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49-Euro-Ticket in NRW: Wann es kommt, wo es gilt, wie man es kaufen kann

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Von: Oliver Schmitz

Zum 49-Euro-Ticket gibt es auch für NRW viele Fragen. Wann kommt es? Wo gilt es? Wie funktioniert es? Auch eine regionale Alternative ist im Gespräch.

Köln – Das 49-Euro-Ticket soll als Nachfolger zum 9-Euro-Ticket erneut bundesweit, also auch in Nordrhein-Westfalen gelten. Doch da die Zuständigkeit für den öffentlichen Personennahverkehr bei den Bundesländern selbst liegt, könnten die Landesregierung und Verkehrsbünde im Westen theoretisch selbständig aktiv werden. Zumindest bei einem regionalen Ableger des sogenannten Deutschlandtickets scheint das durchaus möglich.

Vor 49-Euro-Ticket: NRW hat besondere Abo-Aktion als 9-Euro-Nachfolge

In NRW gibt es eine Abo-Aktion nach dem 9-Euro-Ticket, die die einheitlichen ÖPNV-Tarifsysteme teilweise beibehält. Wer ein ÖPNV-Abo hat, kann bis Ende 2022 in ganz NRW kostenfrei den Regional- und Nahverkehr nutzen – allerdings nur an Wochenenden, Feiertagen und Ferien.

49-Euro-Ticket in NRW: Aktueller Stand und alle Entwicklungen im Überblick

► Wie geht es jetzt weiter? Bund und Länder haben sich auf das 49-Euro-Ticket geeinigt. Als Teil des dritten Entlastungspakets muss das neue bundesweite ÖPNV-Ticket zudem durch den Bundestag offiziell beschlossen und vom Bundesrat bestätigt werden. Parallel müssen die Verkehrsunternehmen die Einführung des Deutschlandtickets technisch vorbereiten und selbst offiziell beschließen. Der Start ist aktuell für den 1. April 2023 geplant.

Welche Probleme gibt es noch? Trotz der Einigung von Bund und Länder wird weiter über die Finanzierung des 49-Euro-Tickets gestritten. Denn die zuständigen Verkehrsunternehmen und Kommunen fordern aktuell noch mehr Geld, um das tatsächlich einzuführen. Voraussetzung sei, dass Bund und Länder die Einnahmeverluste und Zusatzkosten der Verkehrsunternehmen „vollständig und dauerhaft“ ausgleichen, teilte der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) mit. Aktuell beste noch ein „nicht absehbares finanzielles Risiko“. Zugleich mahnen die Länder, offene Finanzierungsfragen mit dem Bund zum Deutschlandticket müssten geklärt werden. Ohne weitere politische Finanzierungszusagen könne das Ticket nicht eingeführt werden. Der Deutsche Städte- und Gemeindebund sieht ebenfalls noch „offene Finanzierungsfragen“. Das zugesagte Geld des Bundes werde „nicht reichen“.

Stand: 30. November 2022

49-Euro-Ticket: Ab wann gibt es das Deutschlandticket in NRW?

Das 49-Euro-Ticket soll als bundesweites ÖPNV-Ticket in ganz Deutschland gleichzeitig eingeführt werden. Bund und Länder streben dabei den Anfang 2023 als Start für das 49-Euro-Ticket an. Die Landesverkehrsminister hatten am 29. November jedoch erklärt, nun den 1. April 2023 als Startdatum anzustreben. Angesichts des erneuten Finanzierungsstreites ist das aber alles andere als in Stein gemeißelt.

Die letztlich zuständigen Verkehrsunternehmen halten eine Einführung am 1. Mai 2023 für realistisch, sagte Oliver Wolff, Hauptgeschäftsführer des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) der FAZ. Städte und Kommunen fassen den Einführungszeitraum sogar noch weiter. „Wir gehen eher vom ersten Halbjahr 2023 aus“, sagte Reinhard Sager, Präsident des Deutschen Landkreistages, dem RND. Auch mehrere Bundesländer wie Bayern, Berlin oder Baden-Württemberg rechnen mittlerweile nicht mehr damit, dass der ursprünglich geplante Termin im Januar 2023 eingehalten werden kann.

Neben der Finanzierungsfrage gibt es mehrere Gründe für die womöglich spätere Einführung des Deutschlandtickets. Das sind Umstellungen von Automaten, Gremienbeschlüsse oder aber auch Personalsuche. So hatte unter anderem die Bahn-Gewerkschaft EVG darauf hingewiesen, dass die Einführung des 49-Euro-Ticket nur mit deutlich mehr Personal möglich wäre.

NRW: Ab wann kann man das 49-Euro-Ticket kaufen?

Das ist noch unklar, da eben das genaue Startdatum für das Deutschlandticket noch nicht feststeht. Der Verkauf des 49-Euro-Tickets wird aber wohl vor der Einführung des bundesweiten ÖPNV-Abos selbst beginnen. So konnte das 9-Euro-Ticket etwa zwei Wochen vor Start gekauft werden.

49-Euro-Ticket in NRW: Wo kann man es kaufen? Welche Form hat es?

Links ein Smartphone mit einem 49-Euro-Ticket und rechts ein Fahrscheinautomat des VRR. (IDZRW-Montage)
Auch eine regionale Variante des 49-Euro-Ticket für NRW könnte kommen. (IDZRW-Montage) © aal.photo/Imago & Michael Gstettenbauer/Imago

Im Gegensatz zum 9-Euro-Ticket wird das 49-Euro-Ticket langfristig „papierlos“, also digital angeboten. Somit soll es online gekauft und per Smartphone-App genutzt werden können. Entweder über die Deutschen Bahn oder bei regionalen Verkehrsverbünde wie dem VRS (Verkehrsverbund Rhein-Sieg) oder lokalen Anbietern wie der KVB.

„Wir wollen niemanden überfordern, aber das mit dem Nadeldrucker ausgedruckte Papierticket ist nicht die Zukunft“, sagte Bundesverkehrsminister Volker Wissing T-Online. Daneben wird es aber wohl auch eine analoge Plastikkarte im „Scheckkartenformat“ geben. Diese seien ebenfalls digital lesbar, aber könnte auch am Schalter gekauft werden. Laut den Verkehrsverbünden wird das Deutschlandticket für eine „Übergangszeit“ aber tatsächlich noch in Papierform angeboten werden. Neben dem digitalen Wege wird das Deutschlandticket auch an Schaltern oder anderen Verkaufsstellen der Verkehrsunternehmen erworben werden.

NRW: Gilt das 49-Euro-Ticket auch für regionale RE- und RB-Linien?

Ja, das 49-Euro-Ticket umfasst nicht nur die lokalen Busse, Straßen-/U-Bahnen und S-Bahnen, sondern auch die Regionalzüge (RE, RB) der Deutschen Bahn. Grundsätzlich kann somit der komplette ÖPNV und SPNV in der ganzen Bundesrepublik mit dem Deutschlandticket genutzt werden. Somit sind auch alle vier NRW-Verkehrsbünde VRS (Verkehrsverbund Rhein-Sieg), Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr (VRR), Aachener Verkehrsbund (AVV) und WestfalenTarif mit dabei.

Gilt das 49-Euro-Ticket im Fernverkehr in NRW? ICE, ICE, EC

Nein, den Fernverkehr rund um ICE, IC, EC und Co. kann man mit dem 49-Euro-Ticket nicht nutzen können. Auch nicht für kurze Strecken innerhalb von NRW. Das gilt auch für private Anbieter wie Flixtrain, obwohl Mutter-Konzern Flixbus gerne Teil des Deutschlandtickets werden möchte.

49-Euro-Ticket: Ist die Fahrradmitnahme in NRW enthalten?

Nein, im 49-Euro-Ticket ist eine kostenlose Fahrradmitnahme nicht enthalten. Dafür wird in NRW ein extra Ticket benötigt, das je nach Verkehrsverbund unterschiedlich viel kostet. Es gibt aber unter anderem das „FahrradTagesTicket NRW“ für 4,80 Euro pro Rad, das in ganze NRW gültig ist. Die Fahrrad-Tickets können an Fahrkartenautomaten oder per App der DB oder Verkehrsbünde gekauft werden. Eine Ausnahme gibt es doch: Wenn das Fahrrad zusammengeklappt und gut verpackt in die Gepäckablagen am Sitzplatz passt, kann es als kostenloses Handgepäck mitgenommen werden.

49-Euro-Ticket: Was KVB-, Rheinbahn und SWB-Kunden wissen müssen

Vor allem Abo-Inhaber bei der KVB, Rheinbahn oder SWB sollten bei einem etwaigen Umstieg auf das Deutschlandticket einiges beachten. So verfallen unter anderem bei der KVB mit dem 49-Euro-Ticket einige Abo-Vorteile. Ähnliches gilt auch in Düsseldorf und Bonn:

„NRW-Ticket“ statt Deutschlandticket: Kommt günstigeres Regional-Abo ?

Bereits im Sommer hatten die Grünen neben einem bundesweiten 49-Euro-Ticket auch günstigeren Regional-Tickets für 29 Euro im Monat vorgeschlagen. Obwohl davon mittlerweile nicht mehr die Rede ist, hat NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer mehrmals betont, dass für ihn ein solches „NRW-Ticket“ weiterhin denkbar sei. Auch der größte NRW-Verkehrsverbund VRR ist offen für ein solches extra Regional-Abo. Zudem hatte auch die NRW-SPD vor und nach der NRW-Landtagswahl 2022 immer wieder ein 365-Euro-Jahresticket gefordert.

Die CDU von NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst und die NRW-FDP haben sich bisher nicht klar positioniert. Im Koalitionsvertrag hatten sich CDU und Grüne sehr allgemein für „einen preiswerten ÖPNV für alle“ ausgesprochen. Das Bündnis möchte vergünstigte Ticketangebot für Schüler, Azubis, Freiwilligendienstleistende, Berufspendler und Senioren als E-Ticket testen.

49-Euro-Ticket: VRS sieht Problem bei Finanzierung – „finanzielle Mittel reichen nicht aus“

Auch der Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS) begrüßt die Einführung des 49-Euro-Tickets. Das Deutschlandticket sei im Interesse ihrer Fahrgäste, da es „die Verfügbarkeit öffentlicher Mobilität um einen entscheidenden Schritt verbessere“, äußerte sich der VRS in einem Schreiben. Da jedoch die Fahrgeldeinnahmen durch die Einführung des bundesweiten Abos laut VRS sinken werden, ist es umso wichtiger, dass Bund und Länder finanzielle Rahmenbedingungen setzen – weswegen der Verkehrsbund sich nun in einem appellierendem Schreiben an die Verantwortlichen wendet.

Laut VRS seien die Beschlüsse „existenziell zum Erhalt des Angebotes.“ Die aktuelle Beschlusslage vom 2. November sei derzeit noch mit vielen Risiken verbunden, die nach Ansicht des Verbundes vor dem Start des Tickets dringend geklärt werden müssen. Der VRS habe Sorgen, dass die finanziellen Risiken sonst auf sie selbst zurückfallen würden. (os) Fair und unabhängig informiert, was in Deutschland und NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

Dieser Text wird laufend aktualisiert.

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