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Verkauf von 34 Real-Standorten droht zu platzen – Russen drin, alles hin?

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Von: Max Müller

Russland-Fahne, Real-Schriftzug (Montage).
Der Krieg in der Ukraine hat auch Auswirkungen auf SCP, den russischen Real-Investor (Montage). © Christoph Soeder/dpa & Arno Burgi/dpa

Welchen Einfluss hat der Krieg in der Ukraine und die daraus resultierenden Sanktionen gegen Russland auf die Real-Zerschlagung? Ein Deal könnte platzen.

Köln – Es gibt für PR-Agenturen einfacheres, als aktuell erklären zu müssen, warum ein Unternehmen russische Eigentümer hat. Noch komplizierter ist es, zu verstehen, wie die von der EU verhängten Wirtschaftssanktionen hier greifen. Bei den Supermärkten von Real ist genau das der Fall. Seit Monaten bestimmt die Zerschlagung der Supermarkt-Kette Real die Nachrichten: Filialen werden geschlossen, von anderen Supermärkten wie Kaufland übernommen – oder aber weitergeführt.

Real
Umsatz:7,4 Milliarden EUR (2017–2018)
Gründung:1992, Deutschland
Anzahl der Beschäftigten:36.000 (2019)
Dachorganisation:Sistema

Real-Zerschlagung: Verkauf von 34 Real-Standorten durch SCP droht zu platzen

Im Juni 2020 hatte der russische Investor Sistema Capital Partners Group (SCP) den Kauf der angeschlagenen Metro-Tochter abgeschlossen. SCP ist seither damit beschäftigt, die SB-Warenhauskette zu zerschlagen. Im Zuge dessen wollte das luxemburgische Immobilienunternehmen X+Bricks 34 Real-Standorte von SCP übernehmen, deren Wert auf 1 Milliarde Euro taxiert wird. Doch dieser Deal könnte nun platzen, berichtet die Lebensmittel-Zeitung.

Die Abmachung zwischen den beiden Unternehmen steht nämlich unter Finanzierungsvorbehalt. Die beiden russischen Finanziers Felix und Wladimir Jewtuschenkow, denen das Unternehmen AFK Sistema – der Mutterkonzern von SCP – gehört, stehen aufgrund der Sanktionen der EU gegen Russland nicht mehr zur Verfügung. Kurz nach Kriegsausbruch hatten die russischen Milliardäre, zuvor noch Haupteigner von SCP, ihre Vermögenswerte abgestoßen. Seit dem 27. Februar ist laut Lebensmittel-Zeitung die Französin Marjorie Brabet-Friel alleinige Halterin aller SCP-Anteile.

Darüber hinaus hatten die Jewtuschenkows auch Anteile an X+Bricks, die sie jedoch ebenfalls alle Anfang März verkauft haben – was für den Deal bedeutet, dass die russischen Investoren raus sind. Der CEO von X+Bricks, Sascha Wilhelm, habe hingegen seine eigene Beteiligung „deutlich ausgebaut“. Nun müsse geprüft werden, ob X+Bricks die Summe von einer Milliarde Euro für 34 Real-Filialen auch ohne Unterstützung durch die Jewtuschenkows stemmen kann.

Real-Zerschlagung: Kaufland, Edeka und Globus übernehmen Real-Filialen

Der Hintergrund der ganzen Entwicklungen ist, dass die kriselnde Real-Supermarktkette zerschlagen wird. Viele der Real-Märkte werden zu Kaufland, Edeka oder Globus. Doch es soll weiter auch Supermärkte von Real geben. Diese restlichen Standorte von Real werden unter Beteiligung des Finanzinvestors Sven Tischendorf weiterbetrieben. Die verbliebenen Standorte sollen von einem Team von Real-Managern gemeinsam mit der Unternehmerfamilie Tischendorf gemanagt werden. Anfang März gab das Bundeskartellamt grünes Licht für den Deal.

Ukraine-Krieg: Was bedeuten die Sanktionen gegen Russland für Real?

Doch auch bei diesem Deal stellt sich die Frage: Was bedeuten die Wirtschaftssanktionen in Folge des Ukraine-Kriegs für diesen Plan? Anfang März sagte Sven Tischendorf gegenüber dem Businessinsider: „Real ist ungeachtet der russischen Eigentümerschaft ein solides deutsches Unternehmen mit deutschen Konten und deutschem Vermögen. Von daher gehe ich nicht davon aus (und habe auch nichts dergleichen gehört), dass der Geschäftsverlauf von Real oder die Überleitung auf uns in irgendeiner Weise beeinflusst sein könnten.“ Die SCP-Group gab Anfang März an, von den Sanktionen nicht betroffen zu sein. (mm) Mehr News auf der 24RHEIN-Homepage. Tipp: Täglich informiert, was in Köln und NRW passiert – einfach unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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