Nachtzug Berlin-Paris wird übernommen – ändert aber seine Strecke
Gute Nachrichten für Bahnfans: Der Nachtzug Berlin-Paris kommt kurz nach seinem Ende zurück. European Sleeper übernimmt die Strecke ab Frühjahr 2026.
Berlin – Es kam überraschend: Die ÖBB streicht ab Dezember 2025 ihre Nightjet-Verbindung von Berlin nach Paris. Nach nur zwei Jahren Betrieb ist damit Schluss mit der bequemen Nachtverbindung zwischen der deutschen und der französischen Hauptstadt. Doch Reisende müssen nicht lange auf Ersatz warten. Das niederländisch-belgische Bahnunternehmen European Sleeper bringt die beliebte Nachtzugverbindung bereits im März 2026 zurück auf die Schiene.
Von Berlin über Brüssel nach Paris: European Sleeper startet neue Nachtzug-Verbindung im März 2026

Die erste Abfahrt der neuen Paris–Berlin-Verbindung ist für den 26. März 2026 geplant. Von Paris aus werden die Nachtzüge jeweils sonntags, dienstags und donnerstags abends starten und am nächsten Morgen in Berlin ankommen. Die Rückfahrt von Berlin nach Paris ist montags, mittwochs und freitags vorgesehen. European Sleeper koordiniert derzeit noch den finalen Fahrplan mit den Infrastrukturbetreibern in den einzelnen Ländern und ist zuversichtlich, in den kommenden Wochen einen passenden Zeitplan bestätigen zu können.
Eine Besonderheit der neuen Verbindung ist die Route, welche ungewöhnlicherweise über Brüssel – statt wie bisher Frankfurt am Main und Straßburg – führen soll. Damit entsteht zusammen mit der bereits bestehenden European-Sleeper-Strecke zwischen Brüssel-Berlin-Prag eine sechsmal wöchentliche Verbindung zwischen Brüssel und Berlin. Diese Streckenführung macht die neue Paris–Berlin-Verbindung nicht nur wirtschaftlich nachhaltiger, sondern unterstützt auch das aktuelle Nachtzugnetz des Unternehmens. Außerdem könnte durch den neuen Routenverlauf womöglich auch noch NRW an den neuen Nachtzug angebunden werden, das ist aktuell aber nur Spekulation.
Der Ticketverkauf für die neue Nachtzugverbindung startet voraussichtlich am 16. Dezember 2025. Die Preise sollen sich nach Unternehmensangaben an denen der bisherigen Nightjet-Verbindung orientieren und bei rund 80 Euro starten. European Sleeper wird wie üblich verschiedene Reiseklassen anbieten – von der Budget-Klasse für preisbewusste Reisende bis zur Comfort-Klasse für Passagiere, die zusätzlichen Komfort suchen.
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Nachtzug Berlin-Paris: Warum die ÖBB ihre Verbindung einstellt
Die Entscheidung der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB), die Nightjet-Verbindung zwischen Berlin und Paris einzustellen, kam für viele überraschend. Erst 2023 war die Strecke mit großem Aufwand gestartet worden. Doch das Ende der französischen Fördermittel für Nachtzugverkehr machte den Betrieb unwirtschaftlich. Auch die Verbindung von Paris nach Wien musste die ÖBB aus demselben Grund einstellen.
Nachtzüge sind zwar bei Reisenden sehr beliebt, gelten aber als schwer rentabel zu betreiben. Die hohen Infrastrukturkosten und die komplexe Koordination über mehrere Ländergrenzen hinweg machen das Geschäft anspruchsvoll.
Wer ist European Sleeper?
European Sleeper wurde 2021 gegründet und hat sich als einer der wenigen unabhängigen internationalen Zugbetreiber in Europa einen Namen gemacht. Das Unternehmen setzt auf ein genossenschaftliches Eigentumsmodell: Projektunterstützer können Anteile ab 280 Euro erwerben und so die Verbindungen mitfinanzieren. „Wer an nachhaltiges Reisen im Nachtzug glaubt, kann das Projekt durch den Kauf von Anteilen am Unternehmen unterstützen“, heißt es in der Pressemitteilung des Unternehmens.
Nach Südeuropa: European Sleeper hat bereits weitere Expansionspläne
Seit der Aufnahme des Betriebs im Jahr 2023 betreibt European Sleeper den „Good Night Train“, der Brüssel, Amsterdam, Berlin, Dresden und Prag dreimal wöchentlich miteinander verbindet. Die Bilanz kann sich sehen lassen: Bereits über 230.000 Passagiere wurden in mehr als 750 Nachtfahrten befördert. Zeitweise gab es auch eine Nachtzug-Verbindung über Köln nach Venedig, die aber aktuell nicht mehr angeboten wird. Fans der ruhigen Reise haben aber aus Köln noch einige weitere Optionen für Nachtzug-Fahrten.
Für 2026 und die Folgejahre sind mehrere neue Nachtzug-Strecken geplant. Neben der Paris–Berlin-Verbindung stehen Routen nach Spanien und Italien auf der Wunschliste. Das Unternehmen arbeitet daran, insbesondere Verbindungen nach Barcelona und möglicherweise auch Mailand zu etablieren. Dabei könnte der Bahnbetreiber aber auch womöglich bald Konkurrenz bekommen: Das Berliner Start-up „Nox Mobility“ will bereits ab 2027 eigene Nachtzüge mit Einzelabteilen zu Flugpreisen anbieten. (os)