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Aus für Abellio in NRW: Welche Strecken betroffen sind

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Bahnunternehmen Abellio
Das kriselnde Bahnunternehmen Abellio wird wohl seine NRW-Strecken komplett verlieren (Archivbild). © Rene Traut/dpa

Abellio steht in NRW vor dem Aus. Die Verkehrsverbünde haben das Angebot des Bahnunternehmens abgelehnt und wollen eine Neuvergabe der Strecken. Das Land will helfen.

Köln – Der Streit zwischen Abellio und den NRW-Verkehrsverbünden hat wohl seinen Höhepunkt erreicht. Nach langen Verhandlungen wurde das Angebot des Bahnunternehmens abgelehnt und die Strecken sollen im kommenden Jahr neu vergeben werden. Nun will die NRW-Landesregierung offenbar viel Geld bereitstellen, damit der Nahverkehr auch nach einem möglichen Marktaustritt von Abellio aufrechterhalten werden kann.

Abellio-Aus in NRW: Landesregierung will Übergang finanzieren – springen DB und National Express ein?

Man werde in den kommenden Jahren anfallende finanzielle Schäden von maximal 380 Millionen Euro ausgleichen, heißt es in einem Brief des Landesverkehrsministeriums an den Chef des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr (VRR) – welcher der dpa vorliegt. Das Geld soll aus Regionalisierungsmitteln des Bundes kommen. Es soll die Mehrkosten decken, die als Folge von Notvergaben anfallen werden – wenn also andere Firmen im Februar die Abellio-Linien übernehmen und dann deutlich besser bezahlt werden. Dem Vernehmen nach sind dies vermutlich die DB Regio, National Express und eine weitere Firma.

Abellio: Das sind die Bahnstrecken in NRW

Abellio hat neues Angebot für NRW vorgelegt – Strecken-Neuvergabe jedoch wahrscheinlich

Abellio durchläuft eine Form des Insolvenzverfahrens. Das Unternehmen macht seit langem Verluste. Das liegt auch an höheren Personalkosten und Baustellen-Folgekosten, die nach Darstellung von Abellio bei Abschluss der langfristigen Verträge nicht absehbar gewesen seien. Überbrückungsverträge der Firma laufen Ende Januar aus.

Bis zuletzt hatte die Abellio Rail GmbH mit ihren 1080 Beschäftigten darauf gehofft, dass die Aufgabenträger neuen, besser bezahlten Verträgen zustimmen und die Firma weitermachen darf. Am Donnerstag betonte das Unternehmen: „Das Angebot von Abellio zur Weiterführung der Verkehre in NRW liegt auf dem Tisch.“ Das Unternehmen stehe bereit, auch künftig einen verlässlichen Betrieb für die Millionen Pendler an Rhein und Ruhr zu gewährleisten.

Bereits am Mittwoch empfahl der Vorstand des VRR aber, nicht weiter auf die Tochter der niederländischen Staatsbahn zu setzen, sondern auf die Notvergaben. Das Kontrollgremium soll am Montag entscheiden. Mit der finanziellen Zusicherung des Landes könnte es nun wahrscheinlicher werden, dass der Verwaltungsrat der Beschlussempfehlung des Vorstandes folgt und Abellio Ende Januar den Betrieb einstellt.

Abellio-Aus in NRW: Verkehrsbünde wollen Präzedenzfall verhindern

Bei der Vorstandsentscheidung gegen Abellio spielte auch eine Rolle, dass Vertreter der Aufgabenträger und das Land einen Präzedenzfall befürchten: Würde Abellio mehr Geld bekommen als dem Unternehmen vertraglich zusteht, könnte das Schule machen und auch andere Firmen der Branche könnten trotz laufender Verträge auf mehr Geld pochen. Hinzu kommt die Tatsache, dass finanziellen Nachzahlungen für Abellio wegen des EU-Wettbewerbsrechts Grenzen gesetzt sind.

Die Abellio Rail GmbH hat derzeit im Schienen-Personennahverkehr Nordrhein-Westfalens einen Marktanteil von 18 Prozent – also etwa jeder sechste Zugkilometer im Regionalverkehr wird von Abellio-Zügen und S-Bahnen bewältigt. Es gilt als wahrscheinlich, dass der Übergang von Abellio zu den Nachfolge-Linienbetreibern Ende Januar und Anfang Februar zu Problemen führen wird. (os mit dpa) Mehr News auf der 24RHEIN-Homepage. Tipp: Täglich informiert, was in NRW passiert – einfach unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

Dieser Artikel wurde am 18. November um 17:00 Uhr inhaltlich aktualisiert. Neuerung: Statement von Abellio eingefügt.

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