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9-Euro-Ticket: Welche Probleme das Ticket gezeigt hat

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Von: Sofia Popovidi

Neun-Euro-Ticket mit Bahn- und Busmodell
Für 9 Euro im Monat bundesweit im Nahverkehr unterwegs sein zu können, wird ab dem 01. September nicht mehr möglich sein. © Christian Ohde / Imago

Drei Monate lang reisten Millionen Menschen mit dem 9-Euro-Ticket durch Deutschland. Was lief gut? Und wie kann Bus und Bahn verbessert werden?

Köln – Das Projekt 9-Euro-Ticket neigt sich dem Ende zu. Die Idee dahinter war vor allem, den öffentlichen Nahverkehr für alle attraktiver und bezahlbarer zu gestalten. Noch bis zum 31. August können Fahrgäste mit dem Schnäppchen-Ticket durch Deutschland fahren – was ab September auf das 9-Euro-Ticket folgt, ist noch ungewiss. Auch wenn der Nachfolger des 9-Euro-Tickets noch nicht feststeht, können bereits jetzt schon einige Erkenntnisse und Lehren für die Verbesserung für Bus und Bahn im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) gezogen werden.

9-Euro-Ticket
Start:01. Juni 2022
Ende:31. August 2022

9-Euro-Tickets: Die Erkenntnisse aus Bus und Bahn

9-Euro-Ticket: Kaufen und losfahren dank einfacher Tarifoptionen

Wer in einer unbekannten Region die Deutschen Bahn oder den Bus nehmen will, verliert bei der Auswahl der möglichen Tarife schnell den Überblick.

Was das 9-Euro-Ticket gezeigt hat: Es kann auch einfacher gehen. „Ein zusätzliches Angebot zu den bestehenden Tarifen, das über ein Bundesland oder mehrere hinweg Fahrten im öffentlichen Personenverkehr ermöglicht, halte ich für eine sinnvolle und gangbare Lösung“, sagt Philipp Kosok, Verkehrsexperte beim Interessenverband Agora Verkehrswende, gegenüber der dpa.

Um dauerhaft mehr Menschen zum Umstieg vom Auto auf Busse und Bahnen zu bewegen, spielt der Preis eine wichtige Rolle. Faire Preise seien ein „Lockmittel für den ÖPNV“ – solche Preise seien aber nur mithilfe der Mitfinanzierung des Bundes möglich, erklärt Kosok.

9-Euro-Ticket zeigt: Züge haben nicht genug Platz

Das günstige Angebot des 9-Euro-Tickets sorgte vor allem bei den touristisch begehrten Strecken für volle Züge, zahlreiche Verspätungen und Ausfälle.

Was das 9-Euro-Ticket gezeigt hat: Ein weiteres Beispiel, dass das deutsche Schienennetz für deutlich mehr Fahrgäste nicht ausgestattet ist. Doch nicht nur mehr Verkehrsmittel werden benötigt, auch herrscht Personalmangel im bei den Bussen und Bahnen. „Es braucht größere Flotten, mehr Busspuren und eine bessere Bezahlung“, sagt Karl-Peter Naumann, Ehrenvorsitzender des Fahrgastverbands Pro Bahn gegenüber der dpa. Auch hier funktioniert es nicht ohne die Finanzierung des Bundes.

9-Euro-Ticket: Personal in Bus und Bahn ausgelastet

Bei wem das Pilotprojekt 9-Euro-Ticket hingegen nicht gut ankam, waren die Gewerkschaften. Vor allem Zugbegleiterinnen und Zugbegleiter mussten sich am meisten mit den Problemen der Fahrgäste auseinandersetzen.

Was das 9-Euro-Ticket gezeigt hat: Die Personalsituation ist schwierig, vor allem das Zugpersonal sei überfordert von der hohen Auslastung. „Die Belegschaft hat die Belastungsgrenze erreicht und teilweise überschritten“, sagte Ende Juli der Vizevorsitzende der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), Martin Burkert.

Weiterhin spielte auch Corona beim Thema Personal eine große Rolle: Trotz Tausend neuen Mitarbeitenden kam es immer wieder zu Engpässen, was an den zahlreichen Infektionen liegt. Aber auch generell wirkt der Arbeitsmarkt wie leergefegt, so beschreiben die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) die Situation im Personalverkehr. Wo man also vor allem nicht sparen sollte, ist beim Personal, denn ohne ausreichendes Personal ist der ÖPNV nicht zu stemmen.

In NRW wird es ab September bereits eine Sonderaktion als Nachfolger für das 9-Euro-Ticket geben. (spo) Fair und unabhängig informiert, was in Köln und NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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