Mit dieser Methode könnten besonders Ältere ihre Gehirngesundheit gezielt stärken

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Von: Constanze Julita

Ein Mann sitzt auf einem Spinning-Gerät.
Radfahren auf dem Heimtrainer könnte das Gehirn auf nachfolgende Gedächtnisübungen vorbereiten – das legt zumindest eine neue Studie nahe. © IMAGO/YAY Images

Eine chinesische Studie liefert Hinweise, dass Bewegung und Gedächtnistraining zusammen wirksam gegen Demenz sein könnten.

Stellen Sie sich vor, Sie treten auf einem Heimtrainer in die Pedale – und lösen anschließend Gedächtnisübungen oder Konzentrationsspiele. Was sich nach einer ungewöhnlichen Therapieidee anhört, könnte sich als eine der wirksamsten nichtmedikamentösen Strategien gegen altersbedingte Demenz erweisen. Eine aktuelle randomisierte kontrollierte Studie aus China hat genau das untersucht. Die Ergebnisse überraschen selbst im Vergleich zu dem, was die Forschung bislang über Bewegung und Gehirngesundheit wusste.

Das Gehirn benötigt mehr als Ausdauer

An der Studie von Conglin Han und Team, die im März 2026 im Fachjournal Geriatric Nursing veröffentlicht wurde, nahmen 84 ältere Erwachsene ab 65 Jahren teil, die bereits leichte kognitive Beeinträchtigungen zeigten – also eine Vorstufe, die das Demenzrisiko deutlich erhöht. Über einen Zeitraum von zwölf Wochen trainierten sie dreimal wöchentlich mit moderater Intensität auf einem stationären Fahrrad im Rehabilitationsumfeld. Die Teilnehmenden wurden in vier Gruppen aufgeteilt:

  • Gruppe 1: 30 Minuten Radfahren + 30 Minuten kognitives Training
  • Gruppe 2: 30 Minuten Radfahren + 15 Minuten kognitives Training
  • Gruppe 3: 30 Minuten Radfahren, kein kognitives Training
  • Gruppe 4: Kontrollgruppe ohne Intervention

In allen Bewegungsgruppen verbesserten sich die MoCA-Werte – ein international anerkanntes Maß für kognitive Leistungsfähigkeit – messbar. Die Gruppe mit der längsten kognitiven Trainingseinheit zeigte dabei die ausgeprägtesten Veränderungen. Auch bei der körperlichen und psychischen Lebensqualität, erfasst über einen standardisierten Fragebogen, deuteten sich in dieser Gruppe positive Effekte an. In den anderen Gruppen blieben diese Werte hingegen statistisch unauffällig.

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Warum die Dauer des Denkens zählen könnte

Die Studie liefert einen Hinweis, der in der bisherigen Forschung zu wenig beachtet wurde: Nicht nur ob ein Training kognitive Elemente enthält, sondern wie lange diese dauern, könnte eine Rolle spielen. Ausdauertraining könnte das Gehirn gewissermaßen vorbereiten, indem es die Durchblutung fördert, die Ausschüttung von Wachstumsfaktoren anregt und die neuronale Plastizität erhöht. Kognitives Training könnte genau in diesem Moment ansetzen und das aktivierte Gehirn für gezielte Lernprozesse nutzen.

Dieser Mechanismus ist biologisch plausibel: Bewegung und mentales Training wirken möglicherweise auf unterschiedliche Ebenen der Hirnstruktur – aerobe Aktivität auf makrostrukturelle Veränderungen, kognitives Training auf mikrostrukturelle. Zusammen könnten sie synergistisch wirken, wie Han und das Forschungsteam erläutern. Belegt ist das durch diese Studie allein jedoch nicht.

Einschränkend ist festzuhalten: Die Stichprobe mit 84 Teilnehmenden ist klein, die Studie beschränkt sich nur auf Menschen aus Peking und die kognitiven Tests erfassen keine spezifischen Domänen wie Gedächtnis oder Orientierung separat. Die Ergebnisse könnten daher als Hinweise gewertet werden – nicht als abschließender Beweis.

Die Studie richtet sich ausdrücklich an ältere Erwachsene mit bereits diagnostizierten leichten kognitiven Beeinträchtigungen – Rückschlüsse auf die Allgemeinbevölkerung lässt sie nicht zu. Dennoch liefert die Forschung eine Richtung, die auch präventiv interessant sein könnte.

Was das für den Alltag bedeuten könnte – und was nicht

Wer körperlich aktiv bleibt und dabei das Gehirn fordert, sei es durch strukturierte Übungen, Sprachaufgaben oder Gedächtnisspiele, könnte von einem doppelten Effekt profitieren. Entscheidend scheint dabei die Dauer des mentalen Trainings zu sein: 30 Minuten nach dem Sport zeigten in dieser Studie stärkere Effekte als 15 Minuten.

Für die Praxis könnten folgende Ansätze relevant sein, die sich aus der Studienlogik ableiten lassen:

  • Bewegung zuerst: Wer das Gehirn auf nachfolgende mentale Aufgaben vorbereiten möchte, könnte auf aerobe Aktivitäten setzen, wie Schwimmen, zügiges Gehen oder Radfahren. Laden Sie sich dafür unsere PDF-Trainingspläne zum Radfahren oder Walking kostenlos herunter.
  • Direkt im Anschluss den Kopf fordern: Kognitives Training scheint unmittelbar nach der körperlichen Aktivität besonders wirksam zu sein.
  • Ausreichend Zeit einplanen: Eine halbe Stunde kognitives Training war in dieser Studie wirksamer als eine Viertelstunde – ob das verallgemeinerbar ist, bleibt offen.
  • Regelmäßigkeit vor Intensität: Dreimal pro Woche über zwölf Wochen – Kontinuität war das Rückgrat des Studiendesigns.

Die Forschenden selbst bringen es auf den Punkt: Bewegung, die kognitive Elemente einschließt, könnte ein entscheidender Faktor für die Verbesserung altersbedingter kognitiver Beeinträchtigungen sein.

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