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Welche Auswirkungen die russische Luftraum-Sperrung für deutsche Urlauber hat

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Von: Max Müller

Strand von Singapur, darüber ein Airbus A320 der Lufthansa (Montage)
Durch den Ukraine-Krieg müssen auf einigen Asien-Strecke Umwege geflogen werden (Montage). © agefotostock & ZumaWire / Imago

Urlaub in Asien wird nach der Sperrung des russischen Luftraums komplizierter. Die ersten Airlines haben bereits Flüge gestrichen. Ein Experte erklärt, warum.

Köln – Russland sperrt den Luftraum für europäische, US-amerikanische und kanadische Flugzeuge, die finnische Airline „Finnair“ entlässt Mitarbeiter und die Lufthansa deckt sich mit Kerosin ein. Mittendrin fragen sich deutsche Urlauber: Was bedeuten diese Entwicklungen für mich und meine Urlaubspläne? Sicher ist: Die Preise werden durch den Ukraine-Krieg steigen. Das kündigte die Lufthansa auf ihrer Bilanzpressekonferenz am Donnerstag (3. März 2022) an.

Ukraine Krieg: Diese Urlaubs-Reiseziele sind von der Luftraumsperrung betroffen

Auf dem Weg zu diesen Zielen müssen sich Passagiere auf längere Flüge einstellen. „Flüge von Frankfurt nach Singapur dauern durch den Umweg zwei Stunden länger“, erklärt Volker K. Thomalla, Chefredakteur von aerobuzz.de. Nach Japan müsse man drei Stunden mehr einplanen. Reisende nach Südostasien, zum Beispiel das gerade bei Deutschen beliebte Reiseziel Thailand, sind zunächst nicht betroffen.

Ukraine Krieg: Flugpreise nach Asien werden teuer

Nicht nur die Flugzeiten und Routen ändern sich. Auch die Preise werden anziehen, sagt Thomalla. Das liegt schlicht und einfach daran, dass die Strecken länger werden und somit mehr Kerosin verbraucht wird. Wie viel teurer es für deutsche Urlauber wird, könne zum jetzigen Zeitpunkt niemand prognostizieren. „Grundsätzlich haben Airlines jetzt drei Möglichkeiten“, sagt er.

  1. Eine Zwischenlandung einlegen, um Kraftstoff zu nachzutanken.
  2. Mehr Kerosin vor dem Start tanken. Dann können allerdings auch nicht alle Passagiere mitfliegen – sonst wird die Gesamtlast zu groß.
  3. Den Flugbetrieb einstellen.

In allen Szenarien ist klar: Der Ticketpreis wird für Reisende steigen. „Zwischen Japan und Deutschland fliegen in Nicht-Corona-Zeiten rund 4000 Menschen hin und her“, sagt Thomalla. Die japanischen Fluggesellschaften „All Nippon Airways“ und „Japan Airlines“ setzen ihre Flüge von und nach Europa am Donnerstag (3. März 2022) sogar komplett aus. Auch der Flughafen Köln/Bonn ist von Flugstreichungen betroffen. „Das zeigt: Das Passagiervolumen wird unter den aktuellen Bedingungen zwangsläufig sinken müssen“, so der Experte. Die Folge: weniger Kapazitäten, höhere Preise.

Der Experte: Volker K. Thomalla ist Chefredakteur von aerobuzz.de. Seit 35 Jahren berichtet er als Journalist über die Luft- und Raumfahrt. Thomalla hat mehrere Bücher über die Luftfahrt geschrieben und als Privatpilot auch praktische Flugerfahrung gesammelt.

Lufthansa rechnet mit steigendem Kerosinpreis

Grundsätzlich hängt die Frage, wie teuer Flugtickets sind, sehr stark mit dem Preis für Kerosin zusammen. Und der ist seit Beginn des Jahres um 43 Prozent gestiegen. Binnen eines Monats verteuerte sich ein Fass der Ölsorte Brent sogar von rund 90 auf mehr als 115 Euro. Für die Airlines ist diese Entwicklung bedrohlich. „Die Kosten für Kerosin machen 31 Prozent der Betriebskosten einer Fluggesellschaft aus“, erklärt Thomalla.

Gerade weil der Kerosinpreis so wichtig ist, hat sich die Lufthansa dazu entschieden, 69 Prozent ihres Bedarfs zu „hedgen“. Das bedeutet, dass der Konzern sich verpflichtet, zu einem festgelegten Zeitpunkt eine bestimmte Menge zu kaufen. Wie sich das finanziell auswirkt, ist zum Zeitpunkt des Kaufes fraglich. Steigt der Preis, profitiert die Lufthansa von ihrem Festpreis. Sinkt der Preis, zahlt der Konzern drauf.

Bleibt noch die Frage, wie sich das alles weiter entwickelt. „Das hängt davon ab, wie schnell es Frieden in der Ukraine gibt“, sagt der Experte. Bis dahin wird der Status Quo so bleiben und es muss weiter mit Flugstreichungen gerechnet werden. (mm) Mehr News auf der 24RHEIN-Homepage. Tipp: Täglich informiert, was in NRW passiert – einfach unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

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