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9-Euro-Ticket: Nachfolger kommt 2023 – wann der Preis verkündet wird

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Von: Oliver Schmitz

Trotz hoher Beliebtheit wurde das 9-Euro-Ticket nicht verlängert. Dafür soll es einen Nachfolger geben – allerdings erst zum 1. Januar 2023.

Köln – Mit dem 9-Euro-Ticket war der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) in Deutschland zwischen Juni und August 2022 so einfach und günstig wie noch nie. Während schnell klar war, dass das bundesweit einheitliche Tarifsystem bleiben soll, wurde über die zukünftige Preisgestaltung lange gestritten. Im Zuge des dritten Entlastungspaketes wegen der steigenden Energiepreise hat sich die Bundesregierung auf einen Nachfolger für das 9-Euro-Ticket festgelegt. Doch einige Fragen sind noch offen.

Nachfolger für 9-Euro-Ticket: Aktueller Stand und alle Entwicklungen im Überblick

Preis, Termin, Finanzierung: So ist der aktuelle Stand zum 9-Euro-Ticket-Nachfolger

► Wie geht es jetzt weiter? Genaue Struktur des Tickets, Finanzierung, finaler Preis und mehr werden von einer gemeinsamen Bund-Länder-Arbeitsgruppe bis zum 12. Oktober 2022 geklärt. Als Teil des dritten Entlastungspakets muss der 9-Euro-Ticket-Nachfolger zudem durch den Bundestag offiziell beschlossen und vom Bundesrat bestätigt werden.

► Wann fällt die Entscheidung zum Nachfolger? Auf dem „Sonder“-Treffen der Verkehrsminister von Bund und Ländern (19. September) wurde angekündigt, dass der 9-Euro-Ticket-Nachfolger möglichst bei der nächsten regulären Konferenz vorgestellt werden soll. Diese findet am 12. und 13. Oktober 2022 statt. Zuvor gibt es am 4. Oktober aber auch eine außerordentliche Ministerpräsidentenkonferenz (MPK) für das dritte Entlastungspaket der Bundesregierung, die auch entscheidend für den finanziellen Teil des bundesweiten Abo-Tickets ist.

► Wie teuer soll der Nachfolger des 9-Euro-Tickets werden? Der Preis soll laut Plan der Bundesregierung zwischen 49 und 69 Euro im Monat liegen. Wie Business Insider laut eigenen Angaben aus Regierungskreisen erfuhr, soll der Preis von 60 Euro „am wahrscheinlichsten“ sein.

► Wer finanziert das neue bundesweite Ticket? Der Bund ist bereit 1,5 Milliarden Euro zur Verfügung zu stellen, insofern die Länder mindestens genauso viel zahlen. Die Bundesländer haben sich mittlerweile einheitlich bereit erklärt, dem nachzukommen. Jedoch geknüpft an die Bedinung, dass der Bund wiederum die ÖPNV-Regionalisierungsmittel um mindestens 1,65 Milliarden erhöht. Dies soll als Ausgleich für Inflations, Corona und dem teureren Ausbau dienen.

► Wann soll der 9-Euro-Ticket-Nachfolger kommen? Ziel ist der 1. Januar 2023.

Stand: 27. September 2022

Verblüffende Umfrage zum 9-Euro-Ticket: Preis des Nachfolgers nicht am wichtigsten

Eine Hand hält verschiedene Fahrscheine (9, 29-, 49-Euro-Monatsticket). Im Hintergrund fährt ein Zug.
Der bundesweite Nachfolger des 9-Euro-Tickets soll zwischen 49 und 69 Euro im Monat kosten. In Berlin gibt es bald eins für 29 Euro. © Wolfgang Maria Weber/Imago

Update vom 23. September, 15:00 Uhr: Pünktlichkeit vor Preis – das ist das Ergebnis einer Umfrage der Verbraucherzentrale NRW zur Nutzung des öffentlichen Personennahverkehrs während und direkt nach der Zeit des 9-Euro-Tickets. Bei der Untersuchung mit 2500 Teilnehmenden (3. Juni bis 6. September 2022) kam heraus, dass Preis zwar ein wichtiger Faktor ist, aber nicht der wichtigste. „Eine Neuauflage des 9-Euro-Tickets kann nur in Verbindung mit zuverlässiger Qualität funktionieren“, heißt es in einer Mitteilung am Freitag (23. September).

Rund zwei Drittel der Befragten nannten Pünktlichkeit und verlässliche Umstiege als besonders wichtig, für eine weitere Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs und somit auch des 9-Euro-Nachfolgers. Direkt danach kommt eine enge Taktung im ÖPNV, um ihn dauerhaft als Alternative zu anderen Fortbewegungsmitteln zu nutzen. Erst danach fiel die Höhe des Preises als entscheidender Faktor. Jedoch ist dies immerhin jedem zweiten Befragten wichtig für die ÖPNV-Nutzung. Dazu gehört laut Umfrage aber auch, dass das Preissystem möglichst einfach ausfällt

Nachfolger für 9-Euro-Ticket: Was bereits klar ist – und was nicht

Bund und Länder haben sich darauf geeinigt, dass es auch einen richtigen Nachfolger für das 9-Euro-Ticket geben soll. Doch viele Fragen dazu sind noch offen. 24RHEIN erklärt, was man bereits über den 9-Euro-Ticket-Nachfolger weiß und was nicht.

9-Euro-Ticket: Länder geben Nachfolger grünes Licht – erste Details stehen fest

Update vom 19. September, 15:50 Uhr: Jetzt also doch: Nach der Sonder-Verkehrsministerkonferenz am Montag (19. September), haben alle Bundesländer zugesagt, einen Nachfolger des 9-Euro-Tickets mittragen zu wollen. Das kündigte die Vorsitzende Maike Schaefer (Grüne) auf der anschließenden Pressekonferenz an. Zuvor hatte unter anderem Bayern immer wieder erklärt, sich nicht an der Finanzierung beteiligen zu wollen. Die Bundesländer knüpften das aber an die Voraussetzung, dass der Bund das Geld für die sogenannten Regionalisierungsmittel um mindestens 1,65 Milliarden Euro erhöht. Damit wird der laufende Betrieb des öffentlichen Perosnennahverkehs finanziert.

Wie genau der Nachfolger des 9-Euro-Tickets nun aussehen sollen, soll eine Arbeitsgruppe von Bund und Länder bis zu nächsten Verkehrsministerkonferenz am 12. Oktober klären. Dann möchte man alle Details, wie auch den Preis, für das neue bundesweite ÖPNV-Ticket vorstellen. Zumindest das Startdatum wurde jetzt von Bundesverkehrsminister Volker Wissing klar bestätigt: Der 9-Euro-Ticket-Nachfolger soll zum 1. Januar 2023 eingeführt werden.

9-Euro-Ticket: Scheitert der Nachfolger? Länder fordern deutlich mehr Geld

Update vom 17. September, 12:23 Uhr: Montag (19. September) könnte der Tag der Entscheidung für der Nachfolger des 9-Euro-Tickets werden. Dann findet das Sondertreffen der Verkehrsminister statt. Dort möchten die Bundesländer einige Bedingungen nennen, um überhaupt die Verhandlungen für das bundesweite ÖPNV-Ticket aufzunehmen, berichte die Süddeutsche Zeitung, der ein entsprechendes Beschlusspapier vorliegt. Konkret: 1,65 Milliarden Euro mehr möchten sie vom Bund haben. Diese sollen als Ausgleich für die allgemeinen Preissteigerungen seit 2019, für Corona-Schäden sowie die finanziellen Folgen des Ukraine-Kriegs dienen.

Sollte der Bund dieser Forderung nicht nachkommen, drohen die Bundesländer den 9-Euro-Ticket-Nachfolger scheitern zu lassen. „Nur mit einem guten ÖPNV-Angebot kann ein bundesweites ÖPNV-Ticket erfolgreich dauerhaft eingeführt werden“, zitiert die SZ den Beschluss. Die Bundesländer warnen derzeit bereits davor, dass einige Bus- und Bahnlinien eingestellt oder Takte verringert werden müssten.

9-Euro-Ticket: Berlin bekommt Nachfolger für 29 Euro – Wissing übt Kritik

Update vom 16. September, 19:20 Uhr: Während ein bundesweiter Nachfolger für das 9-Euro-Ticket noch ausgehandelt werden muss, führt das Land Berlin eine 29-Euro-Ticket ab Oktober ein. Bundesverkehrsminister Volker Wissing hat auf dieses geplante 29-Euro-Ticket kritisch reagiert. „Ich verfolge ein anderes Ziel“, sagte der FDP-Politiker am Donnerstag (16. September).

Bei der Nachfolgelösung für das 9-Euro-Ticket gehe es Wissing um ein „ganz niedrigschwelliges Eintrittsticket“ für den Nahverkehr. Es müsse bundesweit gelten und besonders auch für Gelegenheitsfahrer attraktiv sein, die Busse und Bahnen ausprobieren wollen. Er forderte, die komplexen Tarifsysteme radikal zu vereinfachen. Das 29-Euro-Ticket verfolge dieses Ziel nicht, sagte er mit Blick auf die Berliner Zwischenlösung.

Das in Berlin geplante 29-Euro-Ticket soll voraussichtlich ab 1. Oktober als Abonnement für den Tarifteilbereich Berlin AB ausgegeben werden und bis zum 31. Dezember 2022 gelten. Es soll eine Übergangslösung sein, bis voraussichtlich Anfang 2023 ein bundesweites Nahverkehrsticket kommt.

9-Euro-Ticket: ÖPNV-Reduzierung wegen Nachfolger? NRW-Minister warnt

Update vom 12. September, 11:52 Uhr: Die Finanzierung droht zum Knackpunkt des 9-Euro-Ticket-Nachfolger zu werden. Nun hat sich auch NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer kritisch zu der Haltung der Bundesregierung geäußert. In einem Interview mit der Welt warnte er vor Einschnitten im Bus- und Bahnverkehr, falls sich die Länder an den Kosten beteiligen müssten.

„Es gibt keine Spielräume für die Länder, ein Nachfolgeticket zur Hälfte mitzutragen – sonst droht uns am Ende eine Reduzierung des Nahverkehrsangebotes ab Januar, um die Mehrkosten auszugleichen“, sagte der Grünen-Politiker am Sonntag (11. September). Dabei wolle man das bisherige Angebot eigentlich weiter ausbauen. Allein NRW würde in dem Fall mit mehreren Hundert Millionen Euro belastet, sagte Krischer. Die Länder seien ohnehin mit enormen Kostensteigerungen und Defiziten beim Öffentlichen Nahverkehr konfrontiert. Die Verkehrsministerkonferenz fordere über alle Parteigrenzen eine Erhöhung der Regionalisierungsmittel um drei Milliarden Euro.

9-Euro-Ticket: Scheitert der Nachfolger? Mehrere Länder üben Kritik

Update vom 9. September, 14:12 Uhr: Trotz der Ankündigung der Bundesregierung, scheint der Weg zum Nachfolger des 9-Euro-Tickets schwierig zu werden. Denn immer mehr Bundesländer üben lautstark Kritik an dem Vorgehen der Ampel-Koalition. NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst fordert jetzt vor allem mehr Geld für das neue bundesweite ÖPNV-Ticket.

„Die Länder benötigen in der aktuellen Situation über drei Milliarden Euro pro Jahr zusätzlich für einen leistungsfähigen ÖPNV“, sagte der Chef der Ministerpräsidentenkonferenz dem RND am Freitag (9. September). Für einen Nachfolger des 9-Euro-Tickets müsse der Bund laut Wüst also zusätzliche finanzielle Mittel zur Verfügung stellen.

9-Euro-Ticket: Was kostet der Nachfolger und wann kommt das neue Ticket?

Auf dem linken Bild ist das 9-Euro-Ticket zu sehen, rechts Fahrgäste, die in eine S-Bahn steigen. (IDZRW-Montage)
Das 9-Euro-Ticket sollte kurzfristig für Entlastung sorgen, könnte aber zum Auslöser für ein dauerhaftes Abo-Modell in ganz Deutschland werden. (IDZRW-Montage) © Monika Skolimowska/dpa & Michele Danze/dpa

Der Nachfolger des 9-Euro-Tickets soll fast alle Grundeigenschaften des Sonderangebotes beibehalten: Das neue Abo-Ticket würde in ganz Deutschland im Nah- und Regionalverkehr gelten, es würde im Monatsabo angeboten werden und soll auch digital buchbar sein. Nur der Preis wird nicht beibehalten. Nach dem Beschluss des Bundes soll dieser zwischen 49 und 69 Euro pro Monat und damit deutlich höher liegen. Wie Business Insider laut eigenen Angaben aus Regierungskreisen erfuhr, soll der Preis von 60 Euro „am wahrscheinlichsten“ sein. Grüne und SPD hatten zuletzt den Preis von 49 Euro gefordert, die FDP tendierte eher Richtung 69 Euro.

Wann der 9-Euro-Ticket-Nachfolger eingeführt wird, ist derzeit noch offen. Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) hatte zuletzt aber „Anfang 2023“ als Termin-Zeitraum genannt. Grünen-Co-Vorsitzender Omid Nouripour hofft derweil, dass das Ticket möglichst „bald“ komme. (os mit dpa) Fair und unabhängig informiert, was in Deutschland und NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

Dieser Text wurde am 8. September inhaltlich aktualisiert. Neuerung: Nachfolger für 9-Euro-Ticket beschlossen.

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