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9-Euro-Ticket: Welchen Einfluss es auf Flixtrain haben könnte

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Von: Max Müller

Das 9-Euro-Ticket gilt ausschließlich für den Regionalverkehr der Deutschen Bahn. Verliert der Konkurrent Flixtrain nun Kunden und wird die Preise erhöhen?

Köln – Wenn aktuell über den Bahnverkehr in Deutschland gesprochen wird, geht es in der Regel um das 9-Euro-Ticket. Wie kann ich mit dem 9-Euro-Ticket in den Urlaub fahren? Darf ich meinen Hund oder das Fahrrad im Zug mitnehmen? Kann ich mit dem 9-Euro-Ticket sogar bis ins Ausland reisen? Im Zentrum standen bisher vor allem Fragen zur praktischen Umsetzung des Angebots, das zwischen 1. Juni und 31. August gelten soll.

Adressaten der vielen Fragen sind bisher ausschließlich die lokalen Verkehrsverbünde wie die KVB oder der VRS und die Deutsche Bahn. Das ist insofern folgerichtig, als das 9-Euro-Ticket ausschließlich zur Mitfahrt in jenen Zügen berechtigt. Der bekannteste Konkurrent der Bahn, das Unternehmen Flixtrain, ist vom 9-Euro-Ticket ausgenommen – allerdings nur auf dieser Ebene.

Flixtrain wird nicht vom 9-Euro-Ticket profitieren können – im Gegenteil

Auf jeder anderen Ebene wird Flixtrain die Auswirkungen spüren, prognostiziert Christian Böttger. Der Verkehrsökonom von der HTW Berlin sieht das 9-Euro-Ticket grundsätzlich kritisch. Böttger warnt vor Überlastungen, insbesondere auf touristischen Strecken und bei vereinzelten Pendler-Verbindungen. Doch davon könne der DB-Konkurrent kaum profitieren. Denn gerade auf diesen Routen sei Flixtrain „keine Alternative.“

Finanziell werden die Münchner das 9-Euro-Ticket spüren, ist der Verkehrsexperte überzeugt: „Flixtrain muss mit erheblichen Einbußen rechnen“, sagt Böttger. Der Grund: „Flixtrain ist ein Angebot für preissensible Kunden, die das 9-Euro-Ticket auch für längere Strecken nutzen.“ Somit würde man eher Kunden an die Deutsche Bahn verlieren. Möglich sei, dass Politik die Einbußen kompensiert.

9-Euro-Ticket und Flixtrain: „Es werden eher Routen ausgesetzt als Preise erhöht“

Andre Schwämmlein, Unternehmer und Gründer von Flixbus, steht vor der Premierenfahrt des neuen Fernzugs Flixtrain auf dem Bahnhof Altona vor dem Flixtrain und einem Zug der Deutschen Bahn.
Durch das 9-Euro-Ticket drohen überfüllte Züge, sagt Flixtrain-CEO André Schwämmlein. © Christian Charisius/dpa

Was diese Entwicklungen im Schienenverkehr langfristig bedeuten? „Derzeit sortiert sich mit dem Ende der Pandemie das Mobilitätsverhalten neu, deshalb ist es schwer, das Ausmaß der Verluste abzuschätzen. Ich denke, dass Flixtrain eher Routen befristet aussetzt als die Preise erhöht“, sagt Böttger. Im Klartext: Das Hauptziel von Flixtrain, möglichst günstig unterwegs zu sein, wird bleiben. Wie niedrig der Preis ist, zeigt ein Beispiel: Wer gut eine Woche vorher eine Fahrt von Köln nach Berlin für den nächsten Freitag (20. Mai) buchen möchte, hat zwei Alternativen – früh morgens für 19,99 Euro oder am frühen Abend für 29,99 Euro. Das Angebot der Deutschen Bahn ist zwar wesentlich größer, der Preis allerdings auch. Die günstigste Fahrt kostet 67,90 Euro, die teuerste 99,90 Euro.

Mitgründer und Flixtrain-CEO André Schwämmlein gibt sich kämpferisch: „Im Sommer drohen durch das unausgereifte 9-Euro-Ticket komplett überfüllte Züge in ganz Deutschland. Bei uns hat jeder einen Sitzplatz, kann bequem das Gepäck verstauen und muss nicht umsteigen – egal, ob man zur Arbeit, in den Urlaub oder zur Familie unterwegs ist“, wird er in einer Pressemitteilung von Flixtrain zitiert. „Wenn man Menschen dauerhaft für nachhaltiges Reisen begeistern möchte, braucht man ein attraktives Angebot im öffentlichen Verkehr – keine kurzfristigen Rabattaktionen.“

Flixtrain weitet Angebot aus: „Reiselust der Menschen wird zunehmen“

Deswegen erweitere man das bestehende Angebot auch. Ab sofort stünden wieder 40 Stationen im Fahrplan, darunter München, Augsburg, Würzburg, Aschaffenburg, Mainz, Koblenz, Andernach und Remagen, teilte das Unternehmen mit. Erstmals fahren die grünen Züge auch nach Dresden. Bis zum Sommer soll die Zahl der Haltepunkte auf 70 steigen.

Wesentlich umfangreicher ist hingegen das Angebot an Fernbussen. 270 Haltestellen in Deutschland, Österreich und der Schweiz fährt Flix an. „Wir sind überzeugt, dass die Reiselust der Menschen in den kommenden Monaten sehr stark zunehmen wird, und werden ein umfangreiches Angebot für sie parat haben“, sagte Schwämmlein. Das Angebot des Bahn-Konkurrenten ist aber weiter kleiner als vor der Corona-Krise. (mm) Fair und unabhängig informiert, was in Köln und NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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