1. 24RHEIN
  2. Leben im Westen
  3. Verkehr

Bahn: Sitzplatzreservierung soll revolutioniert werden – das würde sich ändern

Erstellt:

Von: Oliver Schmitz

Die Sitzplatzreservierung in Bahnen soll dynamischer werden. Der DLR entwickelt ein neues Buchungssystem, das Reisenden einen entspannteren Zugeinstieg ermöglicht.

Köln – Sitzplätze im Zug zu reservieren, ist oft umständlich und nicht besonderes flexibel. Doch das könnte sich in Zukunft ändern. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) mit Sitz in Köln entwickelt ein neues Buchungssystem, das sich den Fahrgästen anpassen soll. Das „X-Seating-System“ verspricht vor allem mehr Effizienz, was einige Vorteile für Zug-Reisende hätte.

Bahn: DLR entwickelt dynamische Sitz­platz­re­ser­vie­rung – verhindert lange Platzsuche

Links ein ICE an einem Bahngleis und rechts der Sitzplatz-Check-in der Deutschen Bahn auf einem Smartphone. (IDZRW-Montage)
Durch die dynamische Sitzplatzreservierung sollen Bahngleise zukünftig leerer sein. (IDZRW-Montage) © Schöning/Imago & Britta Pedersen/dpa

Wer aktuell einen Sitzplatz für die Bahn reserviert, sollte sich am Bahnsteig möglichst an die richtige Stelle begeben. Andernfalls besteht die Gefahr, dass man sich entweder am Gleis oder im Zug selbst durch große Menschenmassen kämpfen muss. Das kostet nicht nur viele Nerven, sondern vor allem auch Zeit. All diese Probleme soll das neue dynamische Reservierungssystem des DLR lösen. Mit dem „X-Seating-System“ wird Fahrgästen ein freier Sitzplatz in der Nähe des Einstiegsorts angeboten.

„Unsere dynamische Sitzplatzreservierung berücksichtigt den Kundenbedarf“, sagt Dr. Erik Grunewald vom DLR-Institut für Verkehrssystemtechnik. „Die Fahrgäste können ihre Reservierung flexibel tauschen, indem das Reservierungssystem einen vergleichbaren freien Sitzplatz in der Nähe des Einstiegs anbietet“. Laut dem DLR wird damit die Einstiegszeit verkürzt, die Bahnsteige werden leerer und Verspätungen letztlich verringert. „Außerdem erhöht die flexible Sitzplatzbuchung den Anreiz, Reservierungen durchzuführen, um eine spontane Neuvergabe des eingenommenen Platzes durch das System zu vermeiden“, ergänzt das Forschungszentrum.

Nicht nur bei der Software, sondern auch bei den Zügen selbst läuft die Vorbereitung für die Zukunft. Die Deutschen Bahn hat neue ICE-Züge in Auftrag gegeben, die über 300 km/h schnell fahren sollen. Bereits ab 2024 wird mit dem „ICE L“ ein neuer Fernverkehrszug durch Deutschland fahren.

X-Seating-System ermöglicht mehr Sitz­platz­re­ser­vie­rung

Die Erfinder des X-Sea­ting-Systems Dr. Erik Gru­ne­wald (links), Flo­ri­an Ru­dolph (mittig) und Mar­tin Jung (rechts).
Die Erfinder des X-Sea­ting-Systems Dr. Erik Gru­ne­wald (links), Flo­ri­an Ru­dolph (mittig) und Mar­tin Jung (rechts). © DLR

Das dynamische Buchungssystem hat einen weiteren großen Vorteil: Es können mehr Sitzplatzreservierung vergeben werden. Aktuell gilt diese für den gesamten gebuchten Streckenabschnitt, auch wenn einige Sitze auf Teilstrecken noch frei sind. Denn sobald kein freier Sitzplatz für die gesamte Zug-Strecke mehr verfügbar ist, können die Fahrgäste keinen Platz reservieren.

Das würde sich mit dem „X-Seating-System“ ändern. Es ermöglicht, verschiedene Sitzplatzreservierungen auf Teilstrecken zu kombinieren. Durch die Effizienz gibt es in der Folge mehr Plätze im Reservierungsangebot, denn Passagiere könnten ihren Einstiegsort frei auswählen.

„X-Seating-Systems“: So funktioniert die dy­na­mi­sche Sitz­platz­re­ser­vie­rung in der Bahn

Dass die dynamische Sitz­platz­re­ser­vie­rung noch Zukunftsmusik ist, zeigt auch eine wichtige Voraussetzung: „Damit wir das System nutzen können, müssen die Anzeigen im Zug echtzeitfähig sein“, sagt Erik Grunewald vom DLR. Wenn Passagiere mit einer Reservierung den Zug betreten, müssen sie zum Beispiel über das Handy oder eine App erkannt werden. Das setzt wiederum ein leistungsfähiges und stabiles Mobilfunk- oder WLAN-Netz voraus. Das ist heutzutage nicht an allen deutschen Bahnhöfen gegeben.

In mehreren Simulationen konnten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Vorteile der dy­na­mi­sche Sitz­platz­re­ser­vie­rung aber bereits bestätigen, schreibt der DLR. Deshalb hat sich die das Forschungszentrum das Buchungssystem patentieren lassen. Im Projekt „VMo4Orte“ wird jetzt weiter daran gearbeitet. „Unser nächstes Ziel ist dann der Praxistest“, sagt Grunewald. (os) Fair und unabhängig informiert, was in NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

Auch interessant