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Bahn: Zerstörungen in „historischem Ausmaß“ an Gleisen, Brücken und Bahnhöfen

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Von: Benjamin Stroka

Zerstörte Eisenbahnbrücke nahe der Stadt Marienthal.
Die Deutsche Bahn hat nach der Unwetterkatastrophe Schäden an über 50 Brücken, wie hier bei Marienthal, zu verzeichnen. © Hannes P. Albert / Imago

Das Unwetter hat viele Bahnstrecken in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz vollkommen zerstört. Die Deutsche Bahn spricht von Schäden in Milliardenhöhe.

Berlin – „In dieser Dimension wurde unsere Infrastruktur noch nie auf einen Schlag zerstört. Wir stehen vor einem gewaltigen Kraftakt.“ Mit diesen dramatischen Worten zog Dr. Volker Hentschel, Vorstand Anlagen- und Instandhaltungsmanagement der DB Netz AG, am Freitagmorgen (23. Juli) eine erste Bilanz zu den Schäden, die das Hochwasser und die Flutkatastrophe in Deutschland bei der Deutschen Bahn verursacht haben.

Es handle sich um „Zerstörungen in historischem Ausmaß“. Vor allem Hang- und Dammrutsche aber auch Unter- oder Überspülungen von Gleisen hätten in den betroffenen Gebieten zu massiven Zerstörungen geführt. „Besonders gravierend sind die Schäden an über 50 Brücken“, teilt die Deutsche Bahn mit.

Deutsche Bahn: Die Schäden durch das Hochwasser im Überblick

„Nach erster Einschätzung gehen wir davon aus, dass die Wassermassen in unserem Netz und an den Bahnhöfen Schäden von rund 1,3 Milliarden Euro verursacht haben“, erklärte Hentschel. Die unmittelbaren Folgen für Reisende waren schon während der Flutkatastrophe Ausfälle und Einschränkungen auf vielen Strecken, sowohl im Fernverkehr als auch im Regionalverkehr.

Deutsche Bahn: Diese Bahnabschnitte in NRW wurden besonders schwer beschädigt

Seitdem arbeite die Deutsche Bahn „mit Hochdruck daran“, so viele Strecken wie möglich wieder befahrbar zu machen. Die Arbeiten dazu begannen bereits Ende letzter Woche. Die Bahn setzt dabei zunächst vor allem auf Reparaturen, die verhältnismäßig schnell zu realisieren sind und gleichzeitig einen hohen „Nutzen für die Fahrgäste und den Bahnverkehr haben“. Das betraf bislang in erster Linie Hauptstrecken und Verbindungen, die nicht ganz so stark beschädigt wurden. Dort wurden bereits Oberleitungen ausgewechselt und behelfsmäßige Reparaturen durchgeführt.

Hochwasser trifft Deutsche Bahn: „Einige Strecken auch heute noch komplett verschwunden“

Die Bahn hofft etwa 80 Prozent der Schäden bis zum Jahresende wieder auf Vordermann zu bringen. „Die Bilder vor Ort zeigen jedoch sehr deutlich: einige Strecken sind auch heute noch überschwemmt oder komplett verschwunden. Dies alles wieder herzurichten wird Monate, wenn nicht Jahre dauern“, betont Hentschel. Es müssten vielerorts neue Bahnsteige, Brücken und Aufzüge gebaut werden.

Bezüglich der Strecken und Anlagen, die von der Flutkatastrophe und den Wassermassen vollkommen zerstört wurden, sei „ein längerer Planungs- und Bauzeitraum erforderlich“, so eine Sprecherin der Deutschen Bahn. Hier müssten gerade im Hinblick auf die Zukunft womöglich grundsätzlich neue Verkehrskonzepte erdacht werden, die die entsprechenden landschaftlichen Gegebenheiten berücksichtigen. Dafür will die Bahn das Gespräch mit den Gemeinden, Ländern und dem Bund suchen. Um sich auf weitere Wetterextreme und die Folgen des Klimawandels vorzubereiten, erarbeitet die Bahn derzeit eine entsprechende Strategie mit dem Potsdam-Institut für Klimaforschung.

Aber nicht nur die Bahnstrecken wurden von dem Hochwasser und Starkregen stark in Mitleidenschaft gezogen. Auch viele Straßen und Autobahnen wurden zum Teil völlig zerstört. Auf der A1 und der A61 sind immer noch Abschnitte vollgesperrt. (bs)

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