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Lufthansa-Streik: Hunderte Flüge gestrichen – Auswirkungen bis Freitag möglich

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Von: Oliver Schmitz

Für Mittwoch hat Verdi das Lufthansa-Bodenpersonal zum Streik aufgerufen. Lufthansa streicht fast alle Flüge ab den Flughäfen München und Frankfurt.

Update vom 27. Juli, 07:20 Uhr: Der Streik des Lufthansa-Bodenpersonals hat in der Nacht begonnen. Rund 144.000 Fluggäste sind von den Streikmaßnahmen betroffen. Doch längst nicht alle Reisende konnten umgebucht werden, weil auch in den folgenden Tagen die Flieger bereits voll sind. Die Airline befürchtet Auswirkungen bis zum Freitag.

Lufthansa-Streik am Mittwoch: Hunderte Flüge gestrichen – was Reisende wissen müssen

Köln/Frankfurt – Die Gewerkschaft Verdi hat das Bodenpersonal von Lufthansa an allen deutschen Standorten zum Warnstreik am Mittwoch (27. Juli 2022) aufgerufen. Hintergrund sind die laufenden Tarifverhandlungen. Es wird am Mittwoch nicht nur zu Verzögerungen und Flugausfällen kommen – die Lufthansa streicht zudem fast ihr komplettes Flugprogramm für diesen Tag. Nachdem über den Sommer tausende Flüge von Lufthansa und Eurowings gestrichen werden, kommen zumindest am Mittwoch zahlreiche weitere hinzu. Der Warnstreik kann allerdings auch Auswirkungen auf andere Airlines haben.

Streik bei Lufthansa: Wer streikt und warum?

Nachdem zuletzt eigentlich ein Streik der Lufthansa-Piloten im Gespräch war, sollen nun die rund 20.000 Beschäftigte des Bodenpersonals für einen Tag ihre Arbeit niederlegen. Auch wenn sicherlich nicht alle Beschäftigten dem Streik-Aufruf von Verdi nachkommen werden, dürften Flüge an mehreren Airports betroffen sein. Der Streik soll am Mittwochfrüh um 3:45 Uhr starten und bis Donnerstagfrüh um 6 Uhr andauern.

Lufthansa-Streik: Welche Flüge sind betroffen?

Aufgrund des Verdi-Warnstreiks streicht die Lufthansa am Mittwoch (27. Juli) fast alle Flüge ab dem Flughafen Frankfurt und Flughafen München. Auch am Dienstag fallen Flüge bereits aus. Und: Auch Donnerstag und Freitag sind Flugabsagen möglich.

Der Warnstreik des Bodenpersonals werde im Flugplan der Lufthansa zu „großen Einschränkungen“ führen, heißt es im Vorfeld von der Lufthansa. Man werde die Flugstreichungen am Dienstag im System publizieren und den betroffenen Fluggästen möglichst Alternativen anbieten, schreibt die Airline weiter in einer aktuellen Kundeninformation. 

Streik bei Lufthansa: Flughafen Düsseldorf massiv betroffen

Von dem Lufthansa-Streik sind auch NRW-Flughäfen, genauer gesagt die beiden Airports in Köln/Bonn und Düsseldorf betroffen. Der Flughafen Düsseldorf rechnet am Mittwoch wegen des Lufthansa-Streiks mit „gravierenden Beeinträchtigungen“. Da das Bodenpersonal des Lufthansa-Konzerns zum Streik aufgerufen ist, wird das auch den Flughafen Düsseldorf betreffen. Der Grund: Das Lufthansa-Tochterunternehmen „Lufthansa Engineering and Operational Services GmbH“ (LEOS) führt in Düsseldorf bei verschiedenen Airlines sogenannte „Pushbacks“ durch. Streiken diese Mitarbeiter, können die Flugzeuge nicht in Richtung Startbahn rollen. Nach Angaben des Flughafens Düsseldorf ist LEOS für 70 bis 80 Prozent dieser Vorgänge verantwortlich. Heißt: Verzögerungen und weitere Beeinträchtigungen sind möglich.

Lufthansa-Streik: Welche Flüge sind am Flughafen Düsseldorf betroffen?

Lufthansa-Streik: Wie ist die Lage am Flughafen Köln/Bonn?

Ganz anders könnte die Lage hingegen am Flughafen Köln/Bonn aussehen: Nach Angaben eines Sprechers ist der Flughafen Köln/Bonn nicht oder kaum vom Lufthansa-Warnstreik betroffen.

Warnstreik bei Lufthansa: Ist mein Flug betroffen?

Betroffene Flugreisende, sollten in diesem Zeitraum den Status ihrer Flüge auf den Websites der beiden Airports im Blick behalten.

Warnstreik bei Lufthansa: Wo ist Bodenpersonal zum Streik aufgerufen?

„Unzumutbar“ – Lufthansa hat kein Verständnis für Streik-Aufruf

Kurz nach der Ankündigung des Verdi-Warnstreiks hat auch Lufthansa reagiert und diesen als „unzumutbar“ bezeichnet. „Ver.di hat nach nur zwei Verhandlungstagen einen Streik angekündigt, den man aufgrund der Breite über alle Standorte hinweg und der Dauer kaum noch als Warnstreik bezeichnen kann“, sagt Michael Niggemann, Personalvorstand und Arbeitsdirektor der Deutschen Lufthansa AG, in einer Mitteilung am Montag (25. Juli).

Laut Lufthansa habe die „Arbeitgeberseite bereits hohe und sozial ausgewogene Vergütungserhöhungen angeboten“, weshalb der Streik „umso unverständlicher“ sei. Die Arbeitsniederlegung sei eine „erneute, erhebliche und unnötige Belastung für unsere Fluggäste und auch für unsere Mitarbeitenden über den Streiktag hinaus“, fügte Niggemann hinzu.

Lufthansa-Streik: Warum wird gestreikt?

Ausgangspunkt des Streiks sind die noch laufenden Tarifverhandlungen für das Bodenpersonal bei mehreren Lufthansa-Unternehmen, wie zum Beispiel Lufthansa AG Boden, Lufthansa Technik oder Lufthansa Cargo. Bei der letzten Verhandlungsrunde am 13. Juli hatten die Arbeitgeber der Gewerkschaft Verdi ein laut eigener Aussage „unzureichendes“ Angebot vorgelegt. Verdi-Vize-Chef kritisierte, dass die rund 20.000 Beschäftigten „dringend mehr Geld und Entlastung“ benötigen. „Dazu reicht das Arbeitgeberangebot vorne und hinten nicht“, erklärt er.

Laut der Gewerkschaft eskaliere die aktuelle Situation an den Flughäfen. Die Beschäftigten würden wegen Personalmangel, hoher Inflation und dreijährigem Lohnverzicht zunehmend überlastet. Das würde für zunehmenden Druck sorgen, der mit einem neuen Tarifvertrag vermindert werden soll. Die bisherigen Angebote sind für Verdi dahingehend ungenügend. Die nächste Verhandlungsrunde findet am 3. und 4. August 2022 in Frankfurt am Main statt.

Streik bei Lufthansa: Wie sieht das Lufthansa-Angebot aus?

Lufthansa-Streik: Was sind die genauen Verdi-Forderungen?

Flughafen-Chaos droht: Wie sieht die aktuelle Situation an den Flughäfen in NRW aus?

Fest steht: Wer aktuell eine Reise plant, muss zumindest an den Flughäfen stärkere Nerven haben, als sonst. Denn nicht nur ein möglicher Streik schwebt wie ein Damoklesschwert über den Reiseplänen der deutschen Urlauber. Aktuell gibt es zudem an zahlreichen Flughäfen lange Warteschlangen, Verzögerungen und Flugausfälle. Einen Überblick zur aktuellen Lage am Flughafen Köln/Bonn, am Flughafen Düsseldorf und am Flughafen Frankfurt zeigt 24RHEIN im Überblick:

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Dieser Text wird laufend aktualisiert.

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