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49-Euro-Ticket nur als digitales Jahresabo? Automatenverkauf gefordert

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Von: Oliver Schmitz

Ab 2023 soll es das 49-Euro-Ticket zu kaufen geben. Bereits jetzt wird sowohl Preis als auch Verkaufsmodell angezweifelt. Aktuelle News im Ticker.

Update vom 31. Dezember, 17:43 Uhr: Alle aktuellen Entwicklungen zum 49-Euro-Ticket gibt es im neuen 24RHEIN-Ticker.

49-Euro-Ticket: Kommt es nur digital oder auch am Automaten?

Update vom 23. Dezember, 14:55 Uhr: Eine der größten offenen Fragen zum 49-Euro-Ticket ist die genaue Form. Das neue ÖPNV-Ticket ist — Stand jetzt – als digitales Abonnement geplant, doch wichtige Detailfragen dazu sind noch offen. Die Verbraucherzentrale fordert dabei eine möglichst flexible Ausgestaltung. „Wir plädieren für einen breiten Zugang zum 49-Euro-Ticket, das auf allen Vertriebswegen gekauft werden kann und bei dem man sich nicht mindestens für ein Jahr an ein Abo binden muss“, sagt Ramona Pop, Chefin des Bundesverbands Verbraucherzentrale (vzbv), der Deutschen Presse-Agentur am Freitag (23. Dezember).

Laut Pop bestehe die Gefahr, dass Bund und Länder „eine möglichst schmale Variante“ auf den Weg bringen wollten. Das könnte aber gleich mehrere Probleme mit sich bringen. „Wenn es ein digitales Abo-Modell wird, ist es kein Zeichen dafür, dass möglichst viele Menschen Bus und Bahn nutzen sollen. Man darf nicht vergessen, dass es Haushalte gibt, die nicht mal eben so ein Jahresabo abschließen können oder sich diese finanzielle Verpflichtung nicht auferlegen möchten.“ Wenn es zu einem Abo kommen solle, brauche es „einen dicken, großen Kündigungsbutton, der auch sichtbar ist. Der ist gesetzlich vorgeschrieben, und darauf werden wir genau schauen.“

Fahrkartenautomaten der Deutschen Bahn im VRR-Gebiet in NRW.
Das 49-Euro-Ticket wird voraussichtlich nicht an Fahrkartenautomaten erhältlich sein. © Roland Weihrauch/dpa

Das Deutschlandticket soll zwar monatlich kündbar sein, doch es gibt Zweifel, wie einfach oder kostenintensiv die Kündigung sein wird. Wegen des Fokus auf ein digitales Abo machen sich auch Sorgen wegen der Verfügbarkeit breit. Das 49-Euro-Ticket ist „papierlos“ geplant, womit es wohl nicht an gewöhnlichen Fahrkartenautomaten erhältlich sein wird. Genau das fordern die Verbraucherzentrale und andere Verbände aber. An Verkaufsschaltern könnte es das ÖPNV-Abo derweil als Chipkarte geben.

49-Euro-Ticket: Die wichtigsten Infos zum Deutschlandticket im Überblick

Vor 49-Euro-Ticket: ÖPNV-Preise steigen deutlich an

Update vom 22. Dezember, 17:11 Uhr: Der genaue Starttermin für das 49-Euro-Ticket steht immer noch nicht fest. Was inzwischen aber klar ist: Noch vor Einführung des Deutschlandtickets wird Bus- und Bahnfahren hierzulande vielerorts teurer. Und: Hier steht der Termin für die Preiserhöhungen auch schon fest: Die meisten Verkehrsverbünde ziehen am 1. Januar die Preisschraube an. Teilweise müssen Kunden dann deutlich tiefer in die Tasche greifen. Denn die Ticketpreise steigen je nach Region zwischen 1,4 und 8,8 Prozent, wie eine Auswertung von Preismaßnahmen bei knapp einem Dutzend großer Verkehrsverbünde durch die Deutsche Presse-Agentur ergab.

Viele Verkehrsverbünde begründen die Preiserhöhungen auch mit dem geplanten 49-Euro-Ticket. Demnach würden viele Fahrgäste derzeit kein ÖPNV-Abo abschließen, weil sie lieber auf die Einführung des Deutschlandtickets warteten. Dadurch würden Einnahmen fehlen, die kompensiert werden müssten. Weitere genannte Gründe für die Preiserhöhungen sind die stark gestiegenen Kosten für Strom, Diesel und Personal.

49-Euro-Ticket: Experten sehe Schwachstellen

Update vom 20. Dezember, 19:45 Uhr: Immer wieder machen Expertinnen und Experten auf Schwachstellen am Prinzip 49-Euro-Ticket aufmerksam. Erst vor wenigen kritisierte Andreas Schröder vom Fahrgastverband Pro Bahn, dass das Deutschlandticket einem Abomodell gleiche: „Das riecht nach Abofalle“, so Schröder gegenüber 24RHEIN.

Auch Ökonomen sehen Probleme im Modell: „Ein günstiges Ticket allein hilft nicht. Wir brauchen eine bessere Infrastruktur“, schreibt etwa BWL-Professor Sven Müller von der RWTH Aachen in einem Statement des Verbands der Hochschullehrerinnen und Hochschullehrer für Betriebswirtschaft. Eine höhere Taktfrequenz bei Bussen und Bahnen sei dringend vonnöten, außerdem mehr Fahrzeuge – und vor allem Personal: „Da reden wir von immensen Investitionen über einen langen Zeitraum.“

Interesse an 49-Euro-Ticket laut Umfrage groß

Eine Regionalbahn fährt zwischen Oberauel und Blankenberg, bei Hennef über die Sieg.
Das 49-Euro-Ticket soll kommen und so günstiges Bahnfahren im Regionalverkehr ermöglichen. © Jochen Tack/Imago

Update vom 18. Dezember, 12:28 Uhr: Wann genau das 49-Euro-Ticket kommt, steht immer noch nicht fest. Aber das Interesse in der Bevölkerung an dem Deutschlandticket ist groß. Das zeigt jetzt eine repräsentative Umfrage der Unternehmensberatung PwC. Dort sagten 41 Prozent der Befragten, sie würden das Ticket kaufen. Der Umfrage zufolge haben sogar 40 Prozent der Autobesitzer ein Interesse an dem Ticket für den Nah- und Regionalverkehr. Auch etwa ein Drittel der Befragten, die aktuell keine Monats- oder andere Zeitkarte für den ÖPNV haben, haben Interesse am 49-Euro-Ticket angemeldet. Die Experten von PwC gehen nach der Umfrage davon aus, dass der ÖPNV mit dem Deutschlandticket als Alternative zum Auto an Bedeutung gewinnen dürfte.

Weitere Erkenntnisse aus der Umfrage: In Süddeutschland ist das Interesse am Deutschlandticket größer als im Norden. Geringer ist die Nachfrage hingegen bei Menschen mit wenig Einkommen und auf dem Land. PwC-Manager Gabriel Flore geht davon aus, dass die Zahl der Fahrgäste mit der Einführung des Deutschlandtickets stark zunehmen werde. Allerdings zeigt Flore sich bei der Umsetzung skeptisch. In den Großstädten stoße der ÖPNV schon jetzt oft an seine Kapazitätsgrenzen. Außerdem fehle den Verkehrsunternehmen schon heute qualifiziertes Personal, kritisiert er.

Wird das 49-Euro-Ticket doch teurer als gedacht?

Update vom 15. Dezember, 15 Uhr: Der Fahrgastverband Pro Bahn vermutet, dass das 49-Euro-Ticket teurer als gedacht wird. „Wir glauben, dass das Ticket anfangs tatsächlich 49 Euro kostet, der Preis dann aber schon bald auf 69 Euro oder mehr ansteigt“, sagt Andreas Schröder vom Fahrgastverband Pro Bahn aus Düsseldorf.

Das 49-Euro-Ticket kann bereits vorbestellt werden

Update vom 13. Dezember, 10:29 Uhr: Nachdem die Finanzierungsfrage des 49-Euro-Tickets endgültig geklärt ist, stellt sich die Frage, wo es erhältlich sein wird. Die Antwort ist einfach: bei allen Verkehrsunternehmen, die Busse und Bahnen im ÖPNV anbieten. Dazu gehören neben der Deutschen Bahn auch alle lokalen und regionalen Anbieter wie dem Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) oder auch der KVB in NRW bzw. Köln sowie private Unternehmen wie „Transdev“.

Transdev bietet das Deutschlandticket bereits jetzt in seinem Onlineshop zum Vorbestellen an. Wer sich entscheidet, das 49-Euro-Ticket bereits jetzt bei Transdev vorzubestellen, erhält dann rechtzeitig vor Gültigkeitsbeginn einen Barcode als Fahrausweis per E-Mail. Der früheste Wunschtermin, der ausgewählt werden kann, ist der 1. April 2023. Sollte das Deutschlandticket doch später kommen, ändert sich der Vertragsbeginn automatisch auf den offiziellen Starttermin.

49-Euro-Ticket endgültig beschlossen – „alle Hürden beseitigt“

Update vom 8. Dezember, 20:48 Uhr: Einigung beim 49-Euro-Ticket. Nach der Ministerpräsidentenkonferenz (MPK) gibt es endlich Klarheit für das sogenannte Deutschlandticket. „Das Deutschlandticket wird jetzt kommen, auch sehr zügig“, sagte Bundeskanzler Olaf Scholz. „Wir haben jetzt alle Hürden beseitigt, sodass die Verantwortlichen in den Ländern und den Verkehrsunternehmen jetzt alles daran setzen können, dass das auch schnell und zügig vorangeht.“

Das 49-Euro-Ticket soll im neuen Jahr (2023) starten. Weitere Details nennt Scholz nicht. Zuletzt hatte es Streit um die Finanzierung des bereits im Grundsatz geplanten Tickets durch Bund und Länder gegeben. Dies sei nun aber geklärt, so der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil (SPD): „Wir sind heute so weit, dass wir sagen können: Die finanziellen Grundlagen dafür sind gelegt.“ Jetzt sei die Erwartung, dass die entsprechenden Gesetze schnell auf das Gleis gebracht werden könnten. Es sei Einvernehmen darüber erzielt worden, dass „was im Jahre 2023 an Kosten anfällt, das wird hälftig getragen werden.“

49-Euro-Ticket: Verkehrsverbünde drohen wegen Finanzierungsfrage mit Boykott

Erstmeldung vom 21. November 2022: Die Finanzierung ist weiterhin der große Zündstoff rund um das 49-Euro-Ticket. Nach den Bundesländern fordern nun auch die zuständigen Verkehrsunternehmen sowie Städte und Kommunen mehr Geld, um das Deutschlandticket tatsächlich einführen zu können. Voraussetzung sei, dass Bund und Länder die Einnahmeverluste und Zusatzkosten der Verkehrsunternehmen „vollständig und dauerhaft“ ausgleichen, teilte der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) mit.

Aktuell bestehe noch ein „nicht absehbares finanzielles Risiko“. Ohne weitere politische Finanzierungszusagen könne das Ticket nicht eingeführt werden. Zuvor hatte bereits der größte NRW-Verkehrsverbund VRR mit einem Boykott gedroht. Der Deutsche Städte- und Gemeindebund sieht ebenfalls noch „offene Finanzierungsfragen“. Das zugesagte Geld des Bundes werde „nicht reichen“.

49-Euro-Ticket: Bund nimmt rechtliche Hürde – wie geht es jetzt weiter?

Abseits der lokalen Ebene geht es zumindest im Bund voran beim 49-Euro-Ticket. Am 18. November brachte die Bundesregierung die versprochenen zusätzlichen Milliarden für den Nahverkehr mit Bussen und Bahnen in ganz Deutschland auf den Weg. Das Kabinett billigte einen Formulierungsentwurf, um die sogenannten Regionalisierungsmittel für die Bundesländer von 2022 an um jährlich eine Milliarde Euro zu erhöhen. Ab 2023 sollen sie zusätzlich jedes Jahr um drei Prozent steigen statt wie bisher um jeweils 1,8 Prozent. Der Gesetzesentwurf soll nun zeitnah im Bundestag eingebracht werden, danach muss auch der Bundesrat noch zustimmen. Wenn alles nach Plan läuft, würde das Gesetz dann am 21. Dezember 2022 in Kraft treten.

Für das 49-Euro-Ticket selbst soll laut Bundesverkehrsminister Volker Wissing Anfang 2023 ein separates Gesetzgebungsverfahren auf den Weg gebracht werden. Die Arbeiten von Bund und Ländern zur Umsetzung liefen mit Hochdruck. „Ziel ist die schnellstmögliche Einführung im neuen Jahr“.

Das neue bundesweite ÖPNV-Ticket muss, nach der Einigung von Bund und Ländern, noch offiziell vom Bundestag beschlossen und vom Bundesrat bestätigt werden. Parallel müssen die Verkehrsunternehmen die Einführung des Deutschlandtickets technisch vorbereiten und selbst offiziell beschließen. (os mit dpa und AFP) Fair und unabhängig informiert, was in Deutschland und NRW passiert – hier unseren kostenlosen 24RHEIN-Newsletter abonnieren.

Dieser Text wird laufend aktualisiert.

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