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Rewe-Chef: „Lieferengpässe in Deutschland inzwischen Alltag“

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Ein Einkauf liegt in einem Einkaufswagen in einem Supermarkt.
Viele Lebensmittel-Hersteller fordern höhere Preise für Ihre Produkte. Könnte das Einkaufen im Supermarkt bald noch teurer werden? (Symbolbild) © Fabian Sommer/dpa

Die Lebensmittelindustrie fordert für ihre Produkte immer höhere Preise. Zugleich kommt es öfter zu Lieferproblemen. Rewe-Chef Souque übt Kritik.

Köln – Wer Lebensmittel kaufen will, muss inzwischen an der Kasse immer mehr Geld bezahlen: Denn die Preise steigen derzeit stark an. Wie das Statistische Bundesamt zeigt, lagen die Lebensmittelpreise im November 2021 um 4,5 Prozent über dem Vorjahresniveau. Besonders für Fleisch und Molkereiprodukte mussten die Verbraucher mehr zahlen. Auch der Handelsriese Rewe aus Köln wird zurzeit mit einer Welle von Preisforderungen aus der Lebensmittelindustrie konfrontiert. Zum Teil sind die Forderungen jedoch nicht gerechtfertigt, so Rewe-Chef Lionel Souque.

Rewe-Chef über Preisforderungen der Industrie: Rohwarenpreise sind zuletzt gestiegen

„Es gab noch nie so viele Forderungen nach Preiserhöhungen von der Industrie wie in diesem Jahr“, sagte Rewe-Chef Lionel Souque der Deutschen Presse-Agentur. Ein Teil der Preiserhöhungen sei berechtigt, räumte der Manager ein. Denn bei vielen Produkten wie Nudeln oder Kaffee seien die Rohwarenpreise zuletzt deutlich gestiegen. „Doch es gibt auch Hersteller, die nur auf der Preiswelle mitreiten wollen“, klagte Souque.

Es gebe multinationale Konzerne, die gegenüber ihren Aktionären damit prahlten, wie sie ihre Kosten gesenkt hätten und dennoch versuchten, sich an die Preiswelle anzuhängen. „Wir müssen aufpassen, dass wir diese Unternehmen mit ihren Forderungen nicht durchkommen lassen, denn am Ende zahlt dafür der Kunde“, sagte Souque. Deshalb sei es auch wichtig, dass Rewe genug Verhandlungsmacht habe.

Verbraucherzentrale NRW: Lebensmittelpreise steigen – diese Produkte werden teurer

Übrigens hatte die Verbraucherzentrale NRW bereits im Oktober angekündigt, dass Verbraucher bei manchen Lebensmitteln mit Preisanstiegen rechnen müssen. Insbesondere bei Getreide-Produkten dürften die Einkaufs-Preise bald deutlich ansteigen, wie ein Sprecher der Verbraucherzentrale NRW gegenüber 24RHEIN bestätigte. Ein Überblick, welche Produkte teurer werden oder bereits teurer geworden sind:

Schlechte Organisation, fehlende Rohstoffe: Lieferengpässe in Lebensmittelindustrie sind „inakzeptabel“

Der Rewe-Manager klagte zudem über wachsende Lieferprobleme. „Auch im Lebensmittelhandel sind Lieferengpässe in Deutschland inzwischen Alltag. In vielen Wochen werden zurzeit von der Industrie weniger als 90 Prozent der bestellten Lebensmittel geliefert. Das ist völlig ungewöhnlich und teilweise inakzeptabel“, sagte er.

Manchmal fehle es an Rohstoffen oder an Verpackungsmaterial. Oft sei aber auch schlechte Organisation der Lebensmittelkonzerne daran schuld, sagte Souque. Gerade multinationale Konsumgüterhersteller hätten oft, um Geld zu sparen, auf einen eigenen Fuhrpark oder langfristige Verträge mit Logistikfirmen verzichtet und die benötigen Transportkapazitäten lieber kurzfristig preiswert eingekauft. „Das fällt ihnen jetzt auf die Füße. Denn der Markt ist leer gefegt und sie bekommen einfach keine Lkws für den Transport ihrer Produkte zum Handel.“

Wie lange dieser Zustand andauern werde, wisse er nicht, betonte der Manager. Für die Kunden sei der Schaden aber begrenzt. Es gebe keine Artikelgruppe, in der die Regale leer seien. Überall gebe es die Möglichkeit, bei Engpässen auf andere Marken auszuweichen.

2021 war für Rewe und Discounttochter Penny ein gutes Jahr

Nach den deutlichen Umsatzzuwächsen zu Beginn der Corona-Krise war auch 2021 für Rewe und die Discounttochter Penny in Deutschland Souque zufolge wieder ein gutes Jahr – auch wenn die exorbitanten Wachstumsraten des ersten Corona-Jahres 2021 nicht wieder erreicht worden seien. Im kommenden Jahr rechnet der Konzern in den Supermärkten in Deutschland nur noch mit einem „leichten Umsatzwachstum“.

2021 erneute Verluste bei Rewe-Touristik: Etwa 200 Millionen Euro Einbußen wegen Corona

Die Rewe-Touristiksparte, zu der bekannte Marken wie Dertour, ITS und Kuoni gehören, litt dagegen auch in diesem Jahr unter der Pandemie. „Wirtschaftlich war die Corona-Pandemie für die Rewe-Touristik ein Riesenproblem. Im Jahr 2020 summierten sich die Verluste dort auf über 400 Millionen Euro. Dieses Jahr dürften wir den Verlust ungefähr halbieren – auf etwas mehr als 200 Millionen Euro“, sagte Souque. Dennoch halte der Konzern an der Sparte fest. Um stärker und schneller als die Konkurrenz aus der Krise herauszukommen, habe Rewe das Touristikgeschäft in der Pandemie durch Übernahmen verstärkt – gerade im Bereich exklusiver Angebote. (nb mit dpa)  Mehr News auf der 24RHEIN-Homepage.

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