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9-Euro-Ticket auf der Kippe? Finanzierung bereitet „große Sorgen“

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Ab 1. Juni soll Bus- und Bahnfahren für drei Monate nur 9 Euro monatlich kosten. Doch beim geplanten 9-Euro-Ticket stockt es an der Finanzierung.

Berlin – Für neun Euro pro Monat Bus und Bahn fahren, klingt für viele Pendler nach einem Traumszenario. Ab dem 1. Juni soll das in den einzelnen Bundesländern in Deutschland drei Monate lang möglich sein. Mit dem sogenannten 9-Euro-Ticket will die Ampel-Koalition aus SPD, Grünen und FDP die Bürgerinnen und Bürger in Deutschland finanziell entlasten und gleichzeitig den öffentlichen Nahverkehr attraktiver machen. Doch das ambitionierte Projekt droht nun doch noch zu kippen. Denn es gibt offenbar große Lücken bei der geplanten Finanzierung.

9-Euro-Ticket: „Große Sorgen“ bezüglich Finanzierung

Der Deutsche Städtetag sieht im Hinblick auf die Pläne zum 9-Euro-Ticket eine Finanzierungslücke in Milliardenhöhe und fordert mehr Geld vom Bund. Die Idee sei zwar klug, mit dem ermäßigten Ticket im Sinne der Klimaziele mehr Menschen für Bus und Bahn zu gewinnen. „Wir sind allerdings skeptisch, ob das temporäre 9-Euro-Ticket ein wirksamer Anreiz ist, langfristig vom Auto auf Busse und Bahnen umzusteigen“, sagte Hauptgeschäftsführer Helmut Dedy der Deutschen Presse-Agentur. „Große Sorgen bereiten uns auch die Finanzierungspläne.“

Laut einem Gesetzentwurf aus dem Haus von Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) will der Bund in diesem Jahr Mittel für die Länder zur Finanzierung des Nahverkehrs um 3,7 Milliarden Euro erhöhen. Damit sollen auch die Kosten für das 9-Euro-Ticket gezahlt werden – von Juni bis Ende August sollen Fahrgäste im Nah-und Regionalverkehr für 9 Euro pro Monat fahren können.

9-Euro-Ticket:
Geplanter Start:1. Juni 2022
Geplantes Ende:31. August 2022

9-Euro-Ticket: Laut Städtetag fehlen 1,7 Milliarden Euro

Die Summe von 3,7 Milliarden Euro klinge zwar nach viel Geld, sagte Dedy. Sie reiche aber nicht, um das ermäßigte Ticket zu kompensieren und die bestehenden Lasten im öffentlichen Nahverkehr aufzulösen. „Die städtischen Verkehrsunternehmen schleppen spürbare Einnahmeverluste durch die Corona-Pandemie im Defizitrucksack. Hinzu kommen die steigenden Energiepreise, die die Nahverkehrsunternehmen mit jeder Tankfüllung und an jedem Betriebstag belasten.“

9-Euro-Ticket: Für welche Bahnen gilt das Ticket?

Nach den Plänen der Bundesregierung soll das 9-Euro-Ticket für den kompletten Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) gelten. Dazu zählen alle Bahnen des Regionalverkehrs sowie die städtischen Linien, beispielsweise bei der KVB in Köln oder der Rheinbahn in Düsseldorf. Die entsprechenden Busse der städtischen Linien wären ebenfalls im Preis integriert. Für Fernzüge, also ICE und IC bei der Deutschen Bahn oder ausländische Fernzüge wie Thalys oder TGV, gilt das 9-Euro-Ticket nicht.

Nach Berechnungen des Städtetags fehlten rund 1,7 Milliarden Euro, sagte Dedy. Deshalb müssten die für den öffentlichen Nahverkehr erforderlichen Regionalisierungsmittel schnell und dauerhaft dem Bedarf angepasst werden. „Das 9-Euro-Ticket wäre ein guter Anlass für den Bund, die Rechnung noch einmal aufzumachen.“

9-Euro-Ticket: Bahn befürchtet überfüllte Züge

Auch seitens der Grünen und der Länder, die den Gesetzesänderungen zustimmen müssen, wurde bereits mehr Geld gefordert. Der Vizevorsitzende des Gesamtbetriebsrats DB Regio, Ralf Damde, warnte zudem vor Überlastungen durch einen Fahrgastansturm wegen des vergünstigten Tickets. Um Verspätungen durch überfüllte Züge zu vermeiden, sei zusätzliches Personal an den Bahnhöfen touristischer Hotspots nötig.

„Egal was passiert – unsere Kolleginnen und Kollegen, insbesondere die Kundenbetreuerinnen und Kundenbetreuer im Nahverkehr sind vor Ort das ‚Gesicht der Bahnunternehmen‘, die Experten, die Ansprechpartner und Kümmerer – aber leider auch die Blitzableiter bei möglichem Frust der Fahrgäste, bspw. bei überfüllten Zügen“, gibt Damde zu bedenken. (bs/dpa) Mehr News auf der 24RHEIN-Homepage. Tipp: Täglich informiert, was in Deutschland und NRW passiert – einfach unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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