1. 24RHEIN
  2. Leben im Westen
  3. Verkehr

Streit mit Bahnbetreiber Abellio spitzt sich zu – Verkehrsverbünde drohen mit Neuvergabe

Erstellt:

Ein Zug der Firma Abellio.
Das Bahnunternehmen betreibt in NRW viele Bahnlinien, steckt aktuell aber in einer Krise (Symbolbild). © Jan Huebner / Imago

Das kriselnde Bahnunternehmen Abellio und die Verkehrsverbünde in NRW befinden sich weiter im Streit. Nun werden Neuvergaben von Strecken ins Gespräch gebracht.

Düsseldorf – Im Streit mit dem kriselnden Bahnbetreiber Abellio spitzt sich die Lage zu. Die drei größten Verkehrsverbünde in NRW erhöhen den Druck auf Abellio und drohen ganz offen mit einer möglichen Neuvergabe der bisher von Abellio betriebenen Verkehrslinien.

Abellio-Krise: Verkehrsverbünde wollen Bahnlinien neu vergeben

„Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR), der Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) und der Nahverkehr Rheinland (NVR) halten es nach jüngsten Gesprächen mit der Abellio Rail GmbH für erforderlich, die bislang bei dem Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) in NRW beauftragten Verkehre mit Wirkung ab 1. Februar 2022 zunächst für maximal zwei Jahre neu zu vergeben“, teilten die drei Unternehmen in einem gemeinsamen Statement mit. Heißt: Die 14 Strecken, die Abellio bislang betreibt, würden dann von anderen Bahnunternehmen bedient werden.

„Wir haben noch nichts, was annehmbar ist“, sagte der Chef des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr (VRR), Ronald Lünser, am Mittwoch im Verkehrsausschuss des NRW-Landtags in Düsseldorf. Er bezog sich dabei auf Nachverhandlungen mit der Firma, die derzeit eine Form des Insolvenzverfahrens durchläuft. Abellio macht seit langem Verluste und fordert mehr Geld, um auch in den kommenden Jahren weiterzufahren. Bislang ist nur klar, dass Abellio den Betrieb in NRW bis Ende Januar 2022 fortsetzen wird.

Abellio und Verkehrsverbünde: Streit um Kosten

Hintergrund der Forderungen ist die Tatsache, dass Abellio und andere Regionalbahnunternehmen für einen großen Teil zusätzlicher Kosten nichts können. So wird an den Schienen und Bahnhöfen viel mehr gebaut als früher – deshalb kommt es zu Verspätungen und Ausfällen, wodurch Abellio Strafzahlungen berappen muss. Auch Personalkosten sind stark gestiegen. Durch die Entwicklungen in den vergangenen Jahren wurden Verkehrsverträge für Abellio zum Defizitgeschäft.

Um das Problem zu lösen, ringen Abellio und die Aufgabenträger – also die Nahverkehrsverbünde – seit langem um die Aufteilung der Verluste. Aus Sicht des VRR ist der Anteil von Abellio, den die Firma gewillt ist selbst zu stemmen, viel zu niedrig – er liege nur bei 13 Prozent der Verluste, die bei Erfüllung aller fünf Abellio-Verkehrsverträge in NRW wohl anfallen würden, so Lünser. Das sei nur ein mittlerer zweistelliger Millionen-Euro-Betrag. Der VRR-Manager machte deutlich, dass dies viel zu wenig sei und dass der Zeitdruck hoch sei. Abellio hat nun bis Freitagnachmittag Zeit, um ein neues Angebot vorzulegen.

Abellio-Krise: Verträge laufen Ende Januar aus

Verkehrsministerin Ina Brandes (CDU) gab zu bedenken, dass die Aufgabenträger nicht alle Kosten ausgleichen dürfen: Personalkosten lägen zum Beispiel innerhalb der Risikosphäre eines Unternehmens. Abellio gehört zur Niederländischen Staatsbahn. Von dem Gesellschafter forderte VRR-Chef Lünser einen signifikanten Beitrag zur Lösung des Problems. Dass es diesen bisher nicht gebe, quittierte er mit Kopfschütteln: „Heute stehen wir bei null Euro und sind damit am weitesten von einem annehmbaren Angebot entfernt.“

Ende Januar laufen Überbrückungsverträge aus. Nun ist die Frage, ob Abellio doch weitermacht, oder ob andere Bahnunternehmen über sogenannte Notvergaben übernehmen – dann müsste die Abellio Rail GmbH den Markt verlassen. Parallel zu den Verhandlungen mit dem angeschlagenen Unternehmen wurden bereits Schritte für solche Notvergaben eingeleitet. Die Mitarbeiter von Abellio könnten dann trotzdem anderweitig weiter beschäftigt werden. „Uns ist es wichtig, dass die engagierten Kolleginnen und Kollegen, die unverschuldet in diese Situation geraten sind, Aussicht auf eine Zukunft bei anderen Eisenbahnverkehrsunternehmen haben. Sie sollen alle berufliche Chancen bekommen, an guten Fachleuten besteht hoher Bedarf“, betont Lünser.

Die NRW-Bahnstrecken von Abellio im Überblick

Bisher stemmt Abellio etwa acht Prozent aller Zugkilometer im Schienen-Personen-Nahverkehr (SPNV) von Nordrhein-Westfalen. Darunter sind der RE1 von Aachen über Köln nach Hamm und S-Bahnlinien in der Region Rhein-Ruhr. Alle Linien hier im Überblick:

(bs mit dpa/lnw) Mehr News auf der 24RHEIN-Homepage. Tipp: Täglich informiert, was in Köln passiert – einfach unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

Auch interessant