalb von nur wenigen Stunden die Einreisebedingungen für Fahrer von Lebensmitteltransporten so verschärft worden, dass es kaum noch möglich sei, Obst und Gemüse zum Beispiel aus Spanien nach Deutschland zu importieren.

Deutscher Fruchthandel: Warnung vor Versorgungsengpässen bei Obst und Gemüse in Corona-Krise

Seit Sonntag müssten Fahrer aus den festgelegten Hochrisikogebieten, wie Portugal und Spanien, bei Grenzübertritt einen negativen PCR-Corona-Test vorlegen – dieser dürfe aber nicht älter als 72 Stunden sein. In der Praxis sei dies kaum machbar, so der Verband. „Spanien ist zurzeit mit einem Anteil von rund 30 Prozent eines der Hauptlieferländer für Obst und Gemüse“, erklärt Andreas Brügger, Verbandsgeschäftsführer.

Gemeinsam mit anderen Verbänden habe der Deutsche Fruchthandel die Bundesregierung frühzeitig auf die möglichen Konsequenzen hingewiesen – „leider ohne Ergebnis“, so der Verband.

Engpässe bei Obst und Gemüse: Supermärkte sprechen trotz Corona-Krise Entwarnung aus

Weniger kritisch hingegen sehen die deutschen Supermärkte die Lage, Verbraucher müssten sich keine Sorgen machen. „Wir sehen derzeit keine Versorgungsengpässe“, sagt Andreas Krämer, Pressesprecher der Rewe-Group. „Selbst wenn ein LKW durch die Maßnahmen verspätet sein sollte, dann können wir das durch die bereits erfolgte Erhöhung der Lagerbestände kompensieren“, ergänzt Krämer für Rewe und Penny. Auch Aldi spricht eine Entwarnung aus: „Der Lieferverkehr zu unseren Lagern ist von der neuen Corona-Einreise-Verordnung bislang nicht betroffen“, sagt Carolin Sunderhaus auf 24RHEIN-Anfrage.

Sowohl Lidl und als auch Aldi betonen, dass die Discounter generell in einem engen Austausch mit den Lieferanten stehen. Dadurch sei es möglich, auf kurzfristige Schwankungen, wie zum Beispiel durch Wettereinflüsse oder eventuelle Verzögerungen, einzugehen. „Darüber hinaus bezieht Lidl sein Angebot an Obst und Gemüse zum Teil auch von regionalen Erzeugern“, sagt Isabel Lehmann.

Auch Kaufland betont, dass die Versorgung mit frischem Obst und Gemüse – nach aktuellem Stand – gesichert sei. „Dennoch ist die Lage sehr dynamisch, sodass wir natürlich nicht ausschließen können, dass der Warenfluss durch die neuen Bestimmungen beeinträchtigt wird“, erklärt Alisa Götzinger auf 24RHEIN-Anfrage. Deshalb prüfe Kaufland parallel auch mögliche Alternativen, falls es doch zu einem Engpass kommen sollte.

Lebensmittelhändler Edeka versichert ebenso, dass die Belieferung der Märkte gesichert sei. Das Unternehmen betont außerdem: „Keiner der Fahrer unserer Lieferanten ist länger als 72 Stunden im Land, deshalb greift die Verordnung nicht“, sagt Jennifer Teichert. Zudem würde das Fiebermessen an den Grenzen nur zu einer Verzögerung im Stundenbereich führen, was Edeka bei der Bestellung berücksichtigen würde.

Versorgungsengpass: Fruchthandel fordert einheitliche Regelungen in der Corona-Krise

Der Deutsche Fruchthandelsverband forderte bereits europaweit verbindliche Regelungen, wie sie mit der „Green-Lanes-Richtlinie“ der Europäischen Union bereits definiert seien. Die Richtlinie sieht Grenzübergänge innerhalb der EU mit Sonderfahrspuren vor, die eine schnelle Durchfahrt von Güterfahrzeugen ermöglichen. „Wir brauchen auch in Corona-Zeiten einen Versorgungskorridor für frisches Obst und Gemüse, sonst drohen leere Regale im Handel“, sagt Andreas Brügger. (jaw/dpa)

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