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Streiks im Einzelhandel in ganz NRW bei Ikea, Saturn, Kaufland, Real und Aldi

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Von: Benjamin Stroka

Demonstranten beteiligen sich an einem Streik im Einzel-, Groß- und Außenhandel.
Am Freitag wird es in NRW wieder groß angelegte Streiks im Einzelhandel geben (Symbolbild). © Bernd Thissen/dpa

Neue Streiks im Einzelhandel: In NRW wollen am Freitag über 100 Betriebe im Kampf um mehr Lohn die Arbeit niederlegen. Betroffen sind auch Aldi, Kaufland oder Rewe.

Düsseldorf – Am Freitag (27. August) kommt es in großen Teilen von NRW zu Streiks im Einzelhandel. Die Gewerkschaft Verdi ruft im Kampf um mehr Lohn für die rund 700.000 Beschäftigten im Land zu den Streiks auf. Mehr als 100 Betriebe sollen an den Arbeitsniederlegungen beteiligt sein. Zum Streik aufgerufen sind laut Verdi-Informationen auch Filialen von großen Supermärkten und Discountern, wie Aldi, Kaufland, Rewe und Edeka Neukauf sowie Filialen von Ikea, Saturn und Galeria Karstadt Kaufhof.

Nachdem die Tarifverhandlungen im Einzelhandel am 1. September in fünfter Runde erfolglos beendet wurde, hat die Gewerkschaft Verdi erneut zum Streik in NRW aufgerufen. Der landesweite Arbeitskampf findet am Donnerstag (9. September) mit einer Kundgebung in Dortmund statt, um vor der nächsten Verhandlungsrunde am 10. September den Druck auf die Arbeitgeber zu erhöhen.

Streik im NRW-Einzelhandel: „Das ist ein einseitiges Lohndiktat“

Die Streiks finden statt, um vor der nächsten Verhandlungsrunde „den Druck auf die Arbeitgeber zu erhöhen“, so eine Verdi-Sprecherin aus Düsseldorf. Die nun bereits fünfte Verhandlungsrunde im Tarifstreit des Einzelhandels findet am 1. September (Mittwoch) in Recklinghausen statt. „Die Beschäftigten werden bereits seit dem 1. Mai hingehalten“, so Verdi-Verhandlungsführerin Silke Zimmer. „Anstatt am Verhandlungstisch zu einem Ergebnis zu kommen, haben die Arbeitgeber versucht, die Beschäftigten mit freiwilligen Vorweganhebungen abzuspeisen und so die Streiks zu brechen. Das ist ein einseitiges Lohndiktat und trägt absolut nicht zur Lösung des Tarifkonflikts und zu einem fairen Abschluss bei.“

Einzelhandel in NRW: Diese Unternehmen werden zum Streik aufgerufen

Daher ruft Verdi für Freitag bei rund 20 Unternehmen zum Streik auf. Filialen folgender Einzelhandelsfirmen sollen am Freitag in NRW bestreikt werden:

Streik im NRW-Einzelhandel: Ikea, H&M, Saturn und TK Maxx in Köln betroffen

Auch in Köln werden Geschäfte im Einzelhandel bestreikt. „Los geht es um 10:30 Uhr auf dem Neumarkt“, sagt Jana Zorn vom Verdi Bezirk Köln-Bonn-Leverkusen. Nach einer rund einstündigen Kundgebung zieht der Demozug anschließend weiter in Richtung Deutzer Brücke. Zwar hat Verdi NRW am Freitag zum ganztägigen Streik ausgerufen, in Köln endet das Programm jedoch gegen 12:30 Uhr. Danach müssen die Einzelhandels-Mitarbeiter jedoch nicht in die Filialen zurückkehren.

In Köln sind folgende Filialen vom Verdi Streik betroffen:

Zwar haben die betroffenen Filialen trotz Verdi Streik geöffnet, allerdings „kann es zu Verzögerungen im Ablauf kommen“, sagt Jana Zorn. Kunden müssen sich daher auf längere Wartezeiten einstellen.

Streik im Einzelhandel: Verdi lehnt Angebot der Arbeitgeber ab

Laut Verdi-Angaben soll der Arbeitgeberverband seinen tarifgebundenen Mitgliedsunternehmen bislang empfohlen haben, nach zwei Nullmonaten eine Lohnerhöhung von zwei Prozent zum 1. Juli 2021 sowie eine Einmalzahlung, der Zeitpunkt sei hier frei wählbar, von 300 Euro zu zahlen. Für die Gewerkschaft reicht das nicht aus. „Freiwillige Zahlungen bieten den Beschäftigten keinerlei rechtlichen Anspruch. Diesen bieten nur Tarifverträge“, betont Zimmer. Die Beschäftigten im Einzelhandel würden sich davon nicht beeindrucken lassen. „Sie haben in den letzten Wochen gezeigt, dass sie diese freiwillige Erhöhung nicht akzeptieren, weil sie bei weitem nicht ausreicht.“

Streik in NRW: Gewerkschaft Verdi sauer auf Arbeitgeber

Besonders sauer ist die Gewerkschaft Verdi, weil die Arbeitgeber in der vierten Verhandlungsrunde einen Verdi-Vorschlag ablehnten, ohne ein Gegenangebot zu machen. Es gebe „große Zweifel“, dass die Arbeitgeber in den Verhandlungen zu einem Abschluss kommen wollten. „Wir hoffen, dass sich die Haltung der Arbeitgeber seit der letzten Verhandlung deutlich verändert hat. Sie müssen jetzt ihrer sozialen Verantwortung gerecht werden und für die Heldinnen und Helden des vergangenen Jahres zu dem Abschluss kommen, den diese nicht nur mehr als verdient haben, sondern auch unbedingt brauchen“, erklärt Zimmer.

Im Einzelhandel in NRW sind rund 502.000 Menschen in sozialversicherungspflichtigen Jobs beschäftigt. Dazu kommen etwa 197.000 geringfügig Beschäftigte. Bei dem Tarifstreit fordert Verdi unter anderem 4,5 Prozent und 45 Euro mehr Lohn, Gehalt und Ausbildungsvergütung bei einer Laufzeit von 12 Monaten sowie einen Mindestlohn von 12,50 Euro pro Stunde. Bereits im Mai und im Juni kam es in NRW wegen der schwierigen Tarifverhandlungen zu Warnstreiks im Einzelhandel. (bs) Mehr News auf der 24RHEIN-Homepage. Tipp: Täglich informiert, was in NRW passiert – einfach unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

Dieser Artikel wurde zuletzt am 8. September inhaltlich ergänzt und aktualisiert. Neuerung: Hinweise zum weiteren Streik am 9. September.

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