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Streik bei Amazon vor Weihnachten geplant: Kommen die Pakete noch rechtzeitig an?

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Von: Jonah Reule

Wenige Tage vor Weihnachten hat Verdi zu Streiks an Versandzentren von Amazon aufgerufen. Auch drei große NRW-Standorte sind betroffen.

Dortmund – Die Gewerkschaft Verdi hat wenige Tage vor Weihnachten zu Streiks an sieben Versandzentren des Online-Versandanbieters Amazon aufgerufen. Allein drei davon liegen in Nordrhein-Westfalen: Wenn die Mitarbeiter an den großen Standorten Dortmund, Werne und Rheinberg im Kreis Wesel ihre Arbeit ruhen lassen, kann das Auswirkungen auf den bundesweiten Versand haben. Grund für den Streikaufruf sind die nach Ansicht der Gewerkschaft zu niedrigen Gehälter der Amazon-Beschäftigten.

Amazon-Logistikzentren in NRW

Standort Dortmund: Eröffnung April 2018, ca. 1600 Mitarbeiter

Standort Werne: Eröffnung Dezember 2017, ca. 1800 Mitarbeiter

Standort Oelde: Eröffnung Juli 2020, ca. 1600 Mitarbeiter

Standort Mönchengladbach: Eröffnung August 2011, ca. 1000 Mitarbeiter

Standort Rheinberg: Eröffnung September 2011, ca. 1950 Mitarbeiter

Streik bei Amazon geplant: „Unsoziale Praktiken des Onlinegiganten“

Die Beschäftigten sollen die Arbeit niederlegen und so gegen die „unsozialen Praktiken des Onlinegiganten“ protestieren, heißt es bei Verdi. Auch an den Versandzentren in Koblenz, Bad Hersfeld, Graben bei Augsburg und Leipzig soll gestreikt werden.

Wann und wo genau gestreikt wird, ist bisher noch nicht bekannt. „Die Beschäftigten der verschiedenen Verteilzentren werden in den kommenden Tagen teilweise abwechselnd und ohne öffentliche Vorankündigung in Aktion treten“, sagt Streikleiterin Monika Di Silvestre.

Verdi fordert Lohnanpassung an Branchenniveau bei Amazon

Mit dem Streikaufruf möchte Verdi auf die aus Sicht der Gewerkschaft unfaire Bezahlung der Mitarbeiter in den Amazon-Logistikzentren aufmerksam machen. Insgesamt verdienten die Beschäftigten bei Amazon „noch immer mehrere tausend Euro im Jahr weniger als ihre Kolleginnen und Kollegen in tarifgebundenen Unternehmen“, so Di Silvestre. Die Differenz käme unter anderem durch ein geringeres Weihnachtsgeld und fehlendes Urlaubsgeld zustande, sagt die Gewerkschafterin.

Verdi fordert, dass Amazon die Bezahlung an das branchenübliche Niveau anpasst. Dazu soll Amazon die Flächentarifverträge im Einzel- und Versandhandel anerkennen. Darüber hinaus solle Amazon mit der Gewerkschaft einen Tarifvertrag „Gute und Gesunde Arbeit“ abschließen. So sollen auch die Arbeitsbedingungen verbessert werden, so Verdi.

Amazon: Keine Auswirkungen auf Lieferungen vor Weihnachten

Amazon rechnet währenddessen mit keinerlei Auswirkungen für die Kunden durch die geplanten Streiks. Auf Anfrage von 24RHEIN teilte der Versandriese mit, dass die Vorbereitungen für die Weihnachtssaison bereits vor Monaten begonnen hätten. Hierfür habe Amazon 8.000 zusätzliche saisonale Arbeiter eingestellt, die die Versandteams unterstützen sollen.

Außerdem wies das Unternehmen darauf hin, dass die Beschäftigten im September 2022 bereits eine Gehaltserhöhung erhalten haben. Der Stundenlohn liege beim Einstieg bei 13 Euro. Nach zwei Jahren ergebe sich ein Jahresgehalt von 35.000 Euro, so Amazon. Zudem erhalten die Beschäftigten zahlreiche Extras, wie Zuschüsse für den ÖPNV und Weiterbildungsmöglichkeiten. Auch vergünstigte Mahlzeiten und kostenlose Getränke gehören laut Unternehmen dazu. Darüber hinaus gebe es kostenlose Versicherungen und man zahle Zuschläge bei Überstunden, so Amazon.

Amazon rühmt sich mit Mitarbeiterzufriedenheit – Gewerkschaft hält dagegen

Amazon selbst sieht keine Unzufriedenheit unter der Mehrheit der Belegschaft. In einer betriebsinternen Umfrage hätten rund 90 Prozent aller 20.000 festangestellten Mitarbeiter in der Logistik in Deutschland ihre Arbeit mit Bestnoten bewertet. Man gehe daher davon aus, dass Verdi mit seinen Streiks nur eine Minderheit vertrete, so das Unternehmen.

Verdi sieht das anders: Bei Amazon sei ein eher mitarbeiterunfreundliches Verhalten an der Tagesordnung, heißt es bei der Gewerkschaft. Das habe man zum Beispiel beim Streik am Black Friday sehen können: An diesem Tag seien Mitarbeiter an den Toren bereits von Managern erwartet worden, die sie vom Streik abhalten wollten. Dies habe eine einschüchternde Wirkung, so Di Silvestre. (jr/dpa) Fair und unabhängig informiert, was in NRW und Köln passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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