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Deutschlands erster Wasserstoff–Lkw fährt jetzt in Köln

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Von: Maximilian Gang

Der erste serienmäßige Lkw mit Wasserstoffantrieb von Hyundai hat die Straßenzulassung in Deutschland bekommen und wird vom Kölner Mietfahrzeuganbieter „HyLane“ zur Miete angeboten.
Fortschritt mit Kölner Kennzeichen: Die Firma Hylane vermietet die ersten zugelassenen Lkws mit Wasserstoffantrieb. © H2 Mobility/Fotograf: Max Jackwerth

Eine der Hauptaufgaben dieser Zeit ist der Klimaschutz. Darum setzt das Kölner Unternehmen Hylane für ihre Fahrzeugvermietung nun auf Wasserstoff-Lkws.

Köln – Aus Köln rollt etwas Neues auf den Rest von Deutschland zu: wasserstoffbetriebene Lkws. Das Unternehmen Hylane vermietet die ersten serienmäßig in Deutschland zugelassenen Lkws mit dem Alternativantrieb. Dies könnte ein wegweisender Schritt im Sinne des Klimaschutzes sein, denn: Der Verkehrssektor ist mit rund 20 Prozent des CO₂-Ausstoßes der drittgrößte Emissionstreiber in Deutschland – mit 146 Millionen Tonen pro Jahr (Stand 2020). Der Einsatz von alternativen Antrieben ist somit unausweichlich.

Und bei Hylane wird nun einer dieser Antriebe genutzt: Seit vergangener Woche zählen 44 Wasserstoff-Lkws zur Flotte des Mietfahrzeugunternehmens. Das Fahrzeugmodell „Xcient Fuel Cell“ vom südkoreanischen Automobilherstellers Hyundai hat erst im November die Zulassung in Deutschland erhalten – und ist damit der erste serienmäßige Wasserstoff-Lkw auf deutschen Straßen. „Um dem Klimawandel entgegenzuwirken, muss auch konsequent an der Dekarbonisierung des schweren Güterverkehrs gearbeitet werden. Der Einsatz von H2-Lkw ist für mich ein erfolgversprechender Weg dafür“, erklärt die Hylane-Chefin, Sara Schiffer, die Zielsetzung auf der Unternehmenswebsite.

Hyundai Xcient Fuell Cell
Jahr2020
Reichweitecirca 400 Kilometer pro Ladung
Tankgröße31,08 Kilogramm
Ladedauer8 bis 20 Minuten
CO₂-Emissionswerte0 Gramm pro Kilometer

Fahrzeugvermietung Hylane aus Köln ist Tochter der DEVK

Die Hylane GmbH ist eine Fahrzeugvermietung und wurde 2021 in Köln gegründet. Als Tochterfirma der DEVK-Versicherungen „setzt es sich für nachhaltige und innovative Mobilität im Transportsektor ein“, wie es in einer Meldung heißt. Dafür stellt das Unternehmen klimaschonende Fahrzeuge verschiedener Hersteller zur Miete bereit. Und stößt mit diesem Vorgehen bei der Stadt Köln auf Zustimmung: „Um die Klimaschutzziele im Verkehrssektor allgemein und die Ziele für ein klimaneutrales Köln in 2035 zu erreichen, benötigen wir zur Reduktion der CO₂-Emissionen auch die neuen Antriebstechnologien – insbesondere für größere Nutzfahrzeuge“, wie es der Beigeordnete für Mobilität der Stadt Köln, Ascan Egerer, erklärt.

In den kommenden Jahren soll sich die Wasserstoff-Flotte der Hylane GmbH noch deutlich vergrößern: Bereits 2024 sollen insgesamt 150 der Zukunftsfahrzeuge vom Hof des Unternehmens im Niederländer Viertel in Köln rollen. Die Fahrzeuge werden von nun an in ganz Deutschland unterwegs sein. Aber an wen vermietet die Fahrzeugvermietung die wasserstoffbetriebenen Lkws?

Wasserstoff-Lkws in Köln: Wer kann sie mieten?

„Unsere Kunden sind umweltbewusste Unternehmen, die bereits heute bereit sind, zur Dekarbonisierung beizutragen“, erklärt Hylane-Sprecher Rolf Lübcke. Bei einer Vermietung zahlen die Mieter dabei nur die tatsächlich gefahrenen Kilometer. So konnte Hylane die ersten Lkws bereits vermieten. Beispielsweise zählt die Schenker AG der Deutschen Bahn – ein international tätiger Logistikdienstleister – bereits zu den Kunden des Kölner Unternehmens. Auch der DAX-Konzern Henkel mietet bereits Fahrzeuge von HyLane.

So funktioniert der Antrieb mit Wasserstoff

Eine sogenannte Brennstoffzelle sorgt für den Antrieb von wasserstoffbetriebenen Fahrzeugen. Aber: Eine Brennstoffzelle alleine erzeugt jedoch genau genommen nur ein Volt. Natürlich nicht genug für den Betrieb eines tonnenschweren Fahrzeugs. Deshalb werden hunderte von Brennstoffzellen zu einem sogenannten Brennstoffstapel in einer Reihe zusammengeschaltet.

Eine dieser Zellen besteht dabei aus zwei Kernleitern: Einer führt dabei Wasser (H₂) – das „Benzin“ des Fahrzeugs – der andere Sauerstoff (O₂), der die Verbrennung im Auto ersetzt. Denn: Der Wasserstoff will von sich aus bereits mit dem Sauerstoff zu Wasser (H₂O) reagieren, wodurch keine Energie von außen benötigt wird. Fachleute nennen diesen Vorgang „kalte Verbrennung“. Dabei wird Strom erzeugt, der dann einen integrierten Elektromotor antreibt.

Der Vorteil dabei: Der Antrieb erzeugt keine unerwünschten Verbrennungsprodukte, denn das Abgas ist in diesem Fall simpler Wasserdampf. Außerdem ist mit einem Wasserstofffahrzeug ein sehr langer kontinuierlicher Betrieb ohne elektrisches Aufladen möglich. Fahrzeuge mit Wasserstoffantrieb sind während der Fahrt zudem nahezu lautlos. Und: Auch große Mengen Wasserstoff führen dabei zu keiner großen Gewichtszunahme im Fahrzeug.

Und auch die Mitea Stuttgart GmbH, ein Verleih für Partyausstattungen, sowie die Speditionsfirma Amm und den Elektrogroßhandel Sonepar beliefert die Hylane GmbH bereits mit wasserstoffbetriebenen Lkws. „Grundsätzlich kann jedes Unternehmen bei uns ein Fahrzeug mieten. Voraussetzung ist eine entsprechende Bonität und Routen, an denen Wasserstofftankstellen vorhanden sind“, so Lübcke. Eine Mindestvertragslaufzeit von 24 Monaten und mindestens 50.000 Kilometer jährliche Laufleistung müssen ebenfalls eingehalten werden. Doch lohnt sich das?

Reichweite, Ladezeit, Kosten: Wasserstoffautos – Die bessere Alternative zum E-Auto?

Das Hyundai-Fahrzeug vom Typ „Xcient Fuel Cell“ verfügt über eine Reichweite von 400 Kilometer, bevor die Wasserstoff-Behälter erneut befüllt werden müssen. Die meisten Lkws mit Elektroantrieb kommen auf ähnliche Reichweiten. Allerdings ist die Betankung der sieben Behälter mit neuem Wasserstoff je nach Temperatur bereits nach acht bis 20 Minuten wieder vollständig erledigt, heißt es in einer Pressemitteilung der Stadt Köln. Eine Ladung eines E-Fahrzeugs dauert an den speziellen Ladesäulen dafür mehrere Stunden.

Die reichweitenstärksten Autos mit Wasserstoffantrieb können bereits eine Reichweite von fast 1000 Kilometern vorweisen. Zum Vergleich: Das E-Auto mit der momentan höchsten Reichweite kommt, laut ADAC-Test, mit einer Ladung momentan etwa 610 Kilometer weit. Kostentechnisch sind die meisten Wasserstoffautos mit Preisen im mittleren bis hohen fünfstelligen Bereich ein wenig teurer als die Elektro-Variante. Die Unterhaltungskosten sind bei E-Autos zum jetzigen Zeitpunkt dagegen deutlich geringer. Denn: Aktuell liegt der Preis für den Treibstoff von Wasserstoffautos bei etwa 9,50 Euro pro 100 Kilometer. Die elektrische Version ist diesbezüglich etwa 50 Prozent günstiger.

Mobilitätswende: Das sind aktuell die alternativen Fahrzeugantriebe

Wasserstoff-Lkws in Köln: Zulassung ist „echter Meilenstein“

Das H₂-Mobil wurde in der letzten Woche im Rahmen einer Fachkonferenz zu klimafreundlichen Nutzfahrzeugen von Bundesverkehrsminister Volker Wissing in Berlin vorgestellt. Das Verkehrsministerium war dabei im Rahmen der Förderung von klimaschonenden Nutzfahrzeugen ein direkter Unterstützer des Projekts. Und auch die Stadt Köln sieht die Pläne von Hylane als wichtigen Baustein in der Mobilitätswende: „Die Erstzulassung eines serienmäßigen Wasserstoff-Lkws in Deutschland ist daher ein echter Meilenstein“, so Egerer.

Aufgrund der vielen Vorteile ist die Beliebtheit von wasserstoffbetriebenen Fahrzeugen auch für den Privatgebrauch in den letzten Jahren stetig stark angewachsen. Autohersteller bringen deshalb immer mehr Modelle mit dem alternativen Kraftstoff auf den Markt. (mg) Fair und unabhängig informiert, was in NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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