Demenz: Mit Gedächtnistest am Smartphone Anzeichen erkennen
Eine App soll bei der frühzeitigen Diagnose einer Alzheimer-Erkrankung unterstützen. Betroffene könnten ihre Gedächtnisleistung via Smartphone prüfen.
Immer mehr Menschen leiden unter einer Demenz-Erkrankung – Tendenz steigend. Zwar ist die neurodegenerative Erkrankung bislang nicht heilbar: Je früher sie allerdings diagnostiziert wird, desto besser kann man den Symptomen entgegenwirken und den Krankheitsverlauf hinauszögern. Auch laut Informationen des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend lassen sich zum Beispiel mithilfe von Medikamenten Symptome im frühen und mittleren Alzheimer-Stadium lindern. Deshalb setzt die Alzheimer-Forschung ihren Fokus unter anderem auf die Entwicklung neuer Diagnosemöglichkeiten. So untersuchten Wissenschaftler nun die Wirkung eines Gedächtnistestes, bei dem Personen erste Alzheimer-Symptome eigenständig am Handy diagnostizieren können, wie die Ärzte Zeitung berichtet.
Demenz: Gedächtnistest am Smartphone lässt Anzeichen für Alzheimer erkennen

Das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen e.V. (DZNE) berichtet, dass sich leichte kognitive Beeinträchtigungen, die ein Hinweis auf eine Alzheimer-Erkrankung sein können, mithilfe von speziellen Testaufgaben auf dem Smartphone mit hoher Genauigkeit erkennen lassen. Dies geht aus den Ergebnissen einer Studie des DZNE, der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg sowie der US-amerikanischen University of Wisconsin-Madison hervor. Gemeinsam mit dem Magdeburger Unternehmen „neotiv“, welches den speziellen Gedächtnistest entwickelte, untersuchten sie dessen Wirksamkeit. Die Studienergebnisse wurden in der Fachzeitschrift npj Digital Medicine veröffentlicht.
Rund 200 Frauen und Männer, die über 60 Jahre alt waren, nahmen an der Untersuchung teil. Darunter waren 97 Menschen ohne kognitive Beeinträchtigungen, 43 Personen mit leichten kognitiven Beeinträchtigungen sowie 59 Teilnehmer mit subjektiv empfundenen, aber nicht messbaren Gedächtnisbeschwerden. Die Diagnose wurde mit einem bereits etablierten Verfahren, welches unter anderem Gedächtnis- und Sprachaufgaben beinhaltet, erstellt. Gleichzeitig verwendeten die Probanden über einen Zeitraum von mindestens sechs Wochen die „neotiv“-App, um mit ihren eigenen Smartphones oder Tablets mehrfache Gedächtnistests durchzuführen. Mit drei Arten von Gedächtnisaufgaben wurden dabei jeweils unterschiedliche Bereiche des Gehirns angesprochen, die in verschiedenen Phasen von Alzheimer betroffen sein können. Mit der App testeten sich die Teilnehmer selbständig. Sie absolvierten die Tests außerdem immer dort, wo es ihnen gelegen kam.
Studie zeigt, dass Menschen sich selbst testen könnten – mögliche Risiken einer Selbstdiagnose
Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass sich mit der App leichte kognitive Beeinträchtigungen mit hoher Genauigkeit erkennen lassen. Laut den Studienautoren sei die Identifikation damit vergleichbar oder sogar höher als bei mehreren anderen kürzlich berichteten unbeaufsichtigten oder klinischen und überwachten digitalen kognitiven Tests. Zudem weisen sie daraufhin, dass er Test vor allem im Rahmen klinischer Studien und in der Gesundheitsversorgung genutzt werden könnte. Die Studie hätte außerdem gezeigt, dass Menschen zu eigenständigen Tests fähig sind. Allerdings definieren die Forscher nicht, inwiefern die Tests für eine Selbstdiagnose genutzt werden könnte. Auch auf mögliche Risiken und Folgen, die mit einer Eigendiagnose ohne Rücksprache mit einem Arzt einhergehen könnten, gehen die Autoren der Studie nicht ein.
Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren RedakteurInnen nicht beantwortet werden.