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Deutsche Bahn: Lokführer streiken während Urlaubszeit –„Eskalation zur Unzeit“

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Von: Jana Wehmann

Ein Mann steht an einem Bahngleis und schaut nach dem Zug.
Durch Streiks der GDL kommt es bei der Deutschen Bahn in der Urlaubszeit zu Ausfällen und Störungen (Symbolbild). © Julian Stratenschulte/dpa

Nach gescheiterten Tarifverhandlungen streikt die Lokführergewerkschaft bei der Deutschen Bahn. Reisende müssen sich in Urlaubszeit auf Störungen einstellen.

Düsseldorf/Frankfurt – Kunden der Deutschen Bahn erwarten nun schwere Streiktage inklusive zahlreicher Zugausfällen und Verspätungen. Lokführergewerkschaft (GDL) hat nach einer Urabstimmung ihre Mitglieder im Bahnkonzern zu einem Streik aufgerufen, der im Güterverkehr bereits am Dienstagabend (10. August) beginnen sollte. Fern- und Regionalverkehr werden laut der Ankündigung ab Mittwoch, 2 Uhr, für 48 Stunden bundesweit bestreikt, sodass die Bahn erst für den Freitag wieder mit einem störungsfreien Verkehr rechnet. Das folgende Wochenende soll verschont bleiben, kündigte die GDL an.

Streik Deutsche Bahn: 75 Prozent der Fernzüge fallen aus

Für Mittwoch (11. August) und Donnerstag (12. August) hat die Deutsche Bahn 75 Prozent ihrer Fernzüge gestrichen, aber einen Ersatzfahrplan erstellt. Vorrang haben für die Bahn jedoch die besonders stark genutzte Verbindungen:

Das Ziel sei es nun, auf ausgewählten Strecken im Fernverkehr „zuverlässig alle zwei Stunden zu fahren“, so die Deutsche Bahn. „Dabei setzen wir Züge mit den größten Sitzkapazitäten ein, unter anderem die XXL-ICE mit über 900 Sitzplätzen“, sagt Anja Bröker, Konzernsprecherin der Deutschen Bahn.

Lokführer-Streik GDL: Deutsche Bahn zeigt sich kulant

Auch im Regional- und S-Bahnverkehr werde es Ersatzfahrpläne geben. Die Deutsche Bahn wolle „alles dafür geben, dass Schüler und Berufspendler in Metropolen und auch im ländlichen Raum mit uns fahren können“, erklärt Bröker. Gleiches gelte für Zubringer zu Flughäfen und Fernverkehrszügen. Dennoch könne die Deutsche Bahn nicht garantieren, dass alle Reisenden am Ziel ankommen.

Daher appelliert die Bahn, dass wer nicht unbedingt mit dem Zug fahren muss, sollte seine Reise verschieben. Deswegen wolle sich die Deutsche Bahn „maximale Kulanz“ gewähren, wie es vom Unternehmen heißt. Das bedeutet: Fahrkarten gelten länger oder können erstattet werden.

Lokführer Streik: Für GDL keine andere Möglichkeiten

Da der Tarifkonflikt zwischen der Deutschen Bahn und der Lokführergewerkschaft festgefahren sei, habe die GDL keine anderen Möglichkeiten mehr als den Streik, sagte der GDL-Vorsitzende Claus Weselsky im Frankfurt.

Einwände wegen der hohen Belastungen von Bahn und ihren Kunden durch die Corona-Krise und die Überflutungen ließ der GDL-Chef nicht gelten. „Es gibt keinen richtigen Zeitpunkt für einen Streik bei der Eisenbahn“, antwortete Weselsky. „Corona oder auch die Flut haben mit diesem Tarifkonflikt nichts zu tun.“

Streik: Deutsche Bahn und GDL sollen weiter verhandeln

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) appellierte ans Miteinander. Er sagte: „Alle müssen ein Interesse daran haben, das Vertrauen in die Bahn als zuverlässiges Verkehrsmittel aufrechtzuerhalten – erst recht nach den harten Monaten der Corona-Pandemie. Deshalb sollten beide Seiten schnellstmöglich an den Verhandlungstisch zurückkehren.“

Die Autoindustrie, die schon jetzt mit Lieferengpässen kämpft, forderte schnellstmöglich nach Lösungen zu suchen. Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände warf der Gewerkschaft vor, aus Eigeninteresse die schwierige Erholung der Wirtschaft zu gefährden.

Streik bei der Deutschen Bahn: Was fordert die Lokführergewerkschaft GDL?

Bei der Urabstimmung hatten 95 Prozent der teilnehmenden GDL-Mitglieder für einen Arbeitskampf gestimmt. Damit sei die notwendige Zustimmung von 75 Prozent weit übertroffen worden, erläuterte Weselsky. Die GDL will nach seinen Worten eine Nullrunde im laufenden Jahr nicht akzeptieren:

Deutsche Bahn: Lokführer-Streik ist „Eskalation zur Unzeit“

Die Bahn bezeichnete den Streik als „Eskalation zur Unzeit“. „Gerade jetzt, wenn die Menschen wieder mehr reisen und die Bahn nutzen, macht die GDL-Spitze den Aufschwung zunichte, den wir in Anbetracht der massiven Corona-Schäden dringend brauchen“, teilte Personalchef Martin Seiler mit. Er kritisierte, die GDL habe sich nicht an ihre Ankündigung gehalten, den Kunden ausreichend Vorlauf vor dem Streikbeginn zu lassen. Auch der Fahrgastverband Pro Bahn nannte die Streikankündigung „deutlich zu kurzfristig“.

Streik bei GDL: Unzufriedenheit bei der Deutschen Bahn

Die Konkurrenten der Bahn werden nicht bestreikt. Folgen des Arbeitskampfes könnten aber auch sie treffen. So erklärte der GDL-Bezirk Nord, dass die regionalen Auswirkungen noch nicht absehbar seien. „Aber wir haben mit Sicherheit eine hohe Beteiligung aus allen Bereichen. Auch die Kollegen bei DB Netz und bei DB Station und Service sind arg unzufrieden.“ Der Arbeitskampf könnte wegen fehlenden Personals etwa in Bahnhöfen oder im Verkehrsmanagement daher ebenso Folgen für Wettbewerber haben.

„Wir führen einen Tarifstreit um Zeit und Geld“, erklärte Weselsky. Im Hintergrund steht aber der komplexe Machtkampf mit der weit größeren Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) um die rund 200.000 Beschäftigten im Bahnkonzern. Diese sind in rund 300 Einzelbetrieben tätig, in denen laut Tarifeinheitsgesetz jeweils herausgefunden werden muss, welche Gewerkschaft dort mehr Mitglieder hat und dann maßgeblich die Tarifverträge abschließen kann.

Die GDL will sich keinesfalls mit den lediglich 16 Betrieben zufriedengeben, die eine erste Zählung des Arbeitgebers ergeben hat. Neben juristischen Schritten setzt sie auf massive Mitgliederwerbung, die im ersten Halbjahr mehr als 3000 Beitritte gebracht habe. Es sei klar, dass man für Werkstätten und Fahrdienstleitungen künftig Tarifverträge abschließen werde, kündigte Weselsky an.

Deutsche Bahn Streik: Machtkampf zwischen GDL und EVG

EVG-Chef Klaus-Dieter Hommel warf der Konkurrenz-Gewerkschaft prompt vor, den Bahnkonzern spalten zu wollen. Die harte Tarifauseinandersetzung solle jetzt doch noch für mehr Mitglieder bei der GDL sorgen. „Diese GDL kämpft um ihr Überleben und nimmt dabei den Verlust von Arbeitsplätzen und die Verschlechterung von Beschäftigungsbedingungen in Kauf“, sagte Hommel. Es sei „höchste Zeit“, dass alle Beteiligten Verantwortung übernähmen und an den Verhandlungstisch kommen.

Die EVG hatte schon im vergangenen Herbst einen Tarifabschluss mit der Bahn unterschrieben. Dieses Jahr gab es eine Nullrunde. Anfang 2022 erhalten die Beschäftigten 1,5 Prozent mehr Geld. Betriebsbedingte Kündigungen sind ausgeschlossen. Sollte die GDL mit ihren Forderungen durchkommen, müsste die Bahn mit der EVG wohl nachverhandeln. (jaw/dpa) Mehr News auf der 24RHEIN-Homepage.

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