Fitness-Boss: „Es geht um Menschen, die große Berührungsängste mit Fitnesstraining haben“

Zu alt? Zu unsportlich? Zu teuer? Vom 23. bis 30. September öffnen tausende Fitnessstudios in Deutschland kostenlos ihre Türen. Zwei Fitness-Bosse erklären, warum genau jetzt der richtige Zeitpunkt ist, die eigenen Vorurteile abzubauen.
Der Wille ist oft da, doch der Weg ins nächste Fitnessstudio scheint für viele schier unüberwindbar. Zu teuer, zu laut, voller Spiegel und perfekt durchtrainierter Menschen – so lauten oft die Bedenken. Doch genau damit soll nun Schluss sein. Vom 23. bis 30. September öffnen im Rahmen der Initiative „United let’s move“ tausende Fitnessstudios in Deutschland und Österreich über viele verschiedene Marken hinweg ihre Türen für kostenfreies Training. Eine ideale Gelegenheit, um den inneren Schweinehund völlig risikofrei zu besiegen.
Die Angst vor der „Pumper-Bude“ überwinden
Gerade für Menschen über 50 oder jene, die in ihrem Leben noch nie aktiv Sport getrieben haben, ist die Hemmschwelle enorm. Johannes Maßen, CEO von Fitness First Germany und Schirmherr der diesjährigen Aktion, kennt diese Ängste genau und weiß, dass man Neulinge an die Hand nehmen muss. Im Gespräch mit Ippen Media erklärt er: „Es geht bei der Aktionswoche ganz explizit um Menschen, die große Berührungsängste haben mit dem Thema Fitnesstraining.“ In den Studios werde großer Wert auf die Begleitung der Menschen gelegt, die Mitarbeiter seien speziell geschult. Das Ziel sei es, zu zeigen, wie ein gesundes, auf die eigenen Bedürfnisse zugeschnittenes Training funktioniert.
In unserem Leitfaden für Fitness-Einsteiger Ü50 finden Sie hilfreiche Tipps, wie Sie sich auf Ihren ersten Studiobesuch vorbereiten können, um Ihr erstes Training ganz entspannt zu genießen.
„United let‘s move“: So machen Sie mit
Nutzen Sie also die Chance. Über die neue Plattform unitedletsmove.org können Sie sich ein passendes Studio in Ihrer Nähe suchen, sich einfach anmelden und Teil der Bewegung werden.
Die Initiative „United let’s move“ findet vom 23. bis 30. September in Deutschland und Österreich im Rahmen der Europäischen Woche des Sports statt. Mit dieser Kampagne ruft die Europäische Kommission seit 2015 jedes Jahr unter dem Motto #BeActive europaweit zu mehr Bewegung auf.
Verbände, Unternehmen, Vereine, Kommunen und Schulen aus rund 40 Ländern beteiligen sich daran. Mit „United let’s move“ engagieren sich Fitnessstudios seit 2023 in Deutschland und 2026 erstmals auch in Österreich dafür, mehr Menschen für sportliche Aktivitäten zu begeistern. Über 9200 deutsche Studios sowie mehr als 300 in Österreich öffnen dieses Jahr ihre Türen und laden acht Tage lang zu kostenfreiem Training ein.
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Krafttraining: Der Schlüssel für ein langes Leben
Während Ausdauersport wie Spazierengehen oder Radfahren bei vielen noch zum Alltag gehört, wird ein entscheidendes Element oft vernachlässigt: unsere Muskulatur. Ab dem 30. Lebensjahr verliert der Mensch schleichend Muskelmasse, wenn er nicht aktiv dagegen ansteuert. Die „United let‘s move“-Woche rückt deshalb genau diesen Aspekt in den Fokus. Es gehe bewusst nicht nur um allgemeine Bewegung, sondern um gezieltes Krafttraining, wie Johannes Maßen betont. Die gesundheitlichen Effekte sind immens. „Bei uns geht es wirklich darum, Krafttraining dementsprechend zu postulieren, weil es so erhebliche gesundheitliche Vorteile hat, gerade im Bereich Longevity“, so Branchenexperte Maßen. Diese seien für ein langes, gesundes Leben mittlerweile bewiesen.

Gesundheitssystem entlasten: eine gesellschaftliche Aufgabe
Die Folgen von Bewegungsmangel sind nicht nur für die individuelle Gesundheit problematisch – auch die volkswirtschaftlichen und gesellschaftlichen Dimensionen sind gewaltig. Derzeit trainieren 12,36 Millionen Menschen in deutschen Fitness- und Gesundheitsanlagen, was einer Quote von 14,8 Prozent der Gesamtbevölkerung entspricht. Doch das Potenzial für die Gesellschaft ist weitaus größer, zumal sich die Studios zunehmend zu echten Gesundheitsdienstleistern wandeln. Laut aktuellen Branchenzahlen positionieren sich bereits 39,3 Prozent der Anlagen schwerpunktmäßig im Bereich Gesundheit.
Philipp Hartewig, Geschäftsführer des Arbeitgeberverbands für die Fitnesswirtschaft (DSSV), sieht hier einen enormen Hebel zur Senkung von Krankheitskosten. „Wenn man sieht, wie deutlich die Krankenkassen durch gute Präventionsarbeit und gezieltes Training entlastet werden können, dann können Fitnessstudios hier mehr leisten als alle anderen“, betont Hartewig. Dennoch hinkt die Politik hinterher, wenn es um die finanzielle Unterstützung der Trainierenden geht. Auf die Frage, was er als Gesundheitsminister sofort ändern würde, hat Hartewig eine klare Antwort parat: Er würde die entsprechenden Paragrafen zur Prävention erweitern, sodass „Muskeltraining generell als Präventionsausgabe möglich ist, von Krankenkassen finanzierbar“.
Firmenfitness: Wenn der Chef das Workout sponsert
Wer nicht darauf warten möchte, dass die Krankenkassen aktiv werden, kann oft schon heute sparen. Um die Kosten für die Trainierenden zu senken, spielen sogenannte Aggregatoren* und Firmenfitness-Angebote eine immer größere Rolle. Wie Johannes Maßen erklärt, helfen sie enorm dabei, finanzielle Hürden abzubauen, da sie mit Arbeitgeberzuschüssen arbeiten. Die Rechnung ist simpel: „Zahlt die Firma als Beispiel 30 Euro hinzu, kostet die eigene Mitgliedschaft dann nur noch 30 statt 60 Euro“, verdeutlicht Maßen. Solche Aggregatoren wachsen derzeit extrem. Laut Maßen sorgen sie maßgeblich dafür, dass die Preisschwelle sinkt und mehr Menschen Zugang zu guten Studios mit qualifizierter Betreuung erhalten. Ein Nachfragen beim eigenen Arbeitgeber kann sich also lohnen, da dieser solche Angebote über den steuerfreien Sachbezug (bis zu 50 Euro pro Monat) bezuschussen kann.
*Unter Fitness-Aggregatoren versteht man Dienstleistungsunternehmen, die Fitness- und Gesundheitsanlagen unabhängig von Standort und spezifischem Angebot (Fitness- und Yogastudios, Schwimm- und Kletterhallen etc.) zu einem Netzwerk zusammenfassen. Mit einem Abonnement können Privatpersonen das Angebot des gesamten Netzwerks wahrnehmen. Oft vergünstigt, weil es durch den Arbeitgeber unterstützt wird.
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Kein Verkaufsdruck, sondern ein echtes Reinschnuppern
Nicht zuletzt sind eben diese nicht unbedeutenden Mitgliedsbeiträge und die damit verbundene Angst vor drängenden Verkaufsgesprächen eine weitere Hürde, die viele von einem Probetraining abhält. Die Aktionswoche „United let‘s move“ soll genau diesen Druck herausnehmen. Laut Maßen ist die Gratis-Woche nicht darauf ausgerichtet, direkt im Anschluss Verkaufsgespräche zu führen und Verträge abzuschließen. Vielmehr handele es sich um eine großangelegte Image-Kampagne, um das Thema Krafttraining stärker in der Gesellschaft zu verankern.
Das unbezahlbare Gefühl danach
Wer sich einmal überwunden hat, merkt oft schnell, wie gut das Training nicht nur dem Körper, sondern auch der Psyche tut. Philipp Hartewig bringt es auf den Punkt. Er selbst absolviert drei bis vier Einheiten pro Woche und schwärmt von dem Lebensgefühl, weshalb es für ihn gar nicht die Frage sei, ob er trainiere. Die anfängliche Überwindung zahle sich immer aus. Hartewig ist sich sicher: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass überhaupt jemand mal ein Training bereut hat.“