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Nach Orsay: Weitere Modeketten vor Schließungen? Experte mit düsterer Prognose

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Von: Oliver Schmitz

Laut einer Experteneinschätzung könnten nach Orsay 2022 noch weitere Modeketten Pleite gehen. Die Gründe sind vielfältig. Schließungen gibt es bereits.

Köln – Zuerst C&A, dann Primark und jetzt Orsay: Immer mehr Modeketten schließen Filialen in Deutschland. Und wie es scheint, könnte der Negativ-Trend für die Branche noch weitergehen. Ein Handelsexperte geht davon aus, dass es weitere Unternehmen im Textil-Einzelhandel treffen könnte. Das dürfte unter anderem auch für die bald arbeitslosen Orsay-Mitarbeiter ein Problem sein.

Schließungen bei Modeketten: „Orsay wird nicht letzte sein“ – weitere Pleiten?

„Angeschlagene Unternehmen wie Orsay trifft es als erstes, wenn es rau wird. Aber Orsay wird nicht der letzte textile Einzelhändler sein, den es dieses Jahr umhaut“, sagte Gerrit Heinemann der Deutschen Presse-Agentur. Laut dem Handelsexperten hätte der stationäre Textilhandel in der Corona-Pandemie viel Umsatz eingebüßt, und die Innenstädte hätten noch nicht das Besucherniveau vor der Corona-Krise erreicht.

Wer ist Gerrit Heinemann?

Gerrit Heinemann ist ein deutscher Wirtschaftswissenschaftler. Seine Themenschwerpunkte liegen in den Bereichen E-Commerce, Online-Handel, Multi-Channel-Handel und die Zukunft des Handels. Seit 2005 ist Heinemann Professor für BWL, Management und Handel an der Hochschule Niederrhein in Mönchengladbach. Er wurde 1960 in Osnabrück geboren.

„Hinzu kommen zwei Erschwernisse, die eine Erholung des Textilgeschäfts quasi unmöglich machen“, erklärt Heinemann. Zum einen ein Nachfrageschock durch den Ukraine-Krieg und zum anderen die Lieferkettenprobleme durch die Corona-Politik in China. So könne man nicht planen. Heute wüssten Händler für die bevorstehende Wintersaison nicht, ob ihre Ware wirklich komme.

Durch die Ereignisse gebe es in der deutschen Textilbranche einen Sanierungsbedarf. Die Branche müsse sich neu aufstellen und sich aus der „Abhängigkeitsfalle von China“ befreien, sagte Heinemann. Sie müsse wieder näher an der Heimat produzieren, etwa in Nordafrika oder Portugal.

Orsay schließt: Was passiert mit Mitarbeitern?

Links: Eine Orsay-Filiale von außen. Rechts: Handelsexperte Gerrit Heinemann
Der Handelsexperte Gerrit Heinemann (r.) glaubt, dass nach Orsay weitere Modeketten Pleite gehen könnten. © Hanno Bode/Imago & Action Pictures/Imago

Nach dem Aus für die Modekette Orsay geht Gerrit Heinemann davon aus, dass die Verkaufsmitarbeiter im Bekleidungshandel nicht mehr gebraucht werden. Wenn sie flexibel seien und etwa Lebensmittel verkaufen wollten, sei ihre Perspektive jedoch gut, sagte der Handelsexperte. Im Handel würden immer Mitarbeiter benötigt.

Alle Orsay-Filialen in Deutschland werden Ende Juni geschlossen. Damit verlieren auch die rund 1200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den 197 Geschäften ihren Job. Die Kündigungen durch Orsay waren zwar bereits im März erfolgt, jedoch hatte man damals noch auf eine Rettung gehofft.

Orsay Insolvenz auch wegen Ukraine-Krieg

Ein Orsay-Sprecher hatte erklärt, dass der Krieg in der Ukraine die Konsumneigung der deutschen Verbraucher weiter gedrückt habe. Schon die Corona-Pandemie habe das Geschäft stark belastet. „Daher kann das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung, auf das wir große Hoffnungen gesetzt hatten, nicht fortgeführt werden.“ Auch in anderen Ländern werden etliche Orsay-Filialen geschlossen.

Orsay ist damit nur eine von vielen Modemarken, die mit Schließungen zu kämpfen haben. Vor allem bei C&A werden ebenfalls mehrere Filialen geschlossen. Aber auch Primark schließt Geschäfte in Deutschland. (os mit dpa) Tipp: Fair und verlässlich informiert, was in Deutschland & NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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