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9-Euro-Ticket: Menschen nutzen häufiger Bus und Bahn – und fahren trotzdem weiter Auto

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Von: Sofia Popovidi

Das 9-Euro-Ticket hat nicht nur einen bezahlbaren Preis, auch entlastet es die Autofahrer von dem Anstieg der Spritpreise. Ein voller Erfolg – trotzdem wurden nicht alle Erwartungen erfüllt.

Köln – Das Pilotprojekt 9-Euro-Ticket neigt sich dem Ende zu: Nur noch bis zum 31. August können mit dem Ticket bundesweit für nur 9 Euro pro Monat alle Regionalzüge und S-Bahnen der Deutschen Bahn, Busse sowie Stadt- und Straßenbahnen benutzt werden. Mit dem günstigen Ticket sollten die Bürgerinnen und Bürger unter anderem von den hohen Spritpreisen entlastet werden. Neben diesem Ziel kamen einige weitere Erwartungen dazu.

Welche Erwartungen an das 9-Euro-Ticket wurden erfüllt?

Eine Entlastung der Verbraucher, ein Beitrag zur Verkehrswende, die Attraktivität der Busse und Bahnen erhöhen: Es gab zahlreiche Erwartungen seit dem Start des 9-Euro-Tickets. Laut der Deutschen Presse-Agentur zeigen jetzt erste wissenschaftliche Ergebnisse, dass das Ticket durchaus positive Auswirkungen hat, jedoch noch lange nicht alle Hoffnungen und Ziele erfüllen kann.

Ein klarer Erfolg ist bei der Vermarktung zu erkennen: „Mit fast 98 Prozent kennt fast jeder Befragte das 9-Euro-Ticket, zwei Drittel kennt es sogar gut“, teilte der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) im Juli mit. Allein im Juni haben nach Angaben des VDV mehr als 30 Millionen Menschen das Ticket gekauft.

9-Euro-Ticket: Hohe Auslastung von Bussen und Bahnen

Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) sieht das Projekt laut dpa als Erfolg. Doch dieser Erfolg zeigt auch Probleme, zum Beispiel die hohe Auslastung von Bussen und Bahnen. Im Juni 2022 lag die bundesweite Bewegung im Schienenverkehr circa 42 Prozent höher als im Juni 2019. Das ergab eine Auswertung von Mobilfunkdaten durch das Statistische Bundesamt Anfang Juli.

Zug am Bahnhof mit vielen Menschen, Hand mit 9 Euro Ticket
Allein im Monat Juni besaßen mehr als 30 Millionen Menschen das 9-Euro-Ticket. (Montage) © Arne Dedert/dpa & Fabian Sommer/dpa

Heißt, dass etwa ein Viertel der angetretenen Fahrten im ÖPNV, ohne das Ticket erst gar nicht gemacht worden wären, so der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen. Diese zusätzlichen Reisenden führten zu einer hohen Auslastung und dem Verkehrschaos an den deutschen Bahnhöfen.

9-Euro-Ticket: Autofahrer nutzen weiterhin ihre Autos

In einer weiteren Studie aus dem Großraum München ist die Tendenz bei den Autofahrern deutlich: 35 Prozent der hunderten Probanden fuhren häufiger mit Bus und Bahn. Aber nur 3 Prozent nutzten durch das 9-Euro-Ticket seltener ihr eigenes Fahrzeug.

Demnach zeigt sich nur eine leichte Verlagerung auf die öffentlichen Verkehrsmittel. Ein wichtiger Faktor ist hier aber die Größe der Stadt, zeigte die Universität Kassel auf: Je größer die Stadt, in der die Befragten leben, desto höher war der Anteil derer, die das Sparticket nach eigenen Angaben kauften.

Ergebnis: Radikale Änderungen durch 9-Euro-Ticket nicht erwartet

Trotz einiger Erfolge des 9-Euro-Tickets wird nicht darauf gesetzt, dass sich das Verhalten der Bürgerinnen und Bürger radikal verändern wird, so Klaus Bogenberger, Leiter der Münchner Studie. Das erste Zwischenfazit ist trotzdem positiv: „Das wichtige Ergebnis ist: Viele haben die öffentlichen Verkehrsmittel in ihren Alltag integriert.“

Was soll nach dem 9-Euro-Ticket folgen? Zurzeit diskutieren Länder und Bund über mögliche Nachfolger. (spo) Fair und unabhängig informiert, was in Deutschland und NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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