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Flughafen Köln/Bonn in Kritik: Betriebsrat bangt um Arbeitsplätze

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Von: Jana Wehmann

Der Schriftzug vom Flughafen Köln/Bonn, davor ein Flugzeug.
Der Flughafen Köln/Bonn verzeichnet lange Wartezeiten (Symbolbild). © Federico Gambarini/dpa

Der Flughafen Köln/Bonn ist aufgrund der Wartezeiten und des Personalmangels in der Kritik. Nun sorgt sich der Betriebsrat um die 15.000 Arbeitsplätze.

Köln – Am Flughafen Köln/Bonn herrscht ein rauer Ton. Nachdem die Passagiere in den vergangenen Wochen zeitweise lange Wartezeiten einkalkulieren mussten, stand der Flughafen in Kritik und die Geschäftsführung musste bereits harte Worte der Gewerkschaft Verdi einstecken. Nun äußert sich der Betriebsrat: „Wir machen uns um die Zukunft unserer Arbeitsplätze sorgen“, sagt Sven Schwarzbach, Vorsitzender des Betriebsrates vom Flughafen Köln/Bonn, gegenüber 24RHEIN. Was ist passiert?

Wartezeiten am Flughafen Köln/Bonn: Betriebsrat sieht „eklatanten Managementfehler“

Der Betriebsrat hatte sich bereits am Montag (2. August) mit einem Schreiben an den Aufsichtsrat des Flughafens Köln/Bonn gewendet. Aufgrund der aktuellen Situation habe sich der Betriebsrat nun entschieden, den Brief öffentlich zu machen, erklärt Sven Schwarzbach.

So soll die Geschäftsführung trotz des Wissens, dass es zu den Sommerferien zu einem verstärken Flugaufkommens führen werde, „nicht adäquat auf den angekündigten Sommerpeak reagiert“ haben, heißt es in dem Schreiben. Es sollen weder Gespräche zum Personalengpass mit dem Betriebsrat aufgenommen noch rechtzeitig Maßnahmen, um über „qualifiziertes Personal“ zu verfügen, ergriffen worden sein.

„Dies halten wir als Arbeitnehmervertretung für einen eklatanten Managementfehler, der zu einer unnötigen Überlastung und zu großem Stress und Unmut in unserer Belegschaft geführt hat“, findet der Betriebsrat klare Worte.

Flughafen Köln/Bonn ohne Personal: Lange Wartezeiten für Passagiere

Durch das fehlende Personal habe der Flughafen laut dem Betriebsrat Aufträge an Mitbewerber abgeben müssen. „Als erstes Unternehmen hat die Airline Egyptair den Flughafen verlassen“, sagt Schwarzbach gegenüber 24RHEIN. Über diese Entwicklungen sei der Betriebsrat „extremst besorgt“, so Schwarzbach. Auch die Airline Eurowings kritisierte bereits die erheblichen Verzögerungen beim Be- und Entladen der Maschinen.

Im Schreiben heißt es weiter, dass nicht der Betriebsrat die Einstellung von Mitarbeitern blockiert habe, sondern dass kein Personal rechtzeitig zur Einstellung eingereicht wurde. „Vielmehr wollte man wohl durch Arbeitnehmerüberlassungskräfte die Welle abfedern, während unsere Kollegen in Kurzarbeit weilen“, so der Betriebsrat.

Die Geschäftsführung des Flughafens stelle Beziehungen zu Kunden, Mitarbeitern und Unternehmensführung aufs Spiel, heißt es im Schreiben. „Durch Fehlentscheidungen der Geschäftsführung wird die Zukunft des Flughafens mit all seinen 15.000 Arbeitsplätzen in Gefahr gebracht“, fasst der Betriebsrat seine Kritik im Schreiben zusammen.

Obwohl der Betriebsrat um Schwarzbach und Wolfgang Lange, stellvertretender Vorsitzender, das Schreiben bereits zu Beginn der Woche eingereicht hatte, „gibt es bis heute keine Reaktion“, erklärt Schwarzbach gegenüber 24RHEIN. Auch der Aufsichtsrat wolle keine Sondersitzung einberufen.

Flughafen Köln/Bonn mit langen Wartezeiten: Was ist passiert?

Immer wieder kam es in den Sommerferien am Flughafen Köln/Bonn zu langen Wartezeiten – sei es an den Kontrollen, an der Gepäckausgabe oder dem Check-in. Der Sicherheitsdienstleister Securitas stand sich bereits ein zeitliches Problem ein und erhöhte als Konsequenz das Sicherheitspersonal für August.

Das Problem betreffe jedoch wohl mehrere Bereiche des Flughafens. Die Gewerkschaft spricht in einer Mitteilung von Szenen, die zunächst absurd klingen: „Es geht so weit, dass Passagiere versuchen, wieder an das Flugzeug zu kommen, um ihr Gepäck selber auszuladen und abzuholen.“ Laut der Gewerkschaft würden mehr als 100 Mitarbeiter fehlen.

Der Flughafen Köln/Bonn nahm bereits Stellung und wies auf die nach wie vor schwierige Situation durch die Corona-Krise hin. Zwar habe das Flugaufkommen im Juni nur rund 50 Prozent des Vorkrisenniveaus betragen, gleichzeitig habe in Spitzenstunden die Zahl der Flüge sogar über den Werten von 2019 gelegen. Dennoch arbeite der Flughafen mit Hochdruck daran, den Personaleinsatz spürbar zu verbessern. Ob sich die Lage am Flughafen beruhigt, bleibt noch abzuwarten. (jaw) Mehr News auf der 24RHEIN-Homepage.

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