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Hendrik Wüst: „Mehr Investitionen in Schiene als in Straße“ – so will der ÖPNV aus der Krise kommen

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Von: Stefanie Knupp

Hendrik Wüst beim Besuch von Umweltministerin Svenja Schulze und NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst bei der KVB Köln.
NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst will einen starken ÖPNV (Archivbild). © Christoph Hardt/Imago

Das Vertrauen der Fahrgäste in den ÖPNV zurückgewinnen, heißt jetzt die Aufgabe für NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst und die gesamte Branche. Wie das gelingen soll.

Köln – Der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) in NRW hat in der Corona-Krise gelitten. Fahrgasteinbrüche von bis zu 90 Prozent verzeichnete die Deutsche Bahn. Wie der ÖPNV seinen Neustart gestalten und das Vertrauen seiner Kunden zurückgewinnen will, erklärten Vertreter der Branche am Dienstagmorgen in einer Pressekonferenz. NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst betonte, ihm sei jetzt vor allem wichtig „dass wir stark aus der Krise herauskommen“.

Der Ausbau und die Verbesserung des ÖPNV in NRW startete bereits vor der Pandemie. Die Deutsche Bahn investiere so viel ins nordrhein-westfälische Netz wie nie zuvor, erklärte Wüst, mehr, als der Bund ins Fernstraßennetz investiere. „Wir haben bereits erreicht, was bundesweit das Ziel ist: mehr Investitionen in Schiene als in Straße.“ Die Deutsche Bahn modernisiert zudem über 180 Bahnhöfe in NRW. Dabei werden Aufzüge, Rolltreppen, Schilder und Sitzbänke ausgetauscht.

ÖPNV: Auslastung in NRW bei 60 bis 65 Prozent gegenüber Vor-Corona-Zeit

Um die Umsatzeinbrüche während der Krise aufzufangen, spannten Bund und Land einen Rettungsschirm: „In NRW bisher alleine mit Landesmitteln in Höhe von 477 Millionen Euro.“ In gleicher Höhe seien auch noch Bundesmittel dazugekommen. „Das läuft schon in Richtung einer Milliarde im letzten und in diesem Jahr“, berichtet Hendrik Wüst. Investitionen hin oder her, die Corona-Pandemie und auch das damit verbundene Homeoffice sorgten dafür, dass die Fahrgastzahlen der Verkehrsverbünde in NRW massiv einbrachen. Aktuell liegen sie etwa bei 60 bis 65 Prozent gegenüber des Vor-Corona-Niveaus, erklärte Frederik Ley, Vorsitzender der Regionalleitung von DB Regio NRW in der Pressekonferenz.

Maskenpflicht im ÖPNV: Hendrik Wüst will vorerst dabei bleiben

Wie wollen die Akteure das Vertrauen ihrer Fahrgäste nun zurück und im besten Fall neue Kunden hinzugewinnen? Dabei geht es vor allem darum, den ÖPNV-Nutzern ein Sicherheitsgefühl im Hinblick auf ein mögliches Ansteckungsrisiko zu geben.

NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst will deshalb zunächst an der Maskenpflicht festhalten. „Wir müssen alle vorsichtig bleiben“, so Wüst. „Deshalb ist es aus meiner Überzeugung auch richtig, dass wir bei der Maskenpflicht im ÖPNV bleiben.“ Das schaffe nach seiner heutigen Sicht mehr Vertrauen, als die Maskenpflicht abzuschaffen. Eine gemeinsame Studie des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) mit der Charité habe ergeben, dass das Ansteckungsrisiko im ÖPNV nicht höher sei, als im privaten Pkw, berichtete Ulrich Jaeger, Vorsitzender der VDV-Landesgruppe NRW. Die Maske sei eine „Kleinigkeit, die zumutbar ist“.

Bus und Bahn in NRW: Verkehrsverbünde locken Kunden mit neuen Tarifen

Die länderübergreifende Kampagne #BesserWeiter soll dabei helfen, das Vertrauen der ÖPNV-Kunden zurückzugewinnen. Die Werbekampagne für Bus und Bahn soll im August starten. Zudem sollen spezielle Angebote alte und neue Kunden locken. So sollen in einer landesweiten Sommerferien-Aktion, Abonnenten, die trotz Lockdown nicht gekündigt haben, „während der gesamten Sommerferien kostenlos und in Begleitung alle Busse und Bahnen des Nahverkehrs im Land nutzen“. Das gelte für Abonnenten aus dem Aachener Verkehrsverbund, dem Verkehrsverbund-Rhein-Sieg, dem Verkehrsverbund Rhein-Ruhr, dem WestfalenTarif und des NRW-Tarifs.

Um sich an die neuen Gegebenheiten und Möglichkeiten von Homeoffice anzupassen, arbeiten die Verkehrsverbünde an flexibleren Tarif-Modellen. So will der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) mit der Düsseldorfer Rheinbahn und ausgewählten Unternehmen in diesem Jahr das Flex-Ticket testen, mit dem Fahrpreise anhand der Entfernung berechnet werden. Langfristig soll das Modell auch Einzelpersonen zur Verfügung stehen. Der Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS) reagiert auf die neuen Umstände mit einem 10-Tages-Flex-Ticket, das 30 Tage lang flexibel genutzt werden kann. (sk)

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