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Streik bei der Deutschen Bahn ab Dienstagabend – „verschieben Sie geplante Reisen“

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Von: Jana Wehmann

Reisende steigen in einen ICE bzw. gehen über den Bahnsteig 12 des Hauptbahnhofes Hamburg.
Volle Bahnsteige und ausgelastet Züge drohen angesichts des GDL-Streiks bei der Bahn. (Archivbild) © Daniel Bockwoldt/dpa

Die Lokführergewerkschaft GDL wird bei der Deutschen Bahn streiken. Schon am Dienstag beginnt der Streik im Güterverkehr. Der Zugverkehr in NRW ist betroffen.

Köln/Düsseldorf – Nun ist es offiziell: Der bereits angekündigte Streik bei der Deutschen Bahn kommt – und zwar schon deutlich früher als gedacht. Noch am heutigen Dienstagabend (10. August) soll der Streik im Güterverkehr beginnen. Das gab die Lokführergewerkschaft GDL am Vormittag bekannt.

Deutsche Bahn: Ist der Zugverkehr in NRW betroffen?

Die Lokführergewerkschaft GDL ruft ihre Mitglieder bereits für diesen Dienstag zum Streik bei der Deutschen Bahn auf. Der Ausstand soll im Güterverkehr bereits am Dienstagabend um 19 Uhr beginnen, kündigte Weselsky an.

Anschließend folgt ein bundesweiter 48-stündiger Streik im Personenverkehr und in der Bahn-Infrastruktur. Demnach streiken die Lokführer bei der Deutschen Bahn von Mittwoch (11. August) ab 2 Uhr bis Freitag (13. August) 2 Uhr. Betroffen sind Regional- und Fernverkehr. Die Deutsche Bahn veröffentlicht am Dienstagnachmittag einen Ersatzfahrplan. Allerdings kann dadurch nur jede vierte Verbindung aufrecht gehalten werden. Die Mehrheit der Züge könnte also ausfallen.

Vom bundesweiten Streik ist daher auch der Bahnbetrieb in Nordrhein-Westfalen betroffen. So müssen sich Bahn-Kunden in NRW auf deutliche Störungen und Verzögerungen bei der Deutschen Bahn einstellen. Welche Strecken in NRW und um Köln und Düsseldorf stark betroffen sein werden, ist unklar.

Wer mit der Bahn reist und vom Lokführer-Streik betroffen ist, sollte dafür Belege sammeln. Reisende, die auf Taxis, andere Züge oder das eigene Auto umsteigen, sollten einige Hinweise der Deutschen Bahn beachten, um das Geld zurückzubekommen.

Bahn: „Verschieben Sie Fernverkehrsreisen“

Die Bahn appelliert an Reisende, geplante Fahrten zu verschieben. „Bitte verschieben Sie Ihre für den 11.08., 12.08. sowie den 13.08.2021 geplanten Fernverkehrsreisen, wenn Sie nicht zwingend fahren müssen“, teilt das Unternehmen im Internet mit. Die Gültigkeit von Tickets werde ausgeweitet.

Streik Deutsche Bahn: GDL kündigt Arbeitskampf an

Nachdem Ende Juni zunächst der Lokführer-Streik abgewendet werden konnte, scheiterten nun jedoch die Tarifverhandlungen und die Lokführergewerkschaft GDL hat sich für einen Streik bei der Deutschen Bahn entschieden. Bei der Urabstimmung stimmten 95 Prozent der teilnehmenden Mitglieder für einen Arbeitskampf. Das gab die Gewerkschaft am Dienstag in Frankfurt schriftlich bekannt.

Damit sei die notwendige Zustimmung von 75 Prozent weit übertroffen worden, erläuterte GDL-Vorsitzende Caus Weselsky. Nach seinen Angaben beteiligten sich 70 Prozent der Mitglieder bei der Deutschen Bahn an der Urabstimmung.

Streik Lokführer in NRW: Was fordert die GDL von der Deutschen Bahn?

Die GDL will nach den Worten Weselskys eine Nullrunde im laufenden Jahr nicht akzeptieren, verlangt eine deutliche Corona-Prämie und Einkommenssteigerungen von 3,2 Prozent bei einer Laufzeit von 28 Monaten. 

Die Bahn will jedoch aufgrund von neuen Milliardenverlusten während der Corona-Pandemie und großen Flutschäden einen länger laufenden Tarifvertrag und spätere Erhöhungsstufe bei gleicher Prozentzahl. Ein Streik wäre eine „Attacke auf das ganze Land“, hatte Bahn-Personalchef Martin Seiler erklärt. Eine Bahn-Sprecherin hatte zudem am Montag gesagt, dass Streiks die Kunden wie Beschäftigte wie ein „Schlag ins Gesicht“ treffen würden.

Streik GDL: Gibt es einen Notfallplan bei der Deutschen Bahn?

Der letzte GDL-Streik ist nun sechs Jahre her. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Deutsche Bahn einen Notfallplan erstellt, um zumindest etwas den Betrieb aufrechtzuerhalten. So konnte im Fernverkehr etwa ein Drittel der Züge fahren, vor allem auf den Hauptstrecken vom Ruhrgebiet nach Osten sowie von Hamburg nach Süden.

Die Deutsche Bahn hatte am Montag jedoch keine Details zu Notfallplänen genannt. Auch im Regionalverkehr und bei S-Bahnen dürfte bei einem Lokführerstreik ein Großteil der Züge ausfallen. Der gestörte Betriebsablauf könnte dann auch bei Konkurrenten der Deutschen Bahn zu Einschränkungen führen.

Lokführer: Bahn sieht Streik als unnötige Eskalation

Aus Sicht der Deutschen Bahn sei der Streik eine Eskalation zur Unzeit. „Gerade jetzt, wenn die Menschen wieder mehr reisen und die Bahn nutzen, macht die GDL-Spitze den Aufschwung zunichte, den wir in Anbetracht der massiven Corona-Schäden dringend brauchen“, teilte Personalchef Martin Seiler am Dienstag mit. Er kritisierte, die GDL habe sich nicht an ihre Ankündigung gehalten, den Kunden ausreichend Vorlauf zu lassen, bevor der Streik beginnt.

Dies kritisiert auch der Fahrgastverband Pro Bahn: „Das ist deutlich zu kurzfristig“, sagte der Ehrenvorsitzende Karl-Peter Naumann. Die Kunden brauchten mehr Zeit, um ihre Reisen umzuplanen. „Ein Streik richtet sich bei der Bahn nicht nur gegen das Unternehmen, sondern auch gegen weite Teile der Bevölkerung. Viele Fahrgäste können nicht ausweichen.“

Naumann appellierte an die Tarifpartner, weiterzuverhandeln. Eine Einigung in der Tarifrunde sei weiterhin möglich. Die GDL-Spitze müsse an den Verhandlungstisch zurückkehren, so die Deutsche Bahn.

Lokführer-Streik: Die Deutsche Bahn zeigt sich verhandlungsbereit

Nachdem der Lokführer-Streik nun auch am Mittwochmorgen (11. August) ab 2 Uhr im Personenverkehr gestartet ist, seien bereits die Auswirkungen zu spüren, so ein Bahnsprecher am Morgen. Nun zeigt sich die Deutsche Bahn jedoch verhandlungsbereit.

„Jetzt ist miteinander gefragt, wie wir gemeinsam aus dieser schwierigen Krise herauskommen“, sagte Bahn-Personalvorstand Martin Seiler am Mittwoch im ZDF-Morgenmagazin. „Wir liegen zugegebenermaßen in der Laufzeit auseinander, auch bei der Corona-Prämie. Aber das sind ureigenste Dinge, die am Verhandlungstisch besprochen werden“, sagte Seiler. Es sei Thema von Tarifverhandlungen, das auszuloten und zu Kompromissen zu kommen. Die Bahn appelliere an die GDL, „nicht mit überzogenen und eigentlich unnötigen Streiks die Fahrgäste am Ende darunter leiden zu lassen“.

GDL und die Deutsche Bahn: Gibt es Streikfahrpläne?

Die Fahrgastvertreter fordern seit langem, dass die Bahn und ihre Gewerkschaften außerhalb von Tarifkonflikten feste Streikfahrpläne vereinbaren. Damit könne im Streikfall für die Fahrgäste ein verlässliches Notangebot aufrechterhalten werden. Notwendig sei auch die rechtzeitige Ankündigung des Streiks. „Es sollten mindestens 24 Stunden sein, besser noch 48 Stunden.“

Deutsche Bahn Streik: Kampf zwischen GDL und EVG

Neben dem Streit über Einkommenszuwächse tobt im Konzern ein Machtkampf zwischen der GDL und der größeren Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). Für die GDL sind hohe Tarifabschlüsse für möglichst viele Berufsgruppen und Beschäftigte eine Frage des Überlebens und der künftigen Wachstumsmöglichkeiten. Denn die Bahn muss das Tarifeinheitsgesetz umsetzen. In den rund 300 Betrieben des Unternehmens soll danach nur noch der Tarifvertrag der jeweils größeren Gewerkschaft zur Anwendung kommen. Meist ist das die EVG. Die GDL hat deshalb angekündigt, der Konkurrenz Mitglieder abjagen zu wollen.

Es ist der erste Streik bei der Bahn seit Dezember 2018, als die EVG ihre Mitglieder zum Arbeitskampf aufrief. Weitaus härter verlief der GDL-Streik 2014 und 2015. In acht sich steigernden Wellen legten die Lokführer unter Weselskys Führung die Arbeit nieder und weite Teile des Streckennetzes lahm.

Die EVG hatte schon im vergangenen Herbst einen Tarifabschluss mit der Bahn unterschrieben. Dieses Jahr gab es eine Nullrunde. Anfang 2022 erhalten die Beschäftigten 1,5 Prozent mehr Geld. Betriebsbedingte Kündigungen sind ausgeschlossen. (jaw/dpa) Mehr News auf der 24RHEIN-Homepage.

Dieser Artikel wurde zuletzt am 11. August inhaltlich ergänzt und aktualisiert. Neuerung: Verhandlungsbereitschaft der Deutschen Bahn.

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